Freitag, 16. März 2018

Böse Geschäfte mit dem Leid der Patienten?

Schulmedizin und Pharmaindustrie böse Geschäfte – alternative Medizin nur gute?


Immer wieder stoße ich in sozialen Netzwerken auf „Meinungsäußerungen“, die der Pharmaindustrie, den Ärzten, der Schulmedizin Geschäftemacherei auch zum Nachteil der Patienten, gar absichtliches Krankmachen aus Habgier zumessen. Es sind meist Personen, die das verbreiten, die bestimmten Denkweisen, alternativmedizinisch, esoterisch u.a.zuzuordnen sind. Irgendwie erscheint es mir, das damit die Geschäfte der Anbieter solcher zu den Denkweisen passenden Heilverfahren gefördert werden (sollen) und die der „schulmedizinischen“, wissenschaftlichen Richtung regelrecht behindert, gar zerstört werden sollen.

Besonders kritisch kann solche herabwürdigende „Meinungsäußerung“ dann sein, wenn Heilpraktiker oder Heiler, die mit ihren Angeboten von der „Geschäftsschädigung“ der und dem Misstrauen sähen gegenüber dem Heilkundekonkurrenten verdienen (wollen).

Aber auch umgekehrt: Wenn z.B. eine Ärztegruppierung das Bild malt, dass der Heilpraktikerberuf als solcher gefährlich wäre, auch komplementäre und alternative Verfahren, die der Heilkundeauffassung dieser Vereinigung nicht entsprechen, durch Ärzte ausgeführt massiv herabwürdigen, sehe ich neben Unethik auch Tendenzen zu Versuchen, den Wettbewerb zu verzerren. Insbesondere, wenn dabei verschwiegen wird - es müsste diesen Kritikern genau bekannt sein – dass niemand die Erlaubnis bekommen darf, als Heilpraktiker tätig zu sein, wenn dieser nicht in einer fachbehördlichen Überprüfung seiner Kenntnisse und Fertigkeiten gezeigt hat, dass er das notwendige Wissen besitzt um mit seiner Tätigkeit Patienten keinen Schaden zu bringen. Und man muss dabei den Eindruck gewinnen, dass der Betreffende sich auch an die Regeln halten wird.

Grundsätzlich weiß man, dass auch in Ärztekreisen die beste Ausbildung nicht dafür schützt, dass „Einzeltäter“ die Regeln verletzten.

Egal in welche Richtung man schaut: „Bösewichte“ die ähnliches Bösen tun, so diffamieren, gibt es auf allen Seiten, auch Geldgier und Betrügereien.

Damit man vielleicht etwas mehr die Hintergründe finden kann, auf denen tatsächliche und scheinbare Missstände entstehen und fortbestehen, gebe ich mit meinen Worten aus meiner Sicht einige Informationen und Interpretationen.


Im deutschen Gesundheitswesen gibt es mehrere Teilbereiche. Der eine ist die Ausübung der Heilkunde, das was Ärzte und Heilpraktiker tun. Dieser Bereich hat maßgeblichen Einfluss auf gesundheitswirtschaftliche Aspekte und auch die Lage der Kranken- und Pflegekassen. Die Heilkunde bestimmt wesentlich mit, was Apothekern und Pharmafirmen verdienen können, Medizingeräte- und Medizinproduktehersteller und – Händler umsetzen und auch Heilmittelerbringer an Einnahmen erzielen.

Deswegen sind die Heilkundeausübenden Ziel der „Verkaufsförderung“ solcher Waren und Dienstleistungen. Dem Gesetzgeber ist genau diesen Problem bekannt, er will jedoch, dass sich die genannten Bereiche frei bewegen dürfen und erhofft, dass der Markt dafür sorgt, dass die Preise niedrig und die Qualität und Vielfalt der Produkte riesig sind.

Das war nie als wirklich erfolgversprechend zu erwarten. Ein Firma, ein Betrieb muss zunächst seinen wirtschaftliche Erfolg, Umsatz, Kapitalrendite sehen, es könnte sogar als Untreue gewertet werden, wenn die Geschäftsführung dieses nicht so intensiv verfolgt, wie möglich. Da sind viele Mittel recht und nicht ausdrücklich verboten. Was nicht ausdrücklich verboten ist wird gemacht. Ethik und Moral werden dabei nicht als Hinderungsgrund betrachtet.

So entscheidet eine Pharmafirma selbst, welche Forschung für welche Medikamente sie betreibt und was sie überhaupt herstellen und verkaufen will. Es ist durchaus nicht unübliche, wenn da die eine Firma auf Geschäftsbereiche verzichtet, die eine andere pflegt. Wettbewerb ist dann anders, doch solange nicht nachgewiesen wird, dass dahinter konkrete Absprachen oder gar Marktaufteilungen stecken, muss man nach der Unschuldsvermutung daran festhalten, dass alles nicht „böse“ gemeint ist und gegen Kartellregeln verstößt.

Das Regulativ soll aus der Heilkunde, konkret der ärztlichen, kommen. So die Hoffnung auf absolute Grundehrlichkeit und Moralität dieses Kreises. Zwar sind da einige (wenige?) negativ aufgefallen, aber insgesamt darf man nicht „verdammen“.

Zu den Ärzten:

Die ärztliche Tätigkeit ist reglementiert. Alle Ärzte müssen Mitglieder sein eine öffentlich rechtlichen Körperschaft, der/den Ärztekammer/n. Der Gesetzgeber hat die Befugnisse erteilt, verbindliche Regeln, Ordnungen aufzustellen, mit Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen, bis hin zu berufsgerichtlichen Verfahren und dem Approbationsentzug. Der Gesetzgeber hat dieser Selbstverwaltung auch die Aufsichtsbefugnisse und -pflichten übertragen.

In der/den Ärzteberufsordnung/en ist vorgegeben, dass der Arzt nur im Sinne und zum Nutzen des Patienten handeln darf. Interessen von Dritten dürfen dabei nicht einfließen und die Handlung des Arztes lenken.So dürfen keine Vergütungen für den Einsatz bestimmter Mittel, auch nicht unentgeltlich, entgegengenommen werden.

Dass diese von Verkäufer- oder Herstellerseite als Anreiz angeboten werden, kann die Ärzteordnung nicht verbieten. Sie kann nur verbieten, dass der Arzt dem folgt und solche Angebote annimmt.

Dem Arzt ist nicht erlaubt, neben den Honoraren, die er vom Patienten (Kassen) erhält mit der jeweiligen Behandlung weiter Geschäfte zu machen, erst recht, wenn der Patient nichts davon erfährt. Wenn z.B. Provisionen von z.B. Labors gezahlt wurden an den Arzt, die dann unerkennbar in der Patientenrechnung einbaut wurden und von diesem oder seiner Krankenkasse unwissend bezahlt wurden, so wurde das schon als Betrug gewertet und auch Sanktionen gegen den Arzt verhängt. Doch muss es bekannt werden und gerichtsfest nachweisbar sein – Aufgabe der Staatsanwaltschaften und in deren bewertendes Ermessen gelegt.

Allerdings können durchaus Ausnahmen gemacht werden und es sind „schwammige“ Formulierungen da. (s.u.)

Das kann/konnte schon mal dazu führen, dass Misstrauen gegen die Selbstverwaltung aber auch den Staat und die verantwortlichen Politiker entstand.

Zwar hat der Gesetzgeber reagiert, weil die Selbstverwaltung scheinbar nicht durchschlagskräftig genug sein konnte und hat das Strafgesetzbuch um einen Tatbestand erweitert: § 299a
Bestechlichkeit im Gesundheitswesen https://dejure.org/gesetze/StGB/299a.html , doch ob der erleichtern kann entsprechende Handlungen letztlich zu entdecken und aufzuklären, muss sich noch zeigen. Die Diskussion, ab wann den solche Bestechlichkeit beginnt zeigt schon, welche „Nischen“ gefunden werden können, in denen es sich gut ruhen lässt.

Wie in vielen Bereichen läuft der Staat der Findigkeit der Täter hinterher.

Der Beruf des Arztes (als Freiberufler, nicht als Angestellter, da erst recht) ist im Grunde beschränkt, was das durch Ausübung der Heilkunde als solche verdient werden kann. Auch das hat der Gesetzgeber so gewollte, um jedem Bürger einen gleichen Zugang zur Heilkunde zu ermöglichen und Krankenkassen nicht zur beliebig zu nutzenden Melkkuh werden zu lassen.

Es gibt auch für Privatpatienten eine Gebührenordnung. Ordnung besagt, dass diese verbindlich ist. Da ist die ärztliche Tätigkeit in viele (sind es inzwischen über 8.000?) einzelnen mit Ziffern versehene Verrichtungen aufgegliedert, denen ein Preis/Punktwert zugeteilt ist. Es ist auch geregelt wann oder wann nicht mit oder nicht mit anderen berechnet werden dürfen.

Den „Preisen“ liegen Schätzungen oder den dazu notwendigen durchschnittlichen (Zeit)Aufwand zugrunde. Da in einer bestimmten Zeit durch einen Arzt nur eine begrenze Anzahl von Handlungen durchgeführt werden können – außer man pfuscht – ist damit im Grunde das erzielbare Einkommen nicht nach oben offen. Diese Beschränkung kennt jeder, der seine eigene Praxis betreiben möchte. Jedoch sind auch „freie“ Honorarvereinbarung nicht (ganz) ausgeschlossen.

Angestellte Ärzte sind mit ihren Einkommensmöglichkeiten daran gebunden, was der Arbeitgeber an eigene Gewinnwünschen hat und was er an Löhnen abgeben möchte. In der Heilkundeausübung, z.B. als Krankenhaus(chef)arzt gelten inzwischen Bezahlungen, die sich am Umsatz, der Menge der Verrichtungen an Patienten orientieren, als zumindest möglicherweise gegen die Berufsordnung verstoßend. Entsprechen möchten die Ärztekammern Verträge vorgelegt bekommen, um die dahingehend zu prüfen. Zu Selbstverwaltung und deren Problemen habe ich meine Meinung schon geäußert.

Also so richtig „steinreich“ kann man nur mit der Ausübung der Heilkunde nicht werden. Dazu braucht es Nebengeschäfte, z.B. Beraterverträge mit Firmen auch aus dem Medizinbereich,
Vortragstätigkeiten, auch nicht strenge genommen Heilkundeausübung wie Schönheitsoperationen, Kosmetik oder auch Leistungsförderung im (Spitzen)Sport.


- Ärztinnen und Ärzte haben ihren Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ih-
nen bei ihrer Berufsausübung entgegengebrachten Vertrauen zu entspre-
chen. Sie haben dabei ihr ärztliches Handeln am Wohl der Patientinnen und
Patienten auszurichten. Insbesondere dürfen sie nicht das Interesse Dritter
über das Wohl der Patientinnen und Patienten stellen.
...
Unvereinbarkeiten
...
- Ärztinnen und Ärzten ist neben der Ausübung ihres Berufs die Ausübung ei-
ner anderen Tätigkeit untersagt, welche mit den ethischen Grundsätzen des
ärztlichen Berufs nicht vereinbar ist. ...
- Ärztinnen und Ärzten ist untersagt, im Zusammenhang mit der Ausübung ih-
rer ärztlichen Tätigkeit Waren und andere Gegenstände abzugeben oder un-
ter ihrer Mitwirkung abgeben zu lassen sowie gewerbliche Dienstleistungen
zu erbringen oder erbringen zu lassen, soweit nicht die Abgabe des Produkts
oder die Dienstleistung wegen ihrer Besonderheiten notwendiger Bestandteil
der ärztlichen Therapie sind. …
- Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, in allen vertraglichen und sonstigen beruflichen Beziehungen zu Dritten ihre ärztliche Unabhängigkeit für die Behandlung der Patientinnen und Patienten zu wahren.“
aber auch:

Ärztinnen und Ärzten ist es nicht gestattet, von Patientinnen und Patienten
oder Anderen Geschenke oder andere Vorteile für sich oder Dritte zu fordern
oder sich oder Dritten versprechen zu lassen oder anzunehmen, wenn hierdurch der Eindruck erweckt wird, dass die Unabhängigkeit der ärztlichen Entscheidung beeinflusst wird. Eine Beeinflussung ist dann nicht berufswidrig, wenn sie einer wirtschaftlichen Behandlungs- oder Verordnungsweise auf sozialrechtlicher Grundlage dient und der Ärztin oder dem Arzt die Möglichkeit erhalten bleibt, aus medizinischen Gründen eine andere als die mit finanziellen Anreizen verbundene Entscheidung zu treffen.

Viel Spielraum?

Alles klingt gut. Der Arzt wäre derjenige, der unabhängig von Interessen Dritter und ohne irgendwelche Vorteile durch diesen anzunehmen nur das Verordner und anwendet, was tatsächlich im Sinne des Patienten notwendig ist und auch nicht um sein persönliches Einkommen zu erhöhen Unnötiges macht. Das wäre ein gutes Regulativ gegen die freien Marktinteressen der Arzneianbieter usw. Nur: Ärzte sind auch nur Menschen und haben persönliche Interessen …. Auch in der Berufsaufsicht sind Menschen tätig mit all den Fehlern und Eigeninteressen.

Da wäre für den Gesetzgeber vielleicht doch noch so manchen zu regeln, um Patientensicherheit (für unnötigen Behandlungen) und Wirtschaftlichkeit sicher zu stellen. Doch es gibt die Gesundheitswirtschaft, die in (anderen) Teilbereichen des Gesundheitssystems durchaus Gewicht hat. Das Gesundheitsministerium ist kein HEILKUNDEMINISTERIUM.


So müssen manche Kritiker, die Selbstbedienung verschiedener Beteiligter in unserem Gesundheitssystem sehen, auch zum Patientennachteil, einfach hinnehmen, dass man nicht auf der einen Seite Freiheit, auch in der Therapie, Forschung, Wissenschaft verlangen kann und das gesamte Gesundheitssystem in Zwangsjacken stechen kann. Auch ich bedaure viel an Fehlentwicklung, spreche es an, sooft es geht, auch wenn man es nicht hören will. Doch handeln müssen dann Menschen in der Politik, die nicht meiner Meinung sein müssen.


Heilpraktiker

Diese haben keine staatlich vorgegebene Ausbildung, die einen Qualitätsmaßstab für ihren heilkundlichen Nutzen bieten kann. Das ist vom Gesetzgeber so gewollt und bisher ist das alte Gesetz auch nicht entsprechend geändert worden. Es ist nur den Bedingen angepasst anzuwenden, die das Grundgesetz liefert.

Folge: Gesetzliche Krankenkassen dürfen deren Leistungen nicht Erstatten, weil ja der notwendige Nachweis des Nutzens und er Qualität nicht erbracht ist.

Für Heilpraktiker gibt es niemanden, dem der Gesetzgeber (öffentlich rechtliche) Befugnisse gegeben hat, verbindliche Berufsregelungen zur Heilpraktiker zu erlassen. Er selbst hat auch keine Berufsregeln aufgestellt. Es gelten nur die allgemeinen Gesetze. Jeder Heilpraktiker ist einzelner freier „Unternehmer“. Zusammenschlüsse dürfen zwar privatrechtlich sein, aber daraus dürfen keine Verhaltens- oder Preisregelungen getroffen werden, die für Heilpraktiker verbindlich sind.
Er darf im Rahmen seiner Tätigkeitserlaubnis alles anwenden, wozu er in der Lage ist, das gefahrlos für Patienten zu tun. Therapiefreiheit. Nur wenige Gesetze beschränken hier.

Eine GebührenORDNUNG, die verbindlich ist gibt es nicht. Es gibt auch kein verbindliches Ziffernsystem. Wenn private Krankenkassen und Beihilfestellen Ziffern eines rein orientierenden unverbindlichen Gebühren VERZEICHNISSES anerkennen bzw. zu Grunde legen, ist auch das reine Privatsache zwischen dem Versicherten, der die Rechnung einreicht, und dem Versicherer.

Eine Berufsordnung, die verbindlich für Heilpraktiker insgesamt ist, existiert nicht. Auf privater Ebene haben private Vereine solche für ihre Mitglieder erstellt. Wenn die sich nicht daran halten wollen, nutzen Sanktionen im Verein auch nichts, man tritt aus und dem Verein gehen Beiträge verloren.

Der Bestechlichkeitstatbestand nach §299a StGB (s.o) gilt für Heilpraktiker ohne staatliche Ausbildung und Prüfung nicht. Es steht im Grunde jedem Heilpraktiker frei, nebenher (mit dem Vertrauen des Patienten) Geschäfte zu machen und auch aus der Behandlung des Patienten zusätzlichen Nutzen zu ziehen. Es muss nur für den Patienten erkennbar sein und seine Zustimmung haben, wenn in der Abrechnung mit dem Patienten Beträge enthalten sind, die der Heilpraktiker als Boni o.ä. von Dritten erhalten hat (s.o), so Provisionen für Zuweisungen an andere Leistungserbringer im Behandlungsfall (z.B. Labor). So sehe ich das.

Auch Zuwendungen dafür, dass bestimmte Arzneien oder Medizinprodukte vom Patienten gekauft werden, sind dem Heilpraktiker nicht wirklich anzunehmen verboten. Der Patient kann zwar aus dem Behandlungsvertrag (Dienstleistungsvertrag) erwarten, dass nach bestem Gewissen und Wissen nur das gemacht und empfohlen wird, was nach Stand der Dinge nötig und sinnvoll ist. Doch was ist Wissen und Gewissen? Der Patient muss doch wissen, dass für Heilpraktiker andere Regeln gelten, als für Ärzte und durchaus „besondere“ Ideen und Wissensstände angeboten werden.

Im Grunde wäre es viel leichter, dass Heilpraktiker „mit dem Kranksein der Patienten zu ihrem Vorteil Einkünfte lenken“, als im Bereich der „wissenschaftlichen Schulmedizin“.

Es gibt es viele Anbieter von Arzneien, Medizingeräten (auch zur Anwendung (Kauf mit Provisionen für den Empfehlenden) durch den Patienten) Medizinprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln, Kursen, privaten Kuren usw. die auch im Heilpraktikerfeld, der komplementären und alternativen Medizin überhaupt, tätig sind. Drunter sicher auch welche, die ihre Geschäfte mit Hilfe von Heilpraktikern „fördern“ möchten. Der Heilpraktikerberuf im Sinne nur von Heilkundeausübung, bringt gemäß den statistischen Erhebungen viel mehr als die Hälfte der Tätigen kaum auskömmliches Einkommen, ohne Chancen für Altersrücklagen. Auch die, die gerade genug haben, werden typischerweise nicht wohlhabend. Das sind nur sehr wenige von den inzwischen rund 40.000 Personen mit Heilpraktikererlaubnis. Da kann die Verlockung groß sein, Zusatzeinkommen zu erlangen und auch die eigenen Angebote besonders „herauszustellen“. Werbebeschränkungen wie bei Ärzten existieren keine speziellen neben dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und dem Heilmittelwerbegesetz.


Schulmedizin und Pharmaindustrie böse Geschäfte – alternative Medizin nur gute? Ich glaube, es ist in allen Bereichen die gleiche Vorsicht und immer eine gutes Maß an Misstrauen nötig. Insbesondere, wenn die eine Seite die andere schlecht machen möchte.

 
Auch bei Ärzten, deren Berufsausübung reglementiert ist, hängt es von den Einzelpersonen ab, wie diese die Regeln zu ihren Gunsten auslegen oder einfach nicht beachten. Bei Heilpraktikern, bei denen alle Regeln zur Berufsausübung nur „private unverbindliche Vorschläge“sind, ist es noch einfacher, nur zu tun, was einem selbst „behagt“. Man ist angewiesen darauf, wie sich die jeweilige Einzelperson entscheidet – zu Gut oder zu Böse.

Die Welt der ideologischen Pauschalablehnung der etablierten Richtung und die „skrupellose“ Durchsetzung der eigenen (wirtschaftlichen) Interessen, ist gerade durch das Internet kaum in angemessene Bahnen zu halten oder zurück zu lenken.


Copyright K.-U.Pagel 03.2018



Montag, 12. März 2018

Neue Regierung - Heilpraktiker weiter im Blick?

Heilpraktiker weiter im Focus – trotz keiner Gefahren durch den Beruf





Vorab ist festzuhalten: Niemals kann eine Gefahr, die durch Fehlverhalten eines Einzelnen entsteht, durch irgendwelche Gesetze verhindert werden. Allenfalls ist nachträgliche ein Sanktion möglich. Es ist in keiner Berufsgruppe, auch nicht bei Heilpraktikern und bei Ärzten (mit genügend Beispielen) allen vorzuwerfen, wenn Einzelne gegen die Regeln verstoßen. Die Berufsfreiheit gemäß Grundgesetz würde wohl niemals zulassen, dass Beschränkungen aller regelkonform Arbeitenden wegen einigen wenigen „Rechtsbrechern“ erlassen werden können.

Zu den gesetzlichen Regeln:

Das Heilpraktikgergesetz vor: 1. Jeder, die Heilkunde ohne Arzt zu sein ausüben will, braucht eine Erlaubnis. Diese Erlaubnis darf nicht erteilt werden (gemäß der Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz) „i) wenn sich aus einer Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Antragstellers durch das Gesundheitsamt ergibt, daß die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde.“

Dazu wird näher erläutert

(zitiert nach Richtlinien zur Durchführung des Heilpraktikergesetzes RdErl. d. Ministeriums für Frauen NRW, Stand Januar 2018):
4.2 Zweck der Überprüfung
Die Überprüfung dient der Feststellung, ob die Antrag stellende Person solche heilkundlichen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, dass die Ausübung der Heilkunde durch sie nicht zu einer Gefährdung der menschlichen Gesundheit führen kann. Die Überprüfung ist keine Prüfung im Sinne der Leistungskontrolle zur Feststellung einer bestimmen Qualifikation.
Die Kenntnisüberprüfung muss allerdings die wesentlichen Gegenstände umfassen, die für die gebotene Feststellung erheblich sind. Neben der hinreichenden Beherrschung der deutschen Sprache und der Kenntnis der einschlägigen gesundheitsrechtlichen Vorschriften gehören dazu notwendigerweise auch diejenigen fachlichen Grundlagenkenntnisse der Medizin, ohne deren Beherrschung heilkundliche Tätigkeiten mit Gefahren für die menschliche Gesundheit verbunden sein können.Durch die Überprüfung muss insbesondere auch festgestellt werden, ob die Antrag stellende Person die Grenzen ihrer Fähigkeiten und der Handlungskompetenzen klar erkennt, sich der Gefahren bei einer Überschreitung dieser Grenzen bewusst und bereit ist, ihr Handeln entsprechend auszurichten. “

Hessen legt in seiner Richtlinie, die seit 2013 bis 2019 gilt: „4.1
1Ziel der Kenntnisüberprüfung ist es festzustellen, ob die Ausübung der Heilkunde durch die Antrag stellende Person nach § 2 Abs. 1 Buchst. i HeilprGDV 1 eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde. 2Sie dient somit der Abwehr von Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung und des einzelnen Menschen und stellt keine Prüfung im Sinne einer Leistungskontrolle zur Feststellung einer bestimmten Befähigung dar. 3Daher muss sie sich auf die Feststellung beschränken, ob der Stand der Kenntnisse und Fähigkeiten der Antrag stellenden Person Anhaltspunkte dafür bietet, dass eine heilkundliche Tätigkeit durch sie zu einer Schädigung der menschlichen Gesundheit führen könnte.
4.2Umfang
1Die Kenntnisüberprüfung muss die wesentlichen Gegenstände umfassen, welche für eine solche Feststellung erheblich sind. 2Hierzu gehören notwendigerweise diejenigen fachlichen Grundlagenkenntnisse der Medizin, ohne deren Beherrschung heilkundliche Tätigkeiten mit Gefahren für die menschliche Gesundheit verbunden sein können. 3Ebenso sind die Kenntnisse der einschlägigen gesundheitsrechtlichen Vorschriften zu überprüfen. 4Durch die Überprüfung muss insbesondere auch festgestellt werden können, ob die Antrag stellende Person die Grenzen ihrer Fähigkeiten und der Handlungskompetenzen von Heilpraktikern klar erkennt, sich der Gefahren bei einer Überschreitung dieser Grenzen bewusst ist und bereit ist, ihr Handeln entsprechend einzurichten.“



Das bedeutet: Personen, die nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügen, die Voraussetzung sind, dass die heilkundliche Tätigkeit durch diese Person KEINE Gefahren für die Gesundheit ihrer Patienten bringt, dürfen gar nicht erst die Erlaubnis erhalten, als Heilpraktiker tätig zu werden.

Patientenschutz gewährleistet durch Vorgaben des Gesetzes – wenn die zur Überprüfung zuständigen Behörden dem Gesetzesanforderungen gerecht werden.

Auch über die persönliche Zuverlässigkeit muss die Überprüfung ein Bild liefern können.


Klar ist, dass die Heilpraktikerüberprüfung über die Feststellung der die Gefahren vermeidenden Kenntnisse hinaus nicht die eine bestimmte Qualifikation festgestellt soll. Sie stellt fest, dass der Betreffende keine Gefahr für die Patienten darstellt, aber nicht welchen Nutzen er haben kann.

Patientenschutz vor Patientennutz. Ob jemand einen Nutzen in irgend etwas sieht, entscheidet der gemäß Grundgesetz immer selbst, auch in der freien Behandler- und Methodenwahl in der Heilkunde. Therapiefreiheit gilt nach Grundgesetz nicht nur für den Arzt und evidenzbasierter Verfahren.

Das unterscheidet die Überprüfung wesentlich von den Prüfungen bei den sonstigen Heilberufen. In diesen Prüfungen wird festgestellt, dass die Bewerber Nutzen auf der Basis der vorgegebenen Ausbildungsinhalte bringen können. Hier liegt ein wesentlicher Grund, warum Heilpraktikerleistungen NICHT durch gesetzliche Krankenkassen bezahlt werden dürfen, die von Ärzten, Physiotherapeuten, approbierten Psychotherapeuten aber wohl.. Diese Krankenkassen dürfen nur Leistungen bezahlen, die Nutzen bringen auf der Basis entsprechender qualifizierender Ausbildungen und Prüfungen. Das entspricht auch der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, welches 1988 darüber entscheiden musste, ob Heilpraktikerleistungen nicht aus Gleichheitsgründen durch gesetzliche Kassen zu erstatten sein müssten.

Entsprechend konsequent hat der Gesetzgeber auch davon abgesehen, eine Ausbildung für Heilpraktiker inhaltlich und vom Ablauf her vorzugeben, die diesen Nutzen erbringen soll. Es ist egal, woher und wie der Heilpraktikeraspirant sein Wissen hat, das Voraussetzung dafür sein muss, dass er Patienten mit seiner Tätigkeit nicht schadet. Es muss jedoch zwingend von den zuständigen Behörden überprüft werden, dass dieses in allen möglichen Tätigkeitsbereichen gegeben ist.

Heilpraktiker ist vom Gesetzgeber so gewollt kein Ausbildungsberuf und es darf auch keine Ausbildung von diesem als Berufszugang verlangt werden. Dennoch gibt es private gewerbliche Anbieter, ob Einzelpersonen, Firmen oder Vereine, die zumindest das Wissen, das für die Überprüfung notwendig erscheint, zur Vermittlung anbietet. Das in verschiedener Form und verschiedenem Umfang. Da der Heilpraktikerberuf kein Ausbildungsberuf ist mit geregeltem Ablauf und Inhalt der Ausbildung, kann auch kein Kursbesuch Voraussetzung der Erlaubniserteilung sein. Es ist von daher auch nicht möglich, eine Ausbildungsfirma anzuerkennen, tatsächlich eine Berufsausbildung anzubieten. Lediglich nach dem Umsatzsteuerrecht ist eine Anerkennung als auf den Berufszugang vorbereitend möglich.

Es ist kein Qualitätsbeleg für den Nutzen der Heilpraktiker an sich, wenn Heilpraktiker oder ihre vielen verschiedenen Berufsvereine auf die vielen Ausbildungsangebote (ohne verbindliche Inhalte und Abläufe sowie Umfänge), an denen Kandidaten für die Heilpraktikererlaubnis teilgenommen haben könnten, hinweisen.

Darum, um den Nutzen den die meist naturheilkundlichen, komplementären oder alternativen Heilverfahren, die von Heilpraktikern angeboten werden, geht es nicht. Auch nicht den Kritikern. Eine ganze Reihe von Ärzten bieten Gleichen mit lukrativem Zusatzeinkommen neben der Kassenpraxis an. Man könnte meinen, mit der unbewiesenen Behauptung, Heilpraktiker würden den Patienten schaden können, nur weil sie kein geregelte Ausbildung mit Staatsexamen haben, wäre nur beabsichtigt, diesen Ärzten Konkurrenten vom Halse zu halten – eine Art verdeckte unlautere Werbung also.


Die Durchführung der Überprüfung vor der Erteilung einer Heilpraktikererlaubnis ist keine Kannregelung sondern für die zuständigen Behörden verpflichtend. Sie kann unter ganz engen Grenzen (teilweise) ersetzt werden durch Nachweise über abgeschlossene geregelte Berufsausbildung mit abschließender staatlicher Prüfung (Staatsexamen). So bei den nur auf Antrag des Erlaubnisbegehrenden bei streng auf nur ein bestimmtes Gebiet der Heilkunde beschränkter Tätigkeitserlaubnis. Beispielsweise bei Physiotherapeuten mit staatlicher Prüfung nach abgeschlossener geregelter Ausbildung oder auch bei Psychologen mit abgeschlossenem Studium klinischer Zusatzausbildung. Da kann der in der Ausbildung enthaltene und im Examen geprüfte Teil als vorhandene Grundkenntnisse vorausgesetzt werden. Die Überprüfung hierzu darf entfallen. Es muss aber immer alles, was nicht enthalten war und für die eigenständige Heilkundeausübung wichtig sein kann, überprüft werden.

Die „normale“ Heilpraktikererlaubnis wird unbeschränkt erteilt, das bedeutet (zitiert nach Heilpraktikergesetz § 1 (2): „Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.“

Das bedeutet, dass jede Tätigkeit, auch invasive Maßnahmen wie Injektionen mit dieser Erlaubnis grundsätzlich ausgeführt werden dürfen. Zusätzliche Erlaubnisse dazu kann es nicht erfordern. Demzufolge sind die zuständigen Behörden verpflichtet, die dafür notwendigen Kenntnisse zu überprüfen, die Gefahren für Patienten ausschließen sollen. Im Fall dieser Invasiven Maßnahmen ist das unter anderem die Sachkunde in Hygiene für diese Verrichtungen. Da jeder Erlaubnisinhaber diese ausführen darf, ist jeder daraufhin zu überprüfen.

Wenn bei der Überprüfung auch nur in einem Bereich der Fülle der notwendigen Kenntnisse Zweifel bestehen, ob diese ausreichend vorhanden sind, kann/darf die Erlaubnis nicht erteilt werden.

Es ist demnach Sache und Verantwortung der zuständigen Behörden, die Überprüfung inhaltlich so zu gestalten, dass die notwendigen Feststellungen getroffen werden können.



Wenn nun der Berufsgruppe der Heilpraktiker oder dem Beruf als solchem von irgendjemanden nachgesagt wird, dass von deren Tätigkeit eine Gefahr für Patienten ausgeht, dann kann das nur bedeuten, dass den verantwortlichen Behörden ein Versagen oder Nachlässigkeiten bei der Erlaubniserteilung - Überprüfung – unterstellt wird. So würde ich die Aussagen und Einschätzungen einer nicht nur Münsteraner Ärztegruppe (Münsteraner Memorandum) dann verstehen müssen, die Gefahren durch die Heilpraktikertätigkeit vermuten. Das Gesetz mit seiner Durchführungsverordnung nimmt die Behörden in Pflicht, Gefahren abzuwehren. Diese hätten dann ihre Pflicht nicht erfüllt.



Man muss immer daran denken: Persönliche Verfehlungen und Kompetenzüberschreitungen Einzelner sind keine Berechtigung, den ganzen Beruf und allen seinen Angehörigen grundsätzlicher Gefährlichkeit zuzumessen.


Die Berufsfreiheit Art. 12 Grundgesetz lässt nicht zu, dass aufgrund unzureichender Pflichterfüllung von Behörden berufliche Einschränkungen, gar Tätigkeitsverbote erlassen werden.

Unter diesem Aspekt sollte man sich eine Passage des Entwurfes zum vorgesehen Koalitionsvertrag der wohl künftigen ab Mitte März 2018 künftigen Regierung ansehen und hinterfragen:

Die Zeilen 4702 und 4703 diesen Vertragstextes besagen: „Im Sinne einer verstärkten Patientensicherheit wollen wir das Spektrum der heilpraktischen Behandlung überprüfen.“

Hoffentlich meint das nicht, dass die zur Überprüfung verpflichteten Behörden in der Gefahrenabwehr versagt hätten. Grundsätzlich muss eine Patientensicherheit durch die Überprüfung gesichert sein. Eine Verstärkung sollte nicht nötig sein. Und wenn, dann nicht durch Einschränkung des Behandlungsspektrums sondern durch angemessen Erweiterung der Überprüfungen, die das Gesetz für eine Erlaubniserteilung zur Voraussetzung gemacht hat.


Bisher ist ein tatsächlicher Grund für einen Eingriff in die Berufsfreiheit nicht ersichtlich. Der muss sich aus tatsächlich eingetretenen Schäden trotz hinreichender Gefahrenabwehrüberprüfung ergeben. Das jedoch kann für eine ganze Gruppe von Menschen nicht das Verhaltenen Einzelner sein.

Schon deswegen hat nach Inkrafttreten des Grundgesetzes keine Beschränkung des Erlaubnisumfangs oder der Bestimmungen des Heilpraktikergesetzes den Weg ins Gesetzgebungsverfahren genommen.

Für eine Optimierung der Heilpraktikerüberprüfung zum Patientenschutzzweck hat der Gesetzgeber bereits beigetragen. Er hat im Jahre 2016 die Länder in die Pflicht genommen bis zum Jahresende 2017 zusammen mit diesem gemeinsame Richtlinien zur Heilpraktikerüberprüfung im Sinne des Patientenschutzes vor Gefahren durch Heilpraktikertätigkeit zu erarbeiten und vorzulegen. Die neue Regierung kann nur Sorge dafür tragen, dass diese auch umgesetzt werden.

Es wurde in die Durchführungsverordnung (Bundesrecht) aufgenommen: „Das Bundesministerium für Gesundheit macht Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärtern bis spätestens zum 31. Dezember 2017 im Bundesanzeiger bekannt. Bei der Erarbeitung der Leitlinien sind die Länder zu beteiligen.“

Diese Leitlinien liegen vor und werden am 22.03.2018 wirksam.

Sie haben die bisherigen bekannten Regeln im Grunde nur anders formuliert: „Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker dürfen nur in dem Umfang Heilkunde ausüben, in dem von ihrer Tätigkeit keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder für Patientinnen und Patienten ausgeht. Sie müssen eventuelle Arztvorbehalte beachten und sich auf die Tätigkeiten beschränken, die sie sicher beherrschen.... Zur Heilpraktikerüberprüfung: 1. Inhalte der Überprüfung Die Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten der antragstellenden Person dient einerseits der allgemeinen Feststellung, dass von ihrer Tätigkeit im Falle der Ausübung von Heilkunde keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung ausgeht. Im Besonderen dient sie der Feststellung, dass die Ausübung der Heilkunde durch die antragstellende Person keine Gefahr für ihre Patientinnen und Patienten darstellt.“

Wichtige Aussage zur Feststellung bei der Überprüfung: „1.6.3 Die antragstellende Person ist unter Anwendung ihrer medizinischen Kenntnisse, unter Einbeziehung vorliegender Befunde, gestützt auf ihre Anamnese und im Bewusstsein der Grenzen ihrer diagnostischen und therapeutischen Methoden sowie möglicher Kontraindikationen in der Lage, eine berufsbezogene Diagnose zu stellen, aus der sie einen Behandlungsvorschlag herleitet, der keine Gefährdung der Patientengesundheit erwarten lässt.

Sie listen die breiten Gebiete auf, in denen notwendige Kenntnisse gezeigt werden müssen.

Sie besagen z.B. für die (immer wieder kritisierten) invasiven Verfahren wie Injektionen, Akupunktur, Aderlass, Schröpfen: „Die antragstellende Person kennt die medizinrechtlichen Grenzen sowie Grenzen und Gefahren allgemein üblicher diagnostischer und therapeutischer Methoden bei der Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten aufgrund von Arztvorbehalten insbesondere im Bereich des Infektionsschutzes, im Arzneimittel- oder Medizinprodukterecht und ist in der Lage, ihr Handeln nach diesen Regelungen auszurichten. … Qualitätssicherung: 1.2.1 Der antragstellenden Person sind die Grundregeln der Hygiene einschließlich Desinfektions- und Sterilisationsmaßnahmen bekannt; sie ist in der Lage, diese bei der Ausübung des Berufs zu beachten.“

Da ist viel mehr als nur die Vorlage einer Teilnahmebescheinigung an einem Kurs, wie sie z.B. Tätowierer/innen oder Kosmetiker/inen vorlegen müssen, wenn diese invasiv tätig sind. Es muss überprüft werden, ob der/die künftige Heilpraktiker/in auch in der Lage ist, diese zu beachten!

Weiter zu invasiven Verfahren: „Die antragstellende Person ist insbesondere dann, wenn der Behandlungsvorschlag die Anwendung invasiver Maßnahmen beinhaltet, in der Lage zu zeigen, dass sie diese Maßnahmen ohne Gefährdung der Patientengesundheit anwenden kann.“

Und wieder: Es ist festzustellen, dass der/die künftige Heilpraktiker/in der Lage ist, etwas zu tun und es nicht nur weiß.

Das ist im Grunde der Unterschied zu den schon lange bestehenden Richtlinien zur Überprüfung. Nicht nur das Vorhandensein der Kenntnisse ist gefragt, sondern zusätzlich die Überprüfung darauf, dass jemand diese umsetzten kann, wird verlangt.

Es wird für „alternative Verfahren“ verlangt (und da kommt man auch Kritikern weit entgegen): „1.6.5 Enthält der Behandlungsvorschlag der antragstellenden Person Maßnahmen, die den alternativen Therapieformen zuzurechnen sind, erklärt sie die vorgeschlagenen Maßnahmen und ist auf Nachfrage in der Lage zu zeigen, dass sie diese ohne Gefährdung der Patientengesundheit anwenden kann.“

Wie das in der Überprüfung, die erst die Grundlage der heilkundlichen Tätigkeit ermöglichen soll, die Erteilung einer andauernd geltenden umfassenden Tätigkeitserlaubnis, erfolgen soll, bleibt offen. Muss verbindlich erklärt werden welche der vielen und vielfältigen Verfahren angewendet werden wird und darf dann später – wenn keine Überprüfung mehr vorgesehen ist – keine anderes hinzu genommen werden?

Und unabhängig von diesen Regeln, die zum einem durch Bundesgesetz vorgegeben sind (umfassende Tätigkeitserlaubnis ohne Verfahrensbeschränkung) und die bisher geübte Überprüfungspraxis in weiter konkretisierter Form feststellen, geht Hessen einen sehr fragwürdigen, auch von Grundgesetz her, fragwürdigen weg.

Im Dezember 2017, also parallel zudem die Überprüfungsrichtline zur DVO neu gefasst wurde, hat man dort in einer Infektionshygieneverordnung, die bisher nicht für Personen mit umfassender Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde nach dem Heilpraktikergesetz galt, sondern nur für Gewerbetreibende wie Kosmetiker/innen, Tätowierer u.ä,. nicht Heilkundeberufe, ausdrücklich die Heilpraktiker einbezogen. Diese Verordnung verbietet grundsätzlich die Ausübung von invasiven Maßnahmen, auch zur Heilkunde. Sie hebt demnach die erteilte Erlaubnis für Heilpraktiker in einem großen Bereich auf.

Wer als (auch als Heilpraktiker) invasive Maßnahmen durchführen will (Zitat): „(10) 1Tätigkeiten nach Abs. 1 Satz 1 dürfen nur Personen durchführen, die über die notwendige Sachkunde in Hygiene verfügen. 2Über die notwendige Sachkunde verfügt in der Regel, wer bei Ausübung von Tätigkeiten
1. nach Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 über den Sachkundenachweis Hygiene 1 (8 Stunden Kurs), 2. nach Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 über den Sachkundenachweis Hygiene 2 (40 Stunden Kurs mit Inhalten zur Aufbereitung)
verfügt. 3Auf der Internetseite des für Gesundheit zuständigen Ministeriums sind die Inhalte der in Satz 2 Nr. 1 und 2 genannten Kurse bekanntzumachen. 4Über die notwendige Sachkunde verfügt auch, wer eine Berufsausbildung, bei der Sachkunde über Hygiene in mindestens gleichwertiger Weise wie für einen Sachkundenachweis nach Satz 2 Nr. 1 oder 2 vermittelt wird, abgeschlossen hat.“
Die bei der Überprüfung auch nach hessischer geltender Richtlinie zu zeigenden Kenntnisse (Zitat aus der hessischen Richtlinie zur Heilpraktikerüberprüfung) „ 4.3.8
Praxishygiene; Desinfektion und Sterilisation,
4.3.9
Kenntnisse der sich aus der Medizinprodukte-Betreiberverordnung ergebenden Pflichten

4.3.10
Kenntnisse der Durchführung grundlegender invasiver Maßnahmen, insbesondere Injektions- und Punktionstechniken
,“

gelten nicht aus Nachweis der notwendigen Sachkenntnis. Damit die Tätigkeitserlaubnis auf die invasiven Verfahren wieder ausgedehnt werden kann ( ...Tätigkeiten nach Abs. 1 Satz 1 dürfen nur Personen durchführen …) muss keine Überprüfung erfolgen sondern lediglich ein Kurs bei einem privaten Anbieter (verdient damit Geld) belegt worden sein. Eine Berufsausbildung mit Abschluss gibt es (s.o.) für Heilpraktiker nicht.
Da zeigt sich für mich, dass es fraglich sein könnte, ob tatsächlich die – jede - (Länder) Gesetzgebung klare mit dem Grundgesetz vereinbare heilpraktikerrechtskonforme Regelungen anstrebt. Ist Chaos betreffende dem Heilpraktikerberuf gewollt? Zum Nachteil der Patienten(sicherheit)? Immer schon gemacht, schon vergessen, obwohl die Überprüfungregelung weiter gilt und noch mal neu erarbeitet, um dann doch was anderes zu machen? Wortspiel: das wäre hässlich, nicht hessisch.

Es zeigt sich, so meine ich, dass keine Gefahren durch Heilpraktikertätigkeiten ausgehen, außer durch einzelne nie auszuschließende Regelverletzungen durch einzelne Personen. Das aber nur, wenn tatsächlich die die zuständigen Behörden verpflichtenden gesetzlichen Vorgagen eingehalten werden.


Ich muss hier hervorheben:

Ich selbst war früher einige Jahre als Beisitzer bei Heilpraktikerüberprüfungen tätig und haben etliche Jahre mich auch aktiv und kritisch mit der Überprüfung befasst. Dabei habe ich vielen erfahren und kennen gelernt. Ich möchte deswegen den beteiligten Amtsärzten (auch wenn es einigen mit „Eigenheiten“ gab und gibt) hervorragende Arbeit bescheinigen. Sie haben mit dazu beigetragen, dass die Tätigkeit durch Heilpraktiker für Patienten keine Gefahren (außer durch „Einzeltäter“) darstellt.

Wenn nun Politiker, Menschen in Verwaltung und/ oder Ministerien meinen, da irgendwelche Gefährdungen dennoch mutmaßen zu müssen, ist das eine Ohrfeige für die „an der Front“ gut Arbeitenden.

Wenn da einige Ärzte in Gruppenabsprache meinen, im Grunde genommen nicht den Heilpraktikern Gefährlichkeit zuzumessen, sondern den in der Überprüfung tätigen Arztkollegen, die für die Gefahrenabwehr zuständig sind, letztlich zuweisen, dafür die Verantwortung zu tragen, ist das mit der ärztlichen Berufsordnung nicht zu vereinbaren.

Also: Der Heilpraktikerberuf, die tätigen Heilpraktiker, können schon wegen der gesetzlichen Vorgaben keine Gefahr für die Patienten darstellen. Es sei den die zuständigen Behörden versagen. 

Eine kritische Meinungsäußerung von K.-U.Pagel (c) 03.2018

Montag, 16. Oktober 2017

Wer verdient an der Krankheit anderer oder an geschürter Krankheitsangst?

Wer verdient an der Krankheit anderer oder an geschürter Krankheitsangst?

Der, der mit "Informationen" zu gesundheitlichen Themen agierend Verunsicherungen schafft, erst überhaupt den Gedanken aufbringt, Gesundheit könnte gefährdet sein und/oder mit rein spekulierten Aussagen über "Wundertherapien" ohne große Nebenwirkungen Hoffnungen schürt, vielleicht gar nicht vorhandene Krankheiten zu heilen oder gar Krankheiten vorzubeugen (aufgrund vielleicht unbelegter Theorien entstehend), die man gar nicht bekommen. Auch ohne "Vorbeugung" nicht.

Aber: Bei erdachten Gefahren ist es leicht, zu behaupten, eine käuflich erworbene Vorbeugungsmaßnahme hätte gewirkt.

Wer dann darauf basierend etwas vermarktet, seien es Waren seinen es (Behandlungs-) Dienstleistungen, der verdient daran.

Der echte Heilkundler schafft seine Nachfrage nicht selbst. Sie entsteht aus der „Natur“. Auch angebliche Zivilisationskrankheiten entstehen daraus, was die Natur auf die „Zivilisation“ antwortet. Kommt man, warum auch immer, aus dem Gleichgewicht dessen, was die Natur fordert und bietet und dem,was man mit seinem Organismus unnatürlich gegen diese zyklischen Naturgesetze (s. Jahreszeiten mit verschiedenen Anforderungen an die Anpassung) macht, sind über kurz oder lang natürlicherweise Krankheiten vorprogrammiert. Das ist eine Programm der Natur, die sich so gegen „Menschenwerk“ und zu viele Menschen schützt.


Der Heilkundler erfindet keine Krankheiten oder angeblich krankhafte Zustände (Stoffwechselbedingungen), die er dann mit nicht belegten Diagnostikmethoden zu beweisen angibt. Oder mittels willkürlichen "Normwerten" begründet. Das macht der Gesundheitsgeschäftemacher. Er, der Heilkundler,  macht das, was nötig ist und am angemessendsten erscheint, mehr nicht.

Die Frage: "Darf's noch etwas Entgiftung mehr sein? Eine Wohlfühlbehandlung dazu vielleicht?" gehört in den Krämerladen, nicht in die Heilkunde.

Aus meiner Praxis kann ich sagen, dass inzwischen viele kommen, die aufgrund von irgendwelchen Blogbeiträgen und Gesundheitsaufklärungsbeiträgen (auch von Heilpraktikern) an sich im Rahmen des individuell Angemessenen auftretende Missempfindung als beunruhigende "Krankheitszeichen" bewerten (Placeboeffekt - hier Noceboeffekt solcher "verkaufsgerichteter Informationen"), Rat suchen, um wieder zu sich zu finden, ihr Vertrauen in ihre Selbstregulation wieder herstellen müssen.

Sie gehen dann nach ausschließender Diagnostik (valider Natur) ohne Zusatzkäufe und Folgekosten in Wellness und Lifestyle "geheilt" nach Hause. "Krank" waren sie wegen der "Informationsviren" in ihren Köpfen, die erst das Gefühl krank oder krankheitsbedroht zu sein, auslösten.

Wer sein Leben verbessern will, vielleicht dadurch mehr Erfolg und auch Geld und Geltung erreichen will, ist nicht krank. Er braucht keine Heilkunde. - Vielleicht doch, wenn das Ausdruck einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung ist. Wer versuchen will, die (seine) Natur zu überlisten und unendlich alt werden will ohne so zu wirken, der verkennt wohl die Regeln der Natur. Diese bietet nur begrenzten Lebensraum. Je älter Menschen werden umso weniger Raum besteht für zusätzliche neue. Lernen wir doch endlich mal daraus, was (in Europa) die Natur uns zeigt: mehr Wohlstand und verlängerte Lebenserwartung, umso weniger und schlechterer Spermien beim Mann.

Und dazu dann auch die an den erwünschten Lebensstandard und die Karriereplanung orientierte Empfängnisverhütung“ der Frauen. Sex nicht mehr zur Fortpflanzung, neues Leben an die Stelle vergangenen alten Lebens zu setzten, sondern aus Bestandteil des Lebensgenusses derer die auch als Alte nicht zugunsten der Kinder verzichten wollen.

Schauen wir hin: Immer mehr Menschen brauchen immer mehr Nahrung, auch im Winter. Also entsprechend große Überschüsse der Ernten, um für Mangelzeiten vorzubeugen. Wenn das fehlt, sterben mehr Menschen an Krankheiten und Mangel, als wenn entsprechende Überschüsse eingelagert werden konnten.

Dazu braucht es Technologie: Landwirtschaft mit überschießenden Erträgen, mit möglichst viel Ertrag pro Hektar Fläche. Das bedeutet aber, dass mehr Nährstoffen für die Pflanzen (Phosphor, Stickstoff, auch Spurenelemente von an sich giftigen Schwermetallen, in die Böden müssen: Düngen, düngen, düngen – bis das Grundwasser stinkt.

Und dann: Größere Erträge verlangen höheren Einsatz bei Saat und Ernte – Maschinen, wo immer es geht. Maschinen brauchen passen gemachte Äcker, ohne dazwischen wachsendes „Unkraut“, was ja auch Raum und Nährstoffe benötigt. Also Unkrautvernichtungsmittel. Bis das Trinkwasser danach schmeckt und Hoden und Eierstöcke der Menschen „austrocknen“.

Tierische Schädlinge müssen weg. Käufer, Raupen, aber auch Wildschweine, Rehe, Saatkrähen usw.
Also Gift gegen Insekten und Blei aus Gewehren gegen Wildtiere. Nun, wenn auch Bienen sterben, was soll's. Honig hat ja viel zu viel schädlichen Zucker. Und Wildfleisch kann man essen. Die Gentechnik wird bald selbstbestäubende Nutzpflanzen bieten.

Und ein riesiges Geschäft kommt dazu: Man wettert gegen die böse Industrie, die profitgeilen Bauern und Tiermäster. Da verkaufen sich so manche Zeitschriften gut und Vereine sammeln Spenden. Angeblich Immer nährstoffärmere Pflanzen (wo geht die ganze Düngung dann hin und wovon wachsen die und bringen hohe Erträge?) erfordern immer mehr Nahrungsergänzung. Die vielen Gifte verlangen viele Entgiftungskuren (Detox). Natürliche "Unveträglichkeiten" von Nahrungsmittel (nicht jeder verträgt jedes, wir sidn vrschieden) werden geradezu zu Volkskrankheiten erklärt - und Märkte geschaffen. Auch für angebliche Diagnostikmethoden. Wer dann entsprechende Informationen (Gesundheitsaufklärung) macht, kann in seinen Beiträgen auch bezahlte Werbung für solche Produkte und Dienstleistungen platzieren.

Wer verdient an den angebliche Krankheiten?

Copyright K.-U.Pagel 10/2017

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Der Heilpraktikerberuf – die Heilpraktikerschwemme – das Dilemma mit der Ausbildung

Der Heilpraktikerberuf – die Heilpraktikerschwemme – das Dilemma mit der Ausbildung


Ein „alter“ Heilpraktiker, der seit den 1980er Jahren dabei ist, erinnert sich und trägt seine Sicht vor:

Es gab schon immer die „Heilkundigen aus dem Volke“, die ohne akademische Ausbildung, ohne Abitur, oft aus einfachen Schichten stammen, nicht selten in gewisser Weise Außenseiter waren, und eine einfache Art der Heilkunde mit relativ einfachen Mitteln, teils auch „magisch“ rituell begründet, betrieben. Daneben gab es den Stand der „Ärzte“. Ein Vertreterin der „einfachen“ Heilkunde ist die Nonne, später Äbtissin, Hildegard von Bingen. Es gehören dazu der Furhmann Priestnitz (mit seinen Wickeln), Pfarrer Kneipp, Lehmpastor Felke.

Im deutschen Reich ab ca. 1860 durften solche Nichtärzte ihre Heilkunde als Gewerbe anbieten, die Gewerbeanmeldung reichte. Man hatte damals, besonders als prominenter Heilkundler wie Felke und Kneipp, immer wieder „Helfer“ die sozusagen in Ausbildung waren und dann mit dem Wissen selbst tätig wurden. Die wiederum hatten eigene „Auszubildende“, die dann auch das Wissen weiter anwendeten. Sicher hatte man durch diese „Ausbildungstätigkeit“ Vorteile, auch geldlich.

Es gründeten sich Vereine, die als Ziel hatten, die jeweiligen Heilweisen auch unter Laien weit zu verbreiten. Es gab Naturheilbünde verschiedener Art. Heute gibt es z.B. noch immer die Kneippvereine in vielen Städten.

Beargwöhnt, auch manchmal beneidet wurden solche Personen häufig durch Ärzte. Scharlatanerie wurde ihnen vorgeworfen, Anzeigen wegen Kurpfuscherei erstattet. Auch Kneipp und Felke waren dem ausgesetzt und hatten sich erfolgreich, auch mit aufzeigen ihres Wissens und Könnens, dagegen wehren können. Kneipp musste sich mit „Dienstaufsichtsbeschwerden“ bei seinem Dienstherren, der katholische Kirche abgeben, der Pastor Felke legte (nicht nur deswegen) sein evangelisches Pfarreramt nieder.

Schon das Parlament im letzten Kaiserreich beschäftigte sich damit, wie diesen Menschen, die neben der ärztlichen Medizin tätig waren, das Gewerbe zu verbieten sein könnte. Ohne wirkliche Idee. Auch ohne Grundgesetz sah man keinen Sinn im Gewerbeverbot. Auch, weil man das Abwandern in die Illegalität erwartete. Denn man kann dem Menschen nicht verbieten, sich da und damit Hilfe zu suchen, von dem er sich etwas verspricht oder erhofft.

In der Weimarer Republik waren weitere Vorstöße vergeblich und endeten am selben Punkt: Solange noch ein offenes Gewerbe ausgeübt wird, ist eine gewisse Kontrolle noch möglich.

Die politischen Verhältnisse nach 1933 mit dem Überwachungs- und Repressionssystem Diktatur ähnlicher Art, schufen eine neue Basis. Nachdem man nach und nach die tätigen Heilkundler nichtärztlicher Art und auch die Vereine in den von der NSDAP in München gegründeten „Reichsheilpraktikerbund“ drängen und so kontrollieren konnte, war die Vorbereitung für den Erlass eines Heilpraktikergesetzes Februar1939 erledigt.

Kernpunkt: Die Ausübung der Heilkunde ohne ärztliche „Bestallung“ wurde unter Erlaubniszwang gestellt und die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“ verbindliche eingeführt. Jeder, der bereits tätig war und es bleiben wollte musste diese Erlaubnis beantragen. Zunächst bis zum April 1939, also in kurzer Frist. Diese wurde mehrfach verlängert. Vor allem war die persönliche „Eignung“ zu prüfen, Staatsbürgerschaft, strafrechtliches und politisches Verhalten. Erst 1941 wurde die Überprüfung der Kenntnisse und Fertigkeiten für die Personen, die dann noch die Erlaubnis beantragten eingeführt. Das war, als im Osten und Westen neue Gebiete dem Reichsgebiet angeschlossen wurden. Dar Neuzugang war so erheblich erschwert (Überprüfung in der Hand von lokalen Amtsärzten war recht „subjektiv und willküranfällig“). Dazu war es möglich, bereits tätige (unerwünschte Personen) Heilpraktiker mit dem Verdacht, es würden Kenntnismängel bestehen, dieser Überprüfung nachträglich zu unterziehen und diesen dann „loszuwerden“.

Anträge durften auch Personen innerhalb der Frist stellen, die eine Ausbildung bei einer Schule des Reichsheilpraktikerbundes (keine andere Ausbildung) besuchten. Besitzstandswahrung war auch damals gesetzgeberische Pflicht.

Nach Fristablauf, zuletzt im Jahre 1941, war keine Erlaubniserteilung mehr möglich. Der neu geschaffene Beruf hatte so keine Zukunft mehr, wenn die dann Tätigen „ausgestorben“ sein werden.

Dennoch hatte das Gesetz und seine Ausführungsverordnung dazu (damals die 1.) Ausnahmen vorgesehen, für Menschen, die nachzuweisende Heilbegabung hatten und nicht ein Medizinstudium machen konnten. Praktische Ausbildung mit „Erfolgsnachweisen“ in Kliniken über eine Mindestzeit war Voraussetzung. Die Personen (es gab wohl nie eine solche) hatten dann als Naturheilkundeärzte zu firmieren und der Ärztekammer beizutreten.

Nach dem Kriege gar es wenige noch tätige Heilpraktiker und es kamen zunächst keine neuen mehr hinzu. Das Grundgesetz mit seiner Berufsfreiheit brachte die Regelungen, über die dann 1956 im Klageweg wieder der Berufszugang erstritten wurde.

Es waren nur wenige, die den Weg in den weitgehend unbekannten Beruf suchten und die damals recht einfache Hürde der Überprüfung (es waren vor allem mehr oder minder Willkürgründe in völlig ungeregelten örtlich verschieden gehandhabten Verfahren, die hinderten) genommen haben.

In vielen (Verwaltungs-)Gerichtsverfahren wurde und wird bis heute daran gearbeitet, was denn in welcher Weise an notwendigem Wissen und Fähigkeiten in den Überprüfungen als zur Gefahrenabwehr nötig abgefragt werden darf. Es bildete sich so über Jahre ein gewissen Standard an abzufragendem Wissen. Da die Länder für ihren Bereich zuständig sind und dort die jeweiligen Amtsärzte in den lokalen Gesundheitsämtern die Entscheidenden waren, war bisher eine bundesweite Standardisierung nicht zu erreichen. Ende 2016 hat der Bundesgesetzgeber (Heilpraktikergesetz ist Bundesgesetz, ausführende die Länder nach eigenen Regeln) den Ländern vorgegeben Leitlinien für die Überprüfung zu erarbeiten, die bis zum Jahresende 2017 vorzuliegen haben. An denen können sich die Länder orientieren – müssen aber nicht. In den 90er des letzten Jahrhunderts haben einige (südliche) Bundesländer gute Vorarbeit geleistet, indem sie sich auf ähnliche Verfahren und einen Fragenkatalog einigten, der freiwillig genutzt wird.

In den 70ern des letzten Jahrhundert wurde der Heilpraktikerberuf durch regelrechte Kampagnen in den Boulevardblättern bekannt und interessant. Ein ehemaliger leitender Bertelsmann (Verlag mit vielen buten „Blättern“) Manager hatte die Heilpraktikererlaubnis erhalten und war nach Ausscheiden bei Bertelsmann tätig geworden: Dr. jur. Manfred Köhnlechner.

Dazu



Die Berichte in verschiedenen Medien über seine „Erfolge“ und viele Prominenten, die durch ihn angeblich geheilt wurden, machten die „alternative Medizin“ und den Heilpraktikerberuf breit bekannt.

Es entwickelte sich bald ein neuer Markt: Ausbildungen zum schönen, erfolgreichen Beruf des Heilpraktikers, schnell und nebenher.

Es gab noch immer vereinzelt mal Menschen, die bei einem der wenigen Heilpraktiker praktisch Wissen erwarben. Es gab Heilpraktikerschulen, vor allem des großen Heilpraktikervereins „Deutsche Heilpraktikerschaft e.V.“ als Nachfolger der 1939 aus dem Reichsheilpraktikerbund umbenannten „Deutschen Heilpraktikerschaft e.V.) als öffentlich-rechtlich.befugtem Zwangsmitgliedschaftsverein für alle damals tätigen Heilpraktiker. Er hatte zwar 1945 durch das sogenannte „Überleitungsgesetz“ der Alliierten als nationalsozialistische Gründung und Mitläufer alle öffentlich-rechtlichen Befugnisse (die in der alten Durchführungsverordnung festgehalten waren) verloren, trat aber immer noch quasi als „Alleinherrscher“ auf. Die Ausbildungen waren ganztägig, dauerten 3 Jahre und waren mit großem Qualitätsanspruch versehen. Damit im Grunde eine hohe Hürde für Menschen, die in dem Beruf wollten (und nicht ohne Vorbereitung die Überprüfung angehen wollten). Der Verein musste sich wegen Wettbewerbsklagen anderer Vereine umbenennen. Heute ist es der Fachverband Deutscher Heilpraktiker FdH e.V. und er betreibt noch immer seine anspruchsvollen „Vollzeitausbildungen“ in verschiedenen Bundesländern.

Im Zuge der „Popularitätsoffensive“ Dr. Köhnlechners wurden nun daneben weitere Ausbilder aktiv, die mit weit kürzeren Ausbildungen, geringerem Umfang der Ausbildung und in viel kürzerer Zeit nebenberuflich (einmal Unterricht die Woche) auf die Überprüfung vorbereiten wollten.

Die wohl damals wichtigste war das „Münchner Heilpraktikerkolleg GmbH, (Sitz München) mit einer wachsenden Zahl an Filialen über das Bundesgebiet. Mit Anzeigen im SPIEGEL wurde bundesweit um Schüler geworben. Die Firma musste sich aus Wettbewerbsgründen umbenennen, heute als Deutsche Paracelsusschulen bekannt.

Damals um 1980 gab es heftige Diskussionen über solche „Schnell- und Kurzausbilder“, die in größeren Mengen (es waren nicht wirklich viele im Vergleich zu heute) neue Berufszugänger auf den Markt brachten. 1980 waren es ca. 7.000 Heilpraktikerpraxen im gesamten Bundesgebiet, 2000 rund 13.000. Die Zahl ist längst nicht mit der Zahl der Heilpraktiker- Erlaubnisinhaber gewachsen, weil viele erst gar nicht den Praxisstart wagten oder gleich wieder aufgaben. Doch hatten diese den Gewinn der Ausbilder – es gab immer mehr auf dem Markt – gesichert.

Etwa 1980 war die Diskussion unter den wenigen (unter 5) Heilpraktikervereinen groß, wie mit diesem Phänomen, der „massenweise“ schnell ausgebildeten Konkurrenten umzugehen sei. Schnell war das als Hauptargument ausgemacht, was in den Diskussionen bis heute immer wieder dem Beruf vorgeworfen wird: eine mangelhafte Ausbildung und damit fehlendes Berufswissen der „Nebenherschnellausgebildeten“.

Hauptgegner damals das Münchner Heilpraktikerkolleg, bald Paracelsusschulen. Irgendwann wurde aus dieser heraus der erste eigene Heilpraktikerverband gegründet. Heute sind mindestens 4 Vereine mit dieser Schulkette über ihren geschäftsführenden Vorsitzenden (neben einem „Repräsentationsvorsitzenden“) verknüpft. Sollen doch die anderen Vereine motzen und meckern, man bestimmt sich quasi selbst und legt „Normen“ fest.

Dem Beispiel folgten dann bis heute immer mal wieder andere Schulen mit eigenen Vereinen oder Vereine die eigene Schulen gründeten und als „Verbandsschulen“ Seriosität zeigten.

Jedermann kann eine Heilpraktikerschule gründen. Etliche Heilpraktiker bieten nebenher, zu Praxis, Prüfungsvorbereitungen zur Überprüfung an, bzw. haben eine eigene kleine Schule. Es ist leichter verdientes Geld, eine Ausbildung anzubieten als dann später in Konkurrenz zu anderen seine Praxis überhaupt zum Laufen zu bringen und zu erhalten. Das ist nichts Böses und Ehrenrühriges in einer auf Geschäfte und Verdienen ausgerichteten Gesellschaft. Gerade auch im Gesundheitsmarkt mit seinen verschiedenen Bereichen.

Es gibt keine Vorschriften, wie eine Heilpraktikerausbildungsstätte eingerichtet sein muss, was an Personal mit welcher Qualifikation vorhanden sein muss, nicht mal dazu was im Einzelnen die Lehrinhalte sein müssen. Die Dauer der Ausbildung, die Stundenzahl usw. ist nicht festgelegt. Von wenigen Wochenenden über einige Monate bis zu 3 Jahren Vollzeitausbildung reicht die Spanne. Entsprechend sind dann die Kosten und der Zeitaufwand, um in „einen Beruf mit hohem sozialen Ansehen, großen Erfolgschancen“ und wie es noch so heißt, kommen zu können. „Heute die Überprüfung geschafft und die Erlaubnis erhalten, morgen bereits im Traumberuf erfolgreich tätig“.

Wie geschrieben, dass ist ein mögliches „Geschäftsmodell“ für Ausbildungsangebote.

Heute wird von bis zu 40.000 Heilpraktiker ausgegangen. Wieviele davon tatsächlich funktionierende Praxen haben, nicht nur stundenweise „nebenher“ tätig sind oder gar nicht, ist wohl nicht erfasst und kaum erfassbar. Heilpraktiker sind freie „Einzelunternehmer“ ohne Kammer oder Pflichtmitgliedschaften in irgend welchen Vereinen. Niemand ist vom Gesetzgeber beauftragt und befugt, für Heilpraktiker verbindliche geltende Regeln zu erlassen oder diese verbindlich zu vertreten. Die inzwischen wohl weit über 20 Berufsvereine haben nur für ihre Mitglieder freiwillige Regeln, wobei darauf geachtet werden muss, dass nicht nach kartellrechtlich relevanten Absprachen aussieht.

Doch ist es nicht die Regel, dass einfach mit der Erlaubnis in der Hand eine Heilpraktikerpraxis eröffnet wird. Schon die allgemeine Sorgfaltspflicht und strafrechtliche Bestimmungen sorgen dafür, dass sich im Regelfalle (Ausnahmen gibt es überall) derjenige, der tätig werden will, zuvor in dem Bereich, den Methoden und Verfahren, die er anwenden will, in eigener Verantwortung das nötige Wissen zulegt. Problem ist da sicher wieder, dass die Ausbildungsstätten keinen verbindlichen Regeln entsprechen müssen, und wieder ein „gutes Geschäft“ sein können.

Für viele bedeutet selbstkritisches Reflektieren der eigenen Fähigkeiten schon – trotz der Aufwendungen für die Ausbildung -, dass doch Abstand vom Heilpraktikerberuf genommen wird. Schon, wenn man erkennt, wie wenig überhaupt statistisch zu verdienen sein wird, bei der großen Verantwortung. Vielleicht bietet man ersatzweise Kurse für Laien (und andere Heilpraktiker) an, hält Vorträge oder bereitet andere auf die Überprüfung vor. In eigener Firma oder als freier Mitarbeiter bestehender Schulen, vermittelt den Verkauf von Waren im Gesundheitsbereich u.a.m.

Es bleiben im Grunde (fast) nur die im Heilpraktikerberuf tätigen übrig, die auch verantwortungsvoll Qualität in ihren Bereichen bieten können. Manche machen nur Dinge, die Patienten kaum Schaden bringen können und sind aber aufgrund der in der Überprüfung gezeigten Kenntnisse in der Lage, Patienten rechtzeitig z.B, an den Arzt zu verweisen. Da ist im Grunde die Sicherheit für die Patienten gegeben, dass sie keinen Schaden bekommen, selbst wenn der Nutzen gering oder fehlend ist.

Das will der Gesetzgeber aber nicht abschaffen, verbieten und er kann das auch wohl schon wegen des Grundgesetzes nicht. Auch Ausbildungsbestimmungen und Prüfungen dazu will er nicht festlegen. Dann würde ein staatlicher arztähnlicher Ausbildungsberuf innerhalb des Gesundheitswesens geschaffen (Heilpraktiker gehören bisher nicht dazu). Der wäre überflüssig und hätte kaum die Möglichkeiten, wie bisher Methodenfreiheit in der Heilkunde zu sichern.

Copyrigt K-U.Pagel 10/2017


Montag, 25. September 2017

Vitamin B 12 - warum Speicherfähigkeit des Körpers

Ein Beitrag zu B 12 und Veganern

https://das-gesundheitsplus.de/wie-veganer-genug-vitamin-b12-bekommen/

lässt mich zum Nachdenken anregen, auch über sogenannte Empfehlungen zum Tagesbedarf von Vitaminen, aus meiner Sicht als jemand, der seit rund 35 Jahren Heilkunde betreibt, auf der Basis von Physiologie und Biologie (also der Natur - Naturheilkunde).





Beim Vitamin B 12 wird deutlich: Die Biologie (Evolution) hat es so eingerichtet, dass Stoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann die aber immer gebraucht werden, (physiologisch) gespeichert werden können. Das dann als Überlebensstrategie, wenn es natürlich ist, dass aus den Nahrungsangeboten mal in einiger Zeit recht wenig kommt und in anderer Zeit recht viel. So ist z.B. der Wechsel der Jahreszeiten mit den unterschiedlichen Angeboten an Nahrungsmitteln, auch mit Abschnitten geringen Angebots von Nahrung überhaupt, keine Bedrohung für die Zellfunktionen.

Da stellt sich die Frage nach dem Sinn einer anhaltenden Zusatzzufuhr zu den natürlichen Nahrungsangeboten durch "Nahrungsergänzungsmittels" (außer bei krankheitsbedingten Störungen). Eine Frage, die ich an anderer Stelle für mich als  "nicht notwendig" beantwortet habe. Die Veganer zeigen uns: Wer stark einseitig isst, kann keine Vorräte anlegen für bestimmte Zeiten und dann auch nicht aus denen überleben. Dem fehlt dann auch zu "normalen" Zeiten so ein Funktionsstoff. Der benötig eine zusätzliche Zufuhr, "künstliche" zur Zufuhr über die Inhaltsstoffe natürlicher Nahrungsmittel hinaus. Und auch wenn man eventuelle mit Algen eine Zufuhr an B 12 erreichen könnte, so ist das doch wieder sehr eingeschränkt und damit sehr einseitig "abhängig" möglich.

Bei Vitamin B 12: Pflanzenkost bietet davon kaum etwas, weil die Pflanzenzellen es nicht verwenden und damit auch nicht enthalten, wenn wir uns davon ernähren. Erdbakterien, die auf Pflanzen  gelangen können, bringen das B 12 dann mit, wenn man die Pflanze isst (in kleinen Mengen). Kühe (als ein Beispiel für reine Pflanzenfresser) züchten in einem Vormagen diese Bakterien, die sie mit jedem Grashalm neu aufnehmen und bieten den Bakterien mit dem gemahlenen (Wiederkäuer) Grasbrei eine gute Vermehrungsmöglichkeit und damit auch viel Grundmaterial, um B 12 zu bilden. Das kommt dann den Zellen der Kuh zugute, wird auch mit der Milch ausgeschieden, um andere Lebenwesen (z.B. Kälber) damit zu versorgen..

Für uns Menschen bietet der Winter wenig (frische) Pflanzennahrung. Da hilft es, wenn man sich von der Jagd oder von Nutztieren aus dem Stall zusätzlich ernähren kann. Dann kommt aus der tierischen Zelle viel B 12 in den menschlichen Körper, viel mehr, als er im Winter benötigt (und überhaupt aus Pflanzen beziehen könnte). Das füllt die Speicher z.B. in der Leber.

In Frühjahr und Sommer macht es wenig Sinn, Tiere zu schlachten, zu bejagen, weil diese ja auch wie Pflanzen ihren "Nachwuchs" bekommen sollen, um ihre Zahl nicht zu vermindern und weiter mit und von ihnen leben zu können. Wer Saatgut ißt bekommt keine Ernte, wer das Lämmchen schlachtet bekommt später weder Milch noch Wolle.

In der Zeit bis zur Ernte dienen auch tierische Produkte, nicht (im natürlichen Zyklus selten) Tiere selbst (ihr Fleisch) der zusätzlichen (zu Pflanzen) Ernährung des Menschen (wenig B 12). - In unserer Zeit der Massentierhaltung und des billigen Fleischen ist das anders (unnatürlich) geworden. - Wenn die Ernten Fülle von Pflanzen bringen (auch für den Wintervorrat) kann die Ernährung mehr zu diesen Pflanzen gehen.. Im Winter dann, müssen sich die Tiere mit den Menschen die weniger werdenden Pflanzen (Wintervorräte) teilen. Sinnvoll kann dann sein, Tiere zu schlachten und zu essen, die kaum durch den Winter gefüttert werden könnten oder nur zu Lasten der Menschen. B 12 Überschüsse finden sich dann in der Nahrung.

Übrigens speichert der menschliche Körper auch das Vitamin Folsäure (Pflanzen sind typische Quelle) für längere Zeit. Folsäure und Vitamin B 12 arbeiten zusammen, alleine sind sie nichts. So unterscheiden sich die Zeiträume und Nahrungsquellen für diese Vitamine, aber es ist immer von beiden genügend bevorratet.

Das eine vereinfachte Darstellung zur Erläuterung eines biologischen Prinzipes.

Ein weiter Gedanke aus der Evolution des Menschen: Es ist durchaus ein wichtiger Faktor dafür, dass die Spezies Mensch über die vielen Jahrtausende immer größer und schwerer geworden ist und sein Gehirn so entwickeln konnte (vielleicht hängt auch die deutlich gestiegene Lebenserwartung damit ein wenig zusammen), dass die Versorgung mit Vit B12 aufgrund des erheblichen Erweiterns der Nahrungsquellen (Vit. B 12 Quellen) mittels Tieren und ihren Produkten erheblich zugenommen hat und sicherer geworden ist.

Größere Menschen haben mehr Körperzellen und diese benötigen schon im laufenden Betrieb in der Summe mehr Vit B 12 als kleinere Lebewesen. (s.o. große Rinde haben einen eigenen Bioreaktor im Vormagen für die Produktion großer Mengen entwickelt). Vit B 12 ist für Zellteilung unerlässlich, ohne Zellteilung kein Wachstum. Das Nervensystem, vor allem die ständig große Menge an neu zu bildenden Nervenbotenstoffen, ist ein intensiver B 12 Verbraucher. Beschränkungen an B 12 lassen dann kein großes Wachstum und nur schlechtere Zellregeneration und keine große Arbeit des Gehirns zu. B 12 Mangel kann zu schweren Nervenschäden und Psychosen führen, wenn der Bedarf anhaltend weit über der verfügbaren Menge liegt. Auch scheint ein Mangel den Herzmuskelstoffwechsel zu beinträchtigen (Homocystein als sich ansammelndes Stoffwechselprodukt) und vielleicht Herzkrankheiten damit zu begünstigen.

Umso notwendiger wird eine regelmäßige Ergänzungszufuhr bei streng veganer Ernährung, nicht für den Gemischtköster und lakto-ovo- Vegarier (der auch Fisch ißt).  B 12 wird dazu vegan gewonnen aus Bakterienkulturen und in regelrechten Bioreaktoren gezüchtet. Extrakte aus Fleisch oder anderen Tierprodukten kommen dann nicht in Frage (wären auch viel zu teuer für die Nahrungsergänzungsmittelindustrie).

Mittwoch, 23. August 2017

Heilpraktiker abschaffen - viel Lärm um nichts

Diskussion um Heilpraktikerberuf und seine Qualifikationen - Münsteraner Memorandum

Eine Veröffentlichung eines Ärztekreises, das sogenannte Münsteraner Memorandum, hat vor wenigen Tagen die Diskussion um den Heilpraktikerberuf, aber auch alternative Heilverfahren an sich, angeheizt. Es lohnt sich diese mal genau zu lesen, statt nur manchmal recht einseitige Darstellungen in der Presse allein zu sehen oder gar nur das zu sehen, was Gegenredner in ihren Erklärungen daraus zitieren oder dieser zuschreiben:

https://www.aerzteblatt.de/down.asp?id=19264

Zutreffend wird z.B. festgestellt:

"Unbestritten schenken viele Heilpraktiker ihren Patienten Zuwendung und wohltuende Aufmerksamkeit, die diese in der auf Effizienz getrimmten wissenschaftsorientierten Medizin sehr oft nicht finden. Auch scheinen nicht wenige Patienten die aus wissenschaftlicher Sicht irrationalen Therapieansätze dieser Behandler zu bevorzugen, wobei sie allerdings den unzutreffenden Eindruck haben mögen, deren staatliche Zulassung garantiere Qualität und Kompetenz. Dies liegt daran, dass staatliche Zulassungen normalerweise genau diese Funktion haben, im Sonderfall der Heilpraktiker aber nur minimale Kenntnisse zur Gefahrenabwehr verlangt werden. Auch zur umfangreichen Verpflichtung der wissenschaftsorientierten Medizin auf den
therapeutischen State of the art und auf eine beständige systematische Verbesserung gibt es innerhalb des Heilpraktikerwesens keine Entsprechung. Wenn Patienten dennoch die Dienste von Heilpraktikern in Anspruch nehmen, dann vermutlich auch deshalb, weil ihnen die zur Anwendung kommenden Verfahren oft pauschal und fälschlich als natürlich, sanft, wirksam und nebenwirkungsfrei angeboten werden."

Dem kann man tatsächlich zustimmen. Die Fakten stimmen und die Vermutungen lassen sich ableiten. Gerade dann, wenn Heilpraktiker in Ablenkung von der Bedeutung der Berufszugangshürde, die per Gesetz lediglich eine Überprüfung ist rein zur Gefahrenabwehr, immer wieder von Prüfungen sprechen in ihrer Selbstdarstellung in der Praxiswerbung, manche gar schreiben, sie hätten ein Studium dazu an der und der Schule gemacht, kann man nachvollziehen, dass Patienten fälschlich eine Art Fachwissensprüfung in vergleichbarer Weise wie bei anderen Heilberufen vermuten.

Solange Heilpraktikerverbände ihre Mitglieder nicht dazu verpflichten, solche zur Irreführung vielleicht geeigneten aber unzutreffenden Angaben zu unterlassen, wird das Problem nicht beseitigt sein. Auch wenn tausende, die so etwas machen (weil sie vielleicht in ihren "Schulen" auch nichts anderes gelernt haben) immer wieder nur als Einzelfälle dargestellt werden, ist das nicht unerheblich.

Eine bildhafte Aussage in diesem Memorandum wird in den "Widerworten" mancher Heilpraktiker gerne völlig verkürzt wiedergegeben und als unverschämt bezeichnet. Hier mal der Zusammenhang:

"Mit zugespitzten Vergleichen: Es wäre undenkbar, Brückenbau auf der Grundlage spiritueller Statik zuzulassen oder jemandem die Steuerung eines Flugzeugs anzuvertrauen, dessen ganze Kompetenz in einem erfolgreich absolvierten Workshop über die Sage des Ikarus besteht. So abstrus dies erschiene – auf der Basis vergleichbarer fachlicher Voraussetzungen dürfen Heilpraktiker in Deutschland Patienten untersuchen und behandeln."

Warum soll man solches nicht so deutlich machen? Tatsächlich - wer will das abstreiten - finden durchaus Behandlungen durch Heilpraktiker, als Berufsausübende (Profis - und durch Laien, die sich dazu berufen sehen), statt, die auf rein philosophischer weltanschaulicher Basis stehen. Und überprüft wurden nicht die Grundlagen der jeweiligen speziellen Erkrankung.


Doch das Memorandum meint nicht nur die Heilpraktiker, die nicht aus Heilberufen kommen, sondern alle, die im Bereich der komplementären und alternativen Medizin eine Betätigung suchen:

"Neben Heilpraktikern gibt es aber auch sehr viele Ärzte, die KAM-Verfahren anbieten, bewerben und dies ihrem Selbstverständnis nach als „Integrative Medizin” bezeichnen. Während Ärzte nicht als Heilpraktiker firmieren dürfen, da eine Heilpraktikerprüfung ihnen weder Zusatzqualifikationen
bescheinigen noch Zusatzbefugnisse verleihen würde, gilt dies nicht für
Zahnärzte, Psychologen oder Physiotherapeuten, die ihre vergleichsweise eingeschränkten berufsspezifischen Befugnisse durch eine Zusatzzulassung als Heilpraktiker ausweiten können.Eine große Gruppe solcher „Add-on” - Heilpraktiker bietet KAM neben den etablierten akademischen oder halb-akademischen Verfahren ihres Berufsstands an. Wegen des (außer bei „Psychotherapeutischen Heilpraktikern“) unbegrenzten Behandlungsbereichs dürfen sie in dieser Funktion nämlich über das Gebiet ihrer „eigentlichen” Profession hinausgehen. So dürfen
Heilpraktiker-Zahnärzte – ebenso wie Heilpraktiker - Physiotherapeuten – grundsätzlich auch Nieren- und Herzprobleme behandeln, was ihnen als „reinen” Zahnmedizinern verboten wäre."

Und es geht weiter:

"Schadenspotentiale durch die Tätigkeit ärztlicher KAM-Anbieter

Wenn KAM innerhalb der wissenschaftsorientierten Medizin angeboten wird, entstehen ebenfalls Probleme. So können auch Ärzte, die von der Wirksamkeit bestimmter alternativmedizinischer Verfahren überzeugt sind, ihren Patienten schaden, wenn sie solche anstelle sinnvoller Maßnahmen der wissenschaftsorientierten Medizin anwenden und ihnen somit ein evidentermaßen überlegenes Vorgehen vorenthalten. Aber unsere Bedenken gehen deutlich weiter. So sollten aus unserer Sicht Verfahren der Alternativmedizin überhaupt keinen Platz in der wissenschaftsorientierten Versorgung haben, da dies als wissenschaftliche „Adelung” des gerade Nicht-Wissenschaftlichen erscheinen muss, und zwar selbst dann, wenn diese Verfahren lediglich ergänzend eingesetzt werden. Hier gilt: Ein der Patientenversorgung verpflichtetes Gesundheitssystem muss von unbelegten und überzogenen Heilsversprechen gänzlich freigehalten werden."


Es geht um Kritik an bestimmten komplementären alternativen Verfahren überhaupt. Heilpraktiker sind kein Mitglied des Gesundheitssystem, auch wenn sie zu den Heilberufen zählen.

Wer würde dieser Aussage widersprechen?:

"Entsprechend sind auch Hoffnungen auf Heilung durch Methoden der AM grundsätzlich zu respektieren. Andererseits kann es ethisch nicht hingenommen werden, wenn Patienten die mitunter weitreichende Entscheidung, exklusiv auf AM zu setzen, vor allem in Ermangelung umfassender und wahrhaftiger Aufklärungsangebote treffen."

Um diese Aufklärung leisten zu können, auch über Angebote der Schulmedizin, müssen diese bekannt sein und vom Aufklärenden verstanden werden. Da allerdings darf zu Recht darauf verwiesen werden, dass Heilpraktiker solches Wissen bei der Berufzulassungsüberprüfung rein zur Gefahrenabwehr nicht haben müssen. Jedoch müssen Heilpraktiker gemäß der Rechtsprechung dann, wenn sie bestimmte Verfahren anwenden wollen, deren Grundlagen genau kennen und auch die jeweils zu behandelnden Krankheiten mit möglichen Therapieweisen. Woher das Wissen kommt, ist Sache des Heilpraktikers. Versuche, sich darauf rauszureden, dass ja die Überprüfung bestanden worden wäre und man glaubte, deswegen genügend zu wissen, gingen daneben. Die Idee, dass für solche umfassende Aufklärung eine Ausbildung mit klarem Wissenskatalog Grundlage sein sollte, ist nicht abwegig. Der Gesetzgeber setzte aber auf eine frei gewählte Ausbildung der Heilpraktiker.

Schon vor über 10 Jahren gab es mal Überlegungen im Bereich der Länderarbeitsgemeinschaften zum Heilpraktikerberuf, dass Heilpraktiker, eben weil sie kaum Schulmedizinisches in ihren Angebot haben, eher mal dieses in der Aufklärung weniger gründlich erwähnen könnten und deswegen zunächst ein Arzt feststellen sollte, ob Alternatives (was er auch anbieten kann) angezeigt ist. Das wurde nicht weiter verfolgt, weil eine entsprechende gesetzliche Begrenzung unangemessen erschien.

Doch auch gegen Ärzte richtet sich der Vorbehalt beschränkter Aufklärungsmöglichkeit:

"Zwei Schwierigkeiten, wie man sie auch aus anderen Bereichen der medizinischen Aufklärung und Beratung kennt, scheinen nun aber bei KAM besonders ausgeprägt. Erstens: Wenn Ärzte und Heilpraktiker ihre Patienten, wie geboten, über die fehlende wissenschaftliche Absicherung
und fehlende professionelle Akzeptanz von KAM aufklären, senken sie absehbar die Nachfrage nach den eigenen Behandlungsangeboten. Dies steht jedoch ihren ökonomischen Interessen entgegen und zum Teil auch ihrer Haltung zum methodischen Vorgehen der wissenschaftsorientierten Medizin. Ähnlich problematische Interessenkonflikte treten etwa auch bei den sogenannten IGe-Leistungen auf und müssen hier wie dort durch strukturelle Maßnahmen entschärft werden."

So abwegig ist der Gedankengang doch gar nicht. Und vor allem nicht einseitig den Heilpraktikern angelastet. Gar die IGel-Leistungen der Ärzte findet hier Kritik.


Mein Eindruck ist, dass im Grunde dieses Memorandum selbst gar nicht wirklich gelesen wurde, vielmehr sich Gegner und Heilpraktikerbefürworter auf teils verzerrten und einseitigen Darstellungen stützen und im Grunde mit ihren Argumenten Tatsachen nicht wegreden können und nachvollziehbaren Gedanken nicht wirklich die Berechtigung absprechen können. 

Co.  K.-U.Pagel 08 2017


Ergänzung zur Information:


Was muss ein Heilpraktiker wissen?

Da das Gebiet der Heilkunde sehr weit reicht und nicht nur normierbares wissenschaftlich Begründetes dazu gehört, hat der Gesetzgeber neben dem gesetzlich auch vom Wissensinhalt normierten Arztberuf einen Heilberuf zugelassen, der große Freiheiten seiner Tätigkeiten haben soll. Dazu war es der extrem unterschiedlichen Verfahren und Ideen wegen nicht möglich, eine normierte Ausbildung festzulegen.

Doch der Schutz der damals so genannten Volksgesundheit vor Ausübenden, deren Tätigwerden Gefahren bringen könnte, sollte gewährleitet sein. So wurde die Berufsausübung als Heilpraktiker erlaubnispflichtig und die Erteilung der Erlaubnisse wurde zum einen an persönliche Merkmale geknüpft zum anderen daran, dass ein Mindestwissen vorhanden sein muss, welches ermöglicht Gefahren für Patienten zu erkennen. Dazu sollte es genügen, um die Grenzen der eigenen Möglichkeiten erkennen zu können und rechtzeitige Verweisungen an Ärzte sicher zu stellen.
Die gesetzlichen Regeln für den Beruf und die Tätigkeit müssen gewusst werden.

Das muss mittels einer Überprüfung - der Gesetzgeber verwendet ausdrücklich zur Abgrenzung gegenüber den Prüfungen in anderen Gesundheitsberufen und um Fehleinschätzungen zu vermeiden diesen Begriff - durch den Amtsarzt festgestellt werden.

Das bedeutet: Heilpraktiker müssen sich einer GefahrenabwehrÜBERPRÜFUNG unterziehen, um sicher zu stellen, dass genügend (medizinische Grund-) Kenntnisse und Fähigkeiten da sind, um nicht nicht schaden. Ein umfangreiches Wissen zum Nutzen der Patienten, wie es Ärzte im Studium erwerben müssen, muß für die Berufserlaubnis NICHT dargelegt werden. Demnach ist kaum zu erwarten, dass lediglich mit dem Überprüfungswissen eine heilkundliche Tätigkeit ausgeführt werden kann.

Das für diese Tätigkeit notwendige Wissen muss in eigener Verantwortung dazu erworben werden. Wie, das ist nicht vorgeschrieben. Es muss aber genügend sein, um das jeweilige Therapieverfahren bei der jeweiligen Erkrankung, bei dem jeweiligen Beschwerdebild sicher ausführen zu können. Es muss genügend genaues schulmedizinisches Wissen über die jeweilige Krankheit vorhanden sein, um erkennen zu können, ob das gewählte Verfahren überhaupt angewendet werden darf und mit welchen Risiken verbunden. Es genügt nicht, z.B. die philosophischen und spirituellen Hintergründe der Kranheitssicht zu kennen. Daraus muss sich ergeben können, dass vor jeder Behandlung der Patient genau und umfassend über die Erkrankung und die möglichen Therapien, auch schulmedizinischen, objektiv aufgeklärt wird.

Das bedeutet z.B. wenn ein Heilpraktiker Patienten mit rheumatischen Erkrankungen - auch nur alternativ - behandeln möchte, muss er ein so umfangreiches Wissen über die verschiedenen dazu gehörigen Erkrankungen haben, wie man das von einem Arzt verlangen würde.

Die Rechtsprechung bestätigt, dass es nicht genügt, sich nur darauf zu berüfen, man hätte ja eine Überprüfung bestanden, sondern verlangt spezifisches Wissen darüber hinaus für den Fall des Tätigwerdens, wenn auch nur mit "alternativen" Verfahren.

Das bedeutet für den Heilpraktiker eine riesige Verantwortung im selbstverantworteten Lernen weit über die Überprüfung hinaus. Der Gesetzgeber erwartet das auch und entsprechend ist die Haftung für das Tun des Heilpraktikers. Verweisen auf Selbstheilung oder Eigenverantwortung des Patienten genügt nicht.

Ein Heilpraktiker darf demnach nur eine solche Therapie durchführen, zu deren Anwendung er fachlich qualifiziert ist und über die er umfassend aufgeklärt hat, auch über Alternativen dazu.
Das BVerfG hat in einer Entscheidung zu Hufschmieden (!) 2006 festgestellt:
"Heilpraktiker müssen deshalb nicht über umfassende heilkundliche Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen (vgl. BVerfG, a.a.O.), dürfen Patienten aber nur im Rahmen ihres persönlichen Könnens behandeln....(Beschl. v. 03.07.2007 – 1 BvR 2186/06 –, BVerfGE, 119, 59 ff. )"

Warum sollte man als Heilpraktiker nicht dazu stehen, wenn man vom Gesetzgeber letztlich große Freiräume in der Methodenwahl erhalten hat?

K.-U-Pagel 08 2017 


25.08.2017


Ich füge eine Kommentierung einzelner Aussagen des Memorandums an. Zitate sind mit < > gekennzeichnet.


Zum Münsteraner Memorandum im Einzelnen:

< … spezifische, aber nicht trennbare Teilaspekte dieses Problems sind Fehlbehandlungen durch (i) Heilpraktiker, die ihre Patienten überwiegend mit Interventionen aus dem Bereich der (ii) Komplementären und Alternativen Medizin (KAM) behandeln >

Ja diese Fehlbehandlungen gibt es zweifelsfrei sowohl durch Heilpraktiker als auch durch Ärzte. Die wird es immer geben sind aber nicht „berufstypisch“ sondern immer ein Problem der Persönlichkeiten der Ausübenden. Auch Fehlbehandlungen im Bereich der "wissenschaftlichen" Medizin sind bekannt. Leugnen wir sie weder weg noch verharmlosen wird das.


< … Die Praxis der wissenschaftsorientierten Medizin … soll zumindest ihrem Anspruch nach durchgehend wissenschaftlich begründet und in ihren Behandlungsaussichten mit hinreichendem Evidenzgrad überprüft sein … >

Das ist ein zutreffender Anspruch und diesen hat die KAM nicht und muss sie ihrem Wesen nach auch nicht haben. Sollte sie aber auch nicht dem Patienten gegenüber irgendwie nahelegen, dass sie solchen Anspruch habe. Deswegen trifft zu:

< … wissenschaftliche Begründbarkeit und klinische Evidenz, werden von vielen KAM-Befürwortern skeptisch gesehen oder sogar abgelehnt ..>


< KAM, und hier besonders der AM-Anteil, ist gängige Praxis von Heilpraktikern, die sich aber auch Techniken der wissenschaftsorientierten Medizin bedienen. >

Wer will das bestreiten?

< Heilpraktiker selber, so lässt sich aus den zahlreichen explizit nicht wissenschaftlich fundierten Krankheits- und Heilkonzepten schließen, sehen sich vielfach als eigenständige Säule in einem „pluralistischen” Gesundheitssystem.>

Trifft voll zu und ist vom Gesetzgeber auch so gewollt, deswegen wurde der Heilpraktikerberuf auch geschaffen.

<Neben Heilpraktikern gibt es aber auch sehr viele Ärzte, die KAM-Verfahren anbieten, bewerben und dies ihrem Selbstverständnis nach als „Integrative Medizin” bezeichnen. … Eine große Gruppe solcher „Add-on”-Heilpraktiker bietet KAM neben den etablierten akademischen oder halb-akademischen Verfahren ihres Berufsstands an. >

Stimmt. Wo liegt da das Problem für den Heilpraktikerberuf?

<Hier nun liegt bereits eines der größten Probleme des Heilpraktikerwesens: Durch die staatliche Anerkennung von Heilpraktikern als „Heilkunde” Ausübende und durch die gesetzlich fixierte Berufsbezeichnung „Heilpraktiker” (vgl. Heilpraktikergesetz §1) wird Patienten suggeriert, es handle sich um staatlichgeprüfte Heiler, die im Grunde äquivalent zu Ärzten ausgebildet seien und ... .>

Ja, da legt ein Problem. Jedoch liegt es nicht am Heilpraktikergesetz und dem, was der Gesetzgeber als klare Abgrenzung gegenüber dem Arztberuf festgelegt hat. Es liegt an einzelnen Heilpraktikern, die den Eindruck erwecken können (oder gar wollen) sie hätten eine vergleichbare Ausbildung mit Prüfung, indem sie sich geradezu weigern, den Vorgegebenen zu Prüfungen abgrenzenden Begriff „Überprüfung“ zu verwenden. Irgendwie sind auch die Autoren des Memorandums darauf reingefallen, wenn sie die ausdrückliche Überprüfung als Prüfung bezeichnen – was dann ja auch Patienten passieren kann. Und da sollten einige Heilpraktiker einfach ihr „Geltungsbedürfnis“ (?) zügeln! Das aber könnte schon durch das Wettbewewerbsrecht zu regeln sein.

<... deren Kenntnisse sich zudem – anders als die vieler Ärzte – nicht auf ein oder zwei Fachgebiete beschränkten>
Diese Aussage ist falsch. Ärzte werden in ihrem umfassenden Medizinstudium gerade so ausgebildet, dass sich ihre Kenntnisse eben nicht nur auf ein oder zwei Fachgebiete beschränken dürfen!

<Heilpraktiker haben demgegenüber nur eine einzige Prüfung (Einschub: Überprüfung s.o.!) zu bestehen, in der sie nachweisen müssen, dass sie sich bestimmter Grenzen ihres Kompetenzbereichs bewusst sind, etwa bei der Behandlung von Infektionskrankheiten. … 1992 wurden Leitlinien definiert, nach denen die Gesundheitsämter Heilpraktiker in verschiedenen Wissensgebieten prüfen (ÜBERPRÜFEN!) müssen – schriftlich wie mündlich. Im Dezember 2016 hat der Gesetzgeber mit dem Dritten Pflegestärkungsgesetz (PSG III) das Heilpraktikergesetz und die Erste Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz geändert. Nunmehr sollen bis Ende 2017 unter Beteiligung der Länder einheitliche Leitlinien erarbeitet werden, auf deren Grundlage zukünftig die Kenntnisprüfung von Heilpraktikeranwärtern durchgeführt werden soll. … Eine Erlaubnis darf auch zukünftig dann (und nur dann) verweigert werden, wenn sich bei der Kenntnisprüfung ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder für die ihn aufsuchenden Patienten bedeuten würde.>

Wenn auch nicht klar genug formuliert wird deutlich und nicht bestritten: Der Gesetzgeber besteht darauf, dass jemand, der als Heilpraktiker tätig werden will, damit keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung (und den Patienten) darstellen darf. In verschiedenen Wissensgebieten findet auf der Basis schon länger bestehender Leitlinien eine Kenntnis ÜBERprüfung statt. Der Gesetzgeber strebt mit weiteren Leitlinien noch mehr Klarheit dabei an. Was gibt es noch zu bemängeln? Es ist doch alles im Grunde zutreffend gesagt. Keine Gefahr.

<Sobald Heilpraktikern die Erlaubnis zur Berufsausübung erteilt worden ist, dürfen sie Diagnosen stellen und Behandlungen durchführen, etwa auch Injektionen verabreichen und Infusionen legen. Sie dürfen damit fast alle im ärztlichen Beruf angesiedelten Tätigkeiten ausüben, … Je nach Lehre enthalten diese mehr oder weniger wissenschaftlich unbegründete oder unhaltbare Elemente: Vielfach handelt es sich dabei um Glaubensüberzeugungen, von denen viele wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen oder durch die moderne Medizin empirisch widerlegt sind.>

Auch das trifft zu. Je nach Lehre eben. Davon gibt es viele.

Die Überprüfung gemäß dem Gesetz soll gerade nicht den Nutzen für Patienten feststellen. Deswegen gilt auch für Heilpraktiker die Regel: Nur tun, was man – zusätzlich zum Überprüfungswissen gelernt hat. Mit dem Anspruch des Haftungsrechts, dass das Wissen dem eines Arztes für den konkreten Behandlungsfall entspricht.

Und wenn das nicht ausreichend in freier Wahl ders Ausbilungsweges geschieht, dann kann es in einzelnen Fällen auch zutreffen:

<Gerade reine Heilpraktiker laufen daher Gefahr, ihre Patienten auf der Grundlage bruchstückhafter wissenschaftlicher Kenntnisse sowie fehlerhafter Interpretationen und überkommener Konzepte von Krankheit und Heilung zu behandeln.<

Das trifft zu, diese Gefahr besteht grundsätzlich immer, auch bei KAM-Ärzten. Jeder der in der konkreten Heilkundeausübung zu geringe Kennnisse einer Sache hat und fehlerhafte die Konzepte interpretiert kann dem erliegen. Das haben die Autoren des Memorandums erkannt auch:

<Wenn hingegen Add-on-Heilpraktiker und Ärzte Alternative Medizin (AM) anbieten, tun sie dies zwar vor dem Hintergrund akademischen Fachwissens, sie blenden ihr Fachwissen beim Thema AM aber offenbar erfolgreich aus.>

Also kein Heilpraktikerproblem allein, was durch Gesetze verhindert werden könnte. Verstöße gegen Sorgfaltsregeln können bei jedem Heilberuf vorkommen.

<Ob Heilpraktiker oder aber Ärzte AM anbieten, macht auch insofern keinen Unterschied, als es aus unserer Sicht ethisch illegitim ist, absehbar unterlegene bis unwirksame Verfahren zu verabreichen oder sie als verdeckte Plazebos anzubieten.>

Die Autoren dürfen ihre Sichtweise zur AM darstellen auch wenn es Gegenmeinungen gibt.
<... Behandlung durch reine Heilpraktiker, deren Berufsbefugnisse und Ausbildungsstandards, wie beschrieben, ein erhebliches Missverhältnis aufweisen. ..>

Ja, das stimmt. Es gibt keine standardisierte Ausbildung für die spätere Tätigkeit nach der Überprüfung. Und auch für die gibt es keine standardisierte Ausbildung. Der Gesetzgeber hat bewusst auf Ausbildungsregelung von Form und Inhalt her verzichtet.

<Auch scheinen nicht wenige Patienten die aus wissenschaftlicher Sicht irrationalen Therapieansätze dieser Behandler zu bevorzugen, wobei sie allerdings den unzutreffenden Eindruck haben mögen, deren staatliche Zulassung garantiere Qualität und Kompetenz.>

Ein solcher unzutreffender Eindruck kann entstehen durch „übertreibende und selbsterhöhende“ Darstellung der Ausbildung und Zulassung zum Heilpraktikerberuf in Werbeauftritten von Heilpraktikern. Jedoch ist das „persönliche Regelübertreten“ kein Grund für gesetzliche Maßnahmen über die möglicherweise missachteten Werbebeschränkungen hinaus.

<Wenn Patienten dennoch die Dienste von Heilpraktikern in Anspruch nehmen, dann vermutlich auch deshalb, weil ihnen die zur Anwendung kommenden Verfahren oft pauschal und fälschlich als natürlich, sanft, wirksam und nebenwirkungsfrei angeboten werden.>

Ja, solche Werbeaussagen, die gegen das Heilmittelwerbegesetz verstoßen können, gibt es bei allen KAM-Anbietern, sie sind jedoch nicht zu verallgemeinern.

Eine <Gefährdung durch das unkontrollierte Feld des Heilpraktikerwesens.> kann demnach nicht so allgemein behauptet werden.

<... ähnlich abstrus mutet es an, dass innerhalb der staatlich regulierten Medizin Sonderregelungen für die Zulassung von Präparaten der Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophischer Medizin bestehen ...>

Hat nichts mit Heilpraktikern zu tun.

<... sollten die besagten Sonderregelungen entfallen, die sich nicht zuletzt dem erfolgreichen Wirken einflussreicher Interessengruppen verdanken ...>

Solche Interessengruppen gibt es in vielen Gebieten. Das Memorandum hier wurde von einer solchen erstellt.

<Wenn KAM innerhalb der wissenschaftsorientierten Medizin angeboten wird, entstehen ebenfalls Probleme. So können auch Ärzte, die von der Wirksamkeit bestimmter alternativmedizinischerVerfahren überzeugt sind, ihren Patienten schaden, wenn sie solche anstelle sinnvoller Maßnahmen der wissenschaftsorientierten Medizin anwenden und ihnen somit ein evidentermaßen überlegenes Vorgehen vorenthalten.>

Ja, das trifft in Einzelfällen sicher zu. Kein Argument gegen den Heilpraktikerberuf.

<Ein der Patientenversorgung verpflichtetes Gesundheitssystem muss von unbelegten und überzogenen Heilsversprechen gänzlich freigehalten werden.>

Das trifft voll zu und soll durch das für alle Anbieter geltende Heilmittelwerbegesetz mit Strafandrohung verhindert werden. Doch es gibt immer Menschen, die sich nicht an Gesetze halten.

<... scheinbar „gute Erfahrungen“nicht vorschnell als Nutzenbelege misszuverstehen....>

Ja, das ist eine Gefahr immer in der KAM und Heilkunde überhaupt (Problem Anwendungsstudien in der Schulmedizin).

<Patienten suchen Heilpraktiker maßgeblich deshalb auf, weil sie das, was Heilpraktiker anbieten, von der wissenschaftsorientierten Medizin nicht zu erhalten glauben oder auch wirklich nicht erhalten können. Muss man Patienten dann davor schützen, ihre Gesundheit zu gefährden?>

Das trifft nicht nur für Heilpraktiker sondern für alle Anbieter von KAM von der Grundidee her zu. Und die Frage hat der Gesetzgeber längst beantwortet, auch durch die Einführung des Heilpraktikerberufes: Ja, es soll die Wahlfreiheit der Patienten betreffend Heilmethoden und Heilbehandler geschaffen und erhalten werden.

<Andererseits kann es ethisch nicht hingenommen werden, wenn Patienten die mitunter weitreichende Entscheidung, exklusiv auf AM zu setzen, vor allem in Ermangelung umfassender und wahrhaftiger Aufklärungsangebote treffen ...
Schwierigkeiten, wie man sie auch aus anderen Bereichen der medizinischen Aufklärung und Beratung kennt, scheinen nun aber bei KAM besonders ausgeprägt. Erstens: Wenn Ärzte und Heilpraktiker ihre Patienten, wie geboten, über die fehlende wissenschaftliche Absicherung und fehlende professionelle Akzeptanz von KAM aufklären, senken sie absehbar die Nachfrage nach den eigenen Behandlungsangeboten. Dies steht jedoch ihren ökonomischen Interessen entgegen und zum Teil auch ihrer Haltung zum methodischen Vorgehen der wissenschaftsorientierten Medizin. Ähnlich problematische Interessenkonflikte treten etwa auch bei den sogenannten IGe-Leistungen auf und müssen hier wie dort durch strukturelle Maßnahmen entschärft werden..>

Wieder im Grunde zutreffend und ein grundsätzliche Problem ansprechend (nicht nur scheinbar bei der KAM besonders ausgeprägt): Jede Heilbehandlung ist inzwischen zu einem Wirtschafts- und Gewinnfaktor geworden. Die Gefahr, aus eigenem „Verkaufsinteresse“ unzureichend, nicht objektiv, gar lenkend aufzuklären ist gegeben.



Die Aufklärungspflicht, schon um den Straftatbestand der Körperverletzung abzuwehren, gehört zum Heilpraktikerberuf dazu. Dennoch kann es sein, dass der Wunsch, seine Angebote zu verkaufen da größer ist. Bei Ärzten wie Heilpraktikern. Es wird wohl nicht zu unrecht auch über unnötige Opertationen geklagt. Deswegen der Hinweis auf die ärztlichen Ige – Leistungen als „Zusatzgeschäfte“. 

Doch kein Grund, den Heilpraktikerberuf für Fehler Einzelner haftbar machen zu wollen.

Es bedarf keiner Änderungen betreffend den Regeln für den Heilpraktikerberuf. Insbesondere würden diese niemanden abschrecken dagegen zu verstoßen, der auch bisher Regeleinhaltung für sich als unnötig ansah. Und auch gegen Schäden, die durch Ärzte bewirkt werden, die nicht nur KAM anbieten – war ja auch die Rede davon – hilft so etwas niemals.


Der Sinn und Zweck des Memorandums ist im Grunde nicht im Blick auf Heilpraktiker zu sehen, sonder erscheint vielmehr mit diesen als Vorwand gegen die KAMs gerichtet zu sein. Denen stehen die Interessen der Autoren und Unterzeichner des Memorandums entgegen.

Dieses Memorandum ist, was den Heilpraktikerberuf betrifft, eine „Seifenblase“ ohne praktischen Wert. Es werden uralte Kamellen in den Mund genommen, Vorschläge gemacht die schon früher immer mal wieder kamen und als abwegig verworfen wurden. Man hat keine neuen Probleme entdeckt, die nun ein Einschreiten des Gesetzgerbers verlangen könnten. Viel Lärm um nichts.

Der Gesetzgeber sah und sieht auch künftig keinen Sinn und keine Notwendigkeit, wegen Fehler und Gesetzesübertretungen Einzelner – weder durch Ärzten noch durch Heilpraktikern in der Ausübung der KAMs – den Heilpraktikerberuf abzuschaffen oder die KAMs zu verbieten.

Allenfalls könnten einige Heilpraktiker, die sich im Selbstwert verletzt fühlen, unnötig protestieren.