Mittwoch, 22. August 2018

Gefahren und Grenzen der Evidenzbasierten Medizin

Gefahren und Grenzen der Evidenzbasierten Medizin



Da sind in den letzten Tagen 2 Beiträge erschienen mit Meinungen zur evidenzbasierten Medizin. Ein entschiedener Gegner der Homöopathie, Edzard Ernst vertrat in einem Interview die Idee: „Aber wichtiger als der berufliche Hintergrund der Dozenten ist für mich immer noch die Frage der Evidenz, also was wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit und Sicherheit der gelehrten Methode aussagen. Ohne Evidenz kommt man im Gesundheitsbereich einfach nicht aus. Wenn man sie ignoriert, dann ist man wieder im Mittelalter.“




Winfried Rief, in der Placeboforschung aktiv, vertrat die Meinung: „Placebo-Behandlungen können hoch effektiv und langfristig wirksam sein. …
Der heutigen Medizin sind diese Effekte nichts wert - nur der vermeintlich ausschließlich auf das Medikament rückführbare Zusatzeffekt zählt. Damit missachtet die Medizin wissenschaftlich belegte Wirkfaktoren - schlimmer noch, diese Beiträge zum Behandlungserfolg werden Jahr für Jahr reduziert. Eine Medizin der Zukunft muss aber auf alle Wirkfaktoren setzen, nicht nur auf den oft nicht so großen Unterschied zwischen Placebo und echter Behandlung … „
Evidenz in der Medizin wird erklärt bei Doccheck: „Evidenz ist die unmittelbare kognitive Nachvollziehbarkeit eines Zusammenhangs. In der Medizin bezeichnet Evidenz den empirisch erbrachten Nachweis des Nutzens einer diagnostischen oder therapeutischen Aktion. ...
Der Begriff darf nicht mit dem englischen "evidence" verwechselt werden, das mit "Beweis" oder "Beleg", im juristischen Bereich auch mit "Zeugenaussage" übersetzt wird.


Evidenz bedeutet in der Medizin NICHT, das etwas bewiesen war ist. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, mit Denken nachvollziehbar, dass etwas so sein könnte.


Wikipedia schlägt in die gleich Kerbe: „Definiert wird die Evidenzbasierte Medizin (EbM oder EBM) ursprünglich als der „gewissenhafte, ausdrückliche und umsichtige Gebrauch der aktuell besten Beweise für Entscheidungen in der Versorgung eines individuellen Patienten“.[7] EbM beruht demnach auf dem jeweiligen aktuellen Stand der klinischen Medizin auf der Grundlage klinischer Studien und medizinischer Veröffentlichungen, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen – die sogenannte externe Evidenz.


Die aktuelle besten Beweise, genauer Nachweise. Es wird darauf hingewiesen: „Während evidence im Englischen je nach Kontext die Bedeutungen ‚Beweis‘, ‚Beleg‘, ‚Hinweis‘ oder ‚Zeugenaussage‘ hat, ist die Bedeutung von Evidenz im Deutschen Offensichtlichkeit (die keines Beweises bedarf) (englisch: obviousness). Deshalb wurde vorgeschlagen, im Deutschen die Bezeichnung nachweisorientierte Medizin zu verwenden, was sich jedoch nicht durchgesetzt hat.“

Evidenzbasiert bedeutet eben nicht, dass es keines weiteren Beweises bedarf, alles bewiesen ist.

Wie kommt man zu solchen Nachweises einer wahrscheinlichen Wirkung z.B. einer Arznei? Vereinfachend geschrieben: Ein Kollektiv aus Personen, Kranke, Gesunde, wird im Vergleich mit einer hoffentlich vergleichbaren Gruppe, die Placebo (hoffentlich wirkstofffreie – egal welche Wirkung - Substanz) einer Beobachtung unterzogen, welche Wirkungen ein Arznei bei diesen hat. Jedoch wird nicht der individuelle EINZELFALL betrachtet, sondern mit statistischen Methoden das Gesamtkollektiv. Es werden die Wirkungsfälle beim „Verum“mit den Fällen, die Placebo erhielten verglichen. Wenn mehr Menschen mit dem Verum erwünschte Wirkungen haben, so gilt das als Nachweis dafür, dass ein Mittel die erhofften Wirkungen hat. Natürlich spielt aich beim Verum ein Placeboeffekt, der ja wirkstoffunabhängig ist, eine Rolle.

Was aber ist aus der Statistik nicht zu entnehmen? Wie das Mittel tatsächlich bei dem einzelnen Individuum gewirkt hat: warum negativ, warum positiv, warum gar nicht. Es kann nur gesagt werden, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit ist, dass bei einem nicht individualistierten Kollektiv ein positiver Nutzen eintreten könnte. Mehr ist nicht möglich. Keinesfalls kann daraus geschlossen werden, wie es in der Versorgung eines individuellen Patienten tatsächlich wirken wird.

Es ist so, wie, wenn ein Spieler nach der Wahrscheinlichkeit des Treffers auf eine Zahl setzt. Die „wissenschaftliche“ Evidenz kann wie im Fall des Spielers nur eine Grundlage für eine Entscheidung sein, die die statistische „Beweislage“ beachtet.

Was fehlt? Es fehlt eine genaue Analyse, unter welchen Umständen, bei welchen Gegebenheiten eine Wirkung bei den Probanden der Studien aufgetreten ist. Dazu ist es zwingen nötig, die Probanden sehr genau und umfassende zu untersuchen und ihre Lebensumstände, Verhaltensweisen, Krankheitsbiografie usw. zu erfassen. Erst nach Studienende ist es oft möglich, Hinweise zu verfolgen, dass bestimmte Umstände das Ergebnis beeinflusst haben. Dazu aber müssen diese erfasst sein. Dann aber würde im Endeffekt die Arznei wirklich mit sehr hoher (Nutzen) Zuverlässigkeit eingesetzt werden können, wenn eben alle individuellen Umstände erfasst sind. Und der Arzt müsste zwingend den Patienten sehr genau und umfassend analysieren. Schon aus Zeitgründen gar nicht möglich!

Die derzeitige evidenzbasierte Medizin ist aus diesen Gesichtspunkten gar nicht geeignet, im tatsächlich vorhanden individuellen Patientenfall ihre Wirksamkeit unter Beweis zu stellen. Sie ist NICHT am individuellen Patienten geprüft, nur am unpersönlichen nicht individuellen Statistikpatienten!

Nun scheint es mir, das gerade das, die Negierung des Patienten als Ganzer, mit seinem Umfeld, seiner (Krankheits-) Biografie, eben seiner Individualität der Hauptgrund ist, auch aufgrund des derzeitigen am Geld orientierten Medizinbetriebs, warum manche „Evidenzideologen“ - manchmal kann nur eine Übertreibung etwas klar machen – so gegen die Homöopathie (oft sehr unklar verwendet) wettern. Es ist Grundlage der klassischen Medizin nach Hahnemann genau diese genannten Parameter zu erfassen und darauf individuell die Therapie aufzubauen. Das bedeutet lange nicht, den Patienten mit irgendwelchen Kügelchen „zu bewerfen“. Die Therapieentscheidung im individuellen Fall kann ganz verschiedene Mittel und Wege bringen. Kügelchen sind nur einer. Natürlich ist das abhängig davon, das der Homöopathieanwender nicht nach irgendwelchen esoterische Ideen, Mythologien usw. vorgeht, sondern eine fundierte Ausbildung in der (biologischen) Medizin hat und eine Fülle von Therapieverfahren kennt. Das mag bei manchem nicht der Fall sein, aber Nichtkönner und Nichtwisser gibt es überall.

Vom Podium der statistikbasierten Evidenz heraus, die nur Symptome, aber keine Ursachen (wann hat man eine Ursache gefunden nicht ein Symptom als Auslöser weiterer Symptome?) heraus auf die immer zunächst individualisierende Homöopathie (die die letztlichen Ursachen auch nicht finden kann) zu schimpfen, erscheint mir ein Ablenkungsmanöver von den eigenen Mängeln zu sein. Propaganda, nicht Wissenschaft.

Selbst wenn Homöopathie nur Placebowirkung hätte, so hat sie Wirkung und was bei Placebos passiert, lernt man immer mehr. Es ist aus meiner Sicht deswegen sehr bedenklich und unethisch, wenn vom Podest der statistischen Wahrscheinlichkeitsmedizin aus (anderes Wort für evidenzbasierte Medizin), versucht wird mit einer negativen Placebowirkung (alternative Verfahren, insbesondere Homöopathie werde geradezu als Betrug dargestellt) heilsamen Wirkungen im Patienten eine Gegenwirkung einzureden. Krankreden gilt nicht!

Gerade das klassische Vorgehen in der Homöopathie (umfassende Diagnostik auch mit modernen Verfahren gehört heute dazu) ist ein Garant dafür, möglichst nicht zu übersehen und ein angemessene Therapie zu wählen. Evidenz (auf bestimmte isolierter Aspekte bezogen) kann dazu führen, so manches zu übersehen. Der Einsatz von Arzneien ohne individuellen Blick kann dazu führen, dass man Menschen, bei denen keine positive Wirkung zu erwarten war (aber, man weiß es nicht, es fehlen dazu Studien) tatsächlich lange ohne die angemessene Arznei belässt. „Es hätte ja nach Statistik wirken können, hat nicht, schade, Pech gehabt.Aber falsch gemacht habe ich nichts“ So könnte eine Ausrede klingen.

Die Grenze der evidenzbasierten Medizin liegt vor dem individuellen Patienten, sie grenz sich von diesem ab. Die Gefahren liegen im Übersehen vieleicht individuell besserer Maßnahmen und so einer Therapieverschleppung.

Zu Placebo s.a. 3Sat, Scobel 16.8.2018 http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=75131



Nachgedanke:

Schauen wir mal auf die suggestive Kraft, die hinter dem Modell evidenzbasierte Medizin steckt, unabstreitbar eine Kraft, die Placebowirkung hat. Da wirde dem Patienten gesagt, dass die Wirkung einer Arznei wissenschaftliche nachgewiesen sei. Kein Zweifel also mehr das es wirken wird. Da ist es die beanspruchte Fachautorität von Wissenschaftlern und Leitlinienverfassern, die diesen Eindruck, es müsse ja hoch wirksam sein, zu verstärken vermögen. Dazu kommt, wie es bei „Giften“ üblich ist, dass tatsächlich oft spürbare Wirkungen auftreten, und seien es nur unerwünschte. Das dann verstärkt durch Warnhinweise im Beipackzettel. Ja, das muss ja wirken!

Aus der Hypnose kennt man das: Da wird ein Effekt, z.B. Trockenheit der Augen und daraus resultierend Lidschlusswunsch erzeugt und schon kann man das dem Patienten als „müde und schläfrig“ darstellen.

Wie viel ist tatsächlich Arzneiwirkung und wie viel der Effekt von solcher unabstreitbar suggestiv wirkender „Verkaufsstrategie“? Das wurde bisher nicht wissenschaftlich untersucht, worauf welche „Evidenz“ basiert?

Dann die aus meiner Sicht perfide Strategie im Wettbewerb mit anderen Heilmethoden, die andere Wege gehen wollen, so die klassische Homoöpathie (nicht die esoterische oder energetische). Da wird vielen Anwendern das medizinische Fachwissen bestritten. Mit Verweisen darauf, dass statistische „Massenversuche“ keine Wirkung belegt hätten und das bei Verfahren, die die Individualität des Kranken als Grundlage haben, wird die Unwirksamkeit behauptet, Unwirksam für was, zur anhaltenden Heilung oder Linderung oder um ganz bestimmte Symptome, die man zur Ursache erklärte, zu verändern? Es wird dann gar von Betrug am Patienten gesprochen und gewarnt, dass manches Übersehen werden könnte und richtige Therapie verzögert. Genau aber das, was die Gefahr bei Pauschaltherapien ist, nicht bei individuellen.

Und so wird in wettbewerbsverzerrender Weise daran gearbeitet, jeden, auch den Placeboeffekt, der ja heilen kann, beim Patienten zu zerstören. Wettbewerb zwischen den Anbietern der eine Art von Medizin und denen anderer Art. Es gibt nicht die einzige Wahrheit, Zu oft, und dann zu oft gegen uneinsichtigen Widerstand, mussten „Standardtherapien“ aufgegeben werden.Trotz Evidenzbasiertheit, die nur eine scheinbare war, statt dessen war es eine Irrtumsbasiertheit..

Klaus-Uwe Pagel 08 2018


Nachtrag am 24.08.2018

Zu dem Thema evidenzbasierte Medizin, welches ich in diesen Tagen angesprochen habe, gab es gestern Abend, 23.08.2018 einen/mehrere irgendwie passende Beitrag/Beiträge in 3 Sat (ab 20,15 Uhr) bei Scobel.

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=75300

"Im Takt der Hormone
Einsatz nach wie vor umstritten: Sie läuten Lebensphasen wie Pubertät und Menopause ein. Hormone beeinflussen Stoffwechsel, Stimmungen, sogar unser Wesen. Doch haben wir sie ganz verstanden? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen."

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=75277
"Stresshormone schwächen das Immunsystem
Anfälligkeit für Krankheiten wird erhöht: Unser Immunsystem reagiert sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse. Pränataler Stress der Mutter beispielsweise kann die emotionale und kognitive Entwicklung des Kindes beeinflussen."


http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=75276
"Machen Umwelthormone uns dümmer?
Hormonähnlich wirkende Substanzen: Endokrine Disruptoren können auf negative Weise ins Hormonsystem eingreifen und uns schaden. Was sind das für Stoffe, wie wirken sie und wo kommen sie her?"


http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=75274
"Wechselwirkung zwischen Psyche und Hormonen
Hormone steuern fast alle Prozesse im menschlichen Körper: Wie groß ist der Einfluss von Hormonen auf unsere Gefühle, unsere Gedanken und unser Verhalten? Welche Rolle spielt dabei zum Beispiel Oxytocin?"


http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=75270
"Wissenschaftsdoku: Gefährliche Umwelthormone
Gefährliche Umwelthormone
Stoffe stehen in Verdacht, Allergien und Krebs zu erzeugen: Ob in Plastikprodukten, Kosmetikartikeln oder im Essen - überall finden sich endokrin wirksame Substanzen, sogenannte Umwelthormone. Wie beeinflussen diese Umweltgifte das Immunsystem von Kindern?"


Daraus meine betätigte Erkenntnis: Die Toxikologie, damit auch Pharmakologie, arbeitet von „oben nach unten“. Substanzen werden in Dosen gegeben , in denen Versuchstier (fast) alle sterben, dann wird verringert, bis nur noch die Hälfte stirbt und dann bis keine Wirkung mehr zu sehen ist. Daraus errechnen sich die Grenzwerte für Lebensmittel und auch Arzneidosierungen. Man hat es hier mit Stoffen zu tun, die in diesen relativ großen Dosen dem Organismus eine beobachtete (wo man nicht hinschaut, das sieht man nicht) Wirkung (oder ganz wenige weitere, Nebenwirkungen) regelrecht aufzwingt. Der Organismus MUSS handeln, in einer bestimmten, gewollten weise.

Die regulative Sicht der Endokrinologie mit dem ganz feinen und von vielen (aktuell und vorgeprägt) abhängigen zusammenspielenden Regeleinflüssen verschiedener Stoffe (Hormone) geht da anders vor. Sie geht von allerkleinsten Spuren eines Stoffes aus, wie ein Stuck Würfelzucker in einem Stausee beschrieb es jemand, und erhöht diese langsam, bis erste Wirkungen auftreten, die nicht von vorne herein im Blick standen, sondern aus eine Gesamtschau der Anpassungsvorgänge auffallen. So finden sich Mengen, die erheblich unter Grenzwerten liegen, aber bereits je nach Umstand und Individualität (wichtig!) Veränderungen z.B. im Verhalten und der Bewertung von Situationen bringen.

Das ist etwas ganz anderes, als das, was für die evidenzbasierte Medizin gefordert wird: eine Reaktion muss erzwungen werden können, bei eine feststehenden Kollektiv, dann ist eine Arznei wirksam. In der „regulativen Medizin“, der Medizin des Anpassungsverhaltens an Lebensumstände usw. mittels Hormonen, wäre Krankheit dann zu sehen, wenn dieses lebenserhaltende Anpassungsverhalten nicht mehr angemessen, gar Organismus störend, „verstimmt“ (so würde es Hahnemann, der Begründer der Homöopathie nennen). Und das ist eben sehr individuell von ganz vielen Faktoren abhängig. Faktoren, die Hahnemann aufgegeben hat, als Grundlage für eine Therapieentscheidung individuell zu erfassen. Es ist für mich bemerkenswert, dass Scobel den Appell gab, dass Ärzte endlich mal wieder zuhören sollen.

21.9.18
Ein weiterer, vielleicht auch anders erklärter, Aspekt: Die Fallaufnahme, wie sie Hahnemann für die Homöopathie als Grundlage jedes Therapierens vorgeschrieben hat stellt, modern ausgedrückt, fest:
- welche möglichen genetischen Belastungen liegen vor (Familienanamnese)
- was könnte erworben an Belastungen und Beeinträchtigungen der "Selbstregulation/Anpassung an Bedingungen sein
- welche besonderen Anpassungsweisen an Einflüsse, Bedingungen/Belastungen der Umwelt (auch sozial) sind erkennbar
- wo scheint die Anpassungsfähigkeit an (sich ändernde) Lebensbedingungen/Umweltbedingungen nicht gut zu funktionieren (da liegt Krankheit vor)
- gibt es Möglichkeiten das zu beeinflussen - Ändern der Umstände - Verbesserung der Anpassungsfähigkeit an nicht zu Änderndes ...
- wie ist das zu machen (Kügelchen - viele Homöopathen setzen Dilutionen oder Verreibungen ein mit weit höheren Inhaltsmengen! - sind längst nicht alles)

Die Homöopathie, andere Verfahren der Natur- und Erfahrungsheilkunde setzen auch genau auf diese individuellen und komplexen Grundlagen der Erkennung und Behandlung von Krankheiten bzw. Hinweisen daraus auf Lebensverhalten, hat genau diese Verständnisweise von Gesundheit und Krankheit als Fähigkeit, sich auf Lebensbedingungen anzupassen und auch bei widrigen Umständen sich selbst zu erhalten. Sie kennen keine Selbstheilung, denn dann würde niemand krank. Sie sehen Krankheit als Störung der Selbsterhaltungsfähigkeit, der Anpassungsfähigkeit eines komplexen Systems.

Die "Evidenzbasierte Medizin" richtet ihren Fokus nicht auf diese komplexe, das Leben erhaltende, Selbstregulation (Hahnemann nennt das Lebenskraft), sondern auf solitäre Symptome, Messwerte, die rein spekulativ als irgendwelche Ursachen gesehen werden, auch wenn sie nur Ausdruck eines aus anderen Ursachen gestörten Gesamtsystems sind. Evidenz wird dann gesehen, wenn eine Mindestzahl an anonymen Menschen auf einen Eingriff in einer gewissen Weise rein statistisch errechnet reagiert.

Damit lässt sich niemals ein komplexes individuelles Regulationssystem aus vielen zusammenwirkenden Einzelkomponenten bestehend erfassen.

Wenn man dann als Kritiker z.B. der Homöopathie ehrlich ist, dann kann man nur sagen: gemäß den sehr eingeschränkt scheinenden Kriterien unserer Medizin hat die Homöopathie keine Wirksamkeit. Das trifft den Kern ist aber unangenehm, denn es zeigt die Beschränktheit dieser einseitigen Sicht auf und stellt in Frage, ob im Blick auf eine individuelle Heilkunde  (es kommt kein statistischer Mensch, niemals!) Heilung möglich ist. Und es scheint sich evident zu zeigen: Es werden immer mehr nur lebenslange Dauerbehandlung das Resultat sein mit immer mehr dennoch hinzukommenden oder abwechselnden weiteren Symptomen, die dann wieder "behandelt" werden müssen.



Freitag, 16. März 2018

Böse Geschäfte mit dem Leid der Patienten?

Schulmedizin und Pharmaindustrie böse Geschäfte – alternative Medizin nur gute?


Immer wieder stoße ich in sozialen Netzwerken auf „Meinungsäußerungen“, die der Pharmaindustrie, den Ärzten, der Schulmedizin Geschäftemacherei auch zum Nachteil der Patienten, gar absichtliches Krankmachen aus Habgier zumessen. Es sind meist Personen, die das verbreiten, die bestimmten Denkweisen, alternativmedizinisch, esoterisch u.a.zuzuordnen sind. Irgendwie erscheint es mir, das damit die Geschäfte der Anbieter solcher zu den Denkweisen passenden Heilverfahren gefördert werden (sollen) und die der „schulmedizinischen“, wissenschaftlichen Richtung regelrecht behindert, gar zerstört werden sollen.

Besonders kritisch kann solche herabwürdigende „Meinungsäußerung“ dann sein, wenn Heilpraktiker oder Heiler, die mit ihren Angeboten von der „Geschäftsschädigung“ der und dem Misstrauen sähen gegenüber dem Heilkundekonkurrenten verdienen (wollen).

Aber auch umgekehrt: Wenn z.B. eine Ärztegruppierung das Bild malt, dass der Heilpraktikerberuf als solcher gefährlich wäre, auch komplementäre und alternative Verfahren, die der Heilkundeauffassung dieser Vereinigung nicht entsprechen, durch Ärzte ausgeführt massiv herabwürdigen, sehe ich neben Unethik auch Tendenzen zu Versuchen, den Wettbewerb zu verzerren. Insbesondere, wenn dabei verschwiegen wird - es müsste diesen Kritikern genau bekannt sein – dass niemand die Erlaubnis bekommen darf, als Heilpraktiker tätig zu sein, wenn dieser nicht in einer fachbehördlichen Überprüfung seiner Kenntnisse und Fertigkeiten gezeigt hat, dass er das notwendige Wissen besitzt um mit seiner Tätigkeit Patienten keinen Schaden zu bringen. Und man muss dabei den Eindruck gewinnen, dass der Betreffende sich auch an die Regeln halten wird.

Grundsätzlich weiß man, dass auch in Ärztekreisen die beste Ausbildung nicht dafür schützt, dass „Einzeltäter“ die Regeln verletzten.

Egal in welche Richtung man schaut: „Bösewichte“ die ähnliches Bösen tun, so diffamieren, gibt es auf allen Seiten, auch Geldgier und Betrügereien.

Damit man vielleicht etwas mehr die Hintergründe finden kann, auf denen tatsächliche und scheinbare Missstände entstehen und fortbestehen, gebe ich mit meinen Worten aus meiner Sicht einige Informationen und Interpretationen.


Im deutschen Gesundheitswesen gibt es mehrere Teilbereiche. Der eine ist die Ausübung der Heilkunde, das was Ärzte und Heilpraktiker tun. Dieser Bereich hat maßgeblichen Einfluss auf gesundheitswirtschaftliche Aspekte und auch die Lage der Kranken- und Pflegekassen. Die Heilkunde bestimmt wesentlich mit, was Apothekern und Pharmafirmen verdienen können, Medizingeräte- und Medizinproduktehersteller und – Händler umsetzen und auch Heilmittelerbringer an Einnahmen erzielen.

Deswegen sind die Heilkundeausübenden Ziel der „Verkaufsförderung“ solcher Waren und Dienstleistungen. Dem Gesetzgeber ist genau diesen Problem bekannt, er will jedoch, dass sich die genannten Bereiche frei bewegen dürfen und erhofft, dass der Markt dafür sorgt, dass die Preise niedrig und die Qualität und Vielfalt der Produkte riesig sind.

Das war nie als wirklich erfolgversprechend zu erwarten. Ein Firma, ein Betrieb muss zunächst seinen wirtschaftliche Erfolg, Umsatz, Kapitalrendite sehen, es könnte sogar als Untreue gewertet werden, wenn die Geschäftsführung dieses nicht so intensiv verfolgt, wie möglich. Da sind viele Mittel recht und nicht ausdrücklich verboten. Was nicht ausdrücklich verboten ist wird gemacht. Ethik und Moral werden dabei nicht als Hinderungsgrund betrachtet.

So entscheidet eine Pharmafirma selbst, welche Forschung für welche Medikamente sie betreibt und was sie überhaupt herstellen und verkaufen will. Es ist durchaus nicht unübliche, wenn da die eine Firma auf Geschäftsbereiche verzichtet, die eine andere pflegt. Wettbewerb ist dann anders, doch solange nicht nachgewiesen wird, dass dahinter konkrete Absprachen oder gar Marktaufteilungen stecken, muss man nach der Unschuldsvermutung daran festhalten, dass alles nicht „böse“ gemeint ist und gegen Kartellregeln verstößt.

Das Regulativ soll aus der Heilkunde, konkret der ärztlichen, kommen. So die Hoffnung auf absolute Grundehrlichkeit und Moralität dieses Kreises. Zwar sind da einige (wenige?) negativ aufgefallen, aber insgesamt darf man nicht „verdammen“.

Zu den Ärzten:

Die ärztliche Tätigkeit ist reglementiert. Alle Ärzte müssen Mitglieder sein eine öffentlich rechtlichen Körperschaft, der/den Ärztekammer/n. Der Gesetzgeber hat die Befugnisse erteilt, verbindliche Regeln, Ordnungen aufzustellen, mit Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen, bis hin zu berufsgerichtlichen Verfahren und dem Approbationsentzug. Der Gesetzgeber hat dieser Selbstverwaltung auch die Aufsichtsbefugnisse und -pflichten übertragen.

In der/den Ärzteberufsordnung/en ist vorgegeben, dass der Arzt nur im Sinne und zum Nutzen des Patienten handeln darf. Interessen von Dritten dürfen dabei nicht einfließen und die Handlung des Arztes lenken.So dürfen keine Vergütungen für den Einsatz bestimmter Mittel, auch nicht unentgeltlich, entgegengenommen werden.

Dass diese von Verkäufer- oder Herstellerseite als Anreiz angeboten werden, kann die Ärzteordnung nicht verbieten. Sie kann nur verbieten, dass der Arzt dem folgt und solche Angebote annimmt.

Dem Arzt ist nicht erlaubt, neben den Honoraren, die er vom Patienten (Kassen) erhält mit der jeweiligen Behandlung weiter Geschäfte zu machen, erst recht, wenn der Patient nichts davon erfährt. Wenn z.B. Provisionen von z.B. Labors gezahlt wurden an den Arzt, die dann unerkennbar in der Patientenrechnung einbaut wurden und von diesem oder seiner Krankenkasse unwissend bezahlt wurden, so wurde das schon als Betrug gewertet und auch Sanktionen gegen den Arzt verhängt. Doch muss es bekannt werden und gerichtsfest nachweisbar sein – Aufgabe der Staatsanwaltschaften und in deren bewertendes Ermessen gelegt.

Allerdings können durchaus Ausnahmen gemacht werden und es sind „schwammige“ Formulierungen da. (s.u.)

Das kann/konnte schon mal dazu führen, dass Misstrauen gegen die Selbstverwaltung aber auch den Staat und die verantwortlichen Politiker entstand.

Zwar hat der Gesetzgeber reagiert, weil die Selbstverwaltung scheinbar nicht durchschlagskräftig genug sein konnte und hat das Strafgesetzbuch um einen Tatbestand erweitert: § 299a
Bestechlichkeit im Gesundheitswesen https://dejure.org/gesetze/StGB/299a.html , doch ob der erleichtern kann entsprechende Handlungen letztlich zu entdecken und aufzuklären, muss sich noch zeigen. Die Diskussion, ab wann den solche Bestechlichkeit beginnt zeigt schon, welche „Nischen“ gefunden werden können, in denen es sich gut ruhen lässt.

Wie in vielen Bereichen läuft der Staat der Findigkeit der Täter hinterher.

Der Beruf des Arztes (als Freiberufler, nicht als Angestellter, da erst recht) ist im Grunde beschränkt, was das durch Ausübung der Heilkunde als solche verdient werden kann. Auch das hat der Gesetzgeber so gewollte, um jedem Bürger einen gleichen Zugang zur Heilkunde zu ermöglichen und Krankenkassen nicht zur beliebig zu nutzenden Melkkuh werden zu lassen.

Es gibt auch für Privatpatienten eine Gebührenordnung. Ordnung besagt, dass diese verbindlich ist. Da ist die ärztliche Tätigkeit in viele (sind es inzwischen über 8.000?) einzelnen mit Ziffern versehene Verrichtungen aufgegliedert, denen ein Preis/Punktwert zugeteilt ist. Es ist auch geregelt wann oder wann nicht mit oder nicht mit anderen berechnet werden dürfen.

Den „Preisen“ liegen Schätzungen oder den dazu notwendigen durchschnittlichen (Zeit)Aufwand zugrunde. Da in einer bestimmten Zeit durch einen Arzt nur eine begrenze Anzahl von Handlungen durchgeführt werden können – außer man pfuscht – ist damit im Grunde das erzielbare Einkommen nicht nach oben offen. Diese Beschränkung kennt jeder, der seine eigene Praxis betreiben möchte. Jedoch sind auch „freie“ Honorarvereinbarung nicht (ganz) ausgeschlossen.

Angestellte Ärzte sind mit ihren Einkommensmöglichkeiten daran gebunden, was der Arbeitgeber an eigene Gewinnwünschen hat und was er an Löhnen abgeben möchte. In der Heilkundeausübung, z.B. als Krankenhaus(chef)arzt gelten inzwischen Bezahlungen, die sich am Umsatz, der Menge der Verrichtungen an Patienten orientieren, als zumindest möglicherweise gegen die Berufsordnung verstoßend. Entsprechen möchten die Ärztekammern Verträge vorgelegt bekommen, um die dahingehend zu prüfen. Zu Selbstverwaltung und deren Problemen habe ich meine Meinung schon geäußert.

Also so richtig „steinreich“ kann man nur mit der Ausübung der Heilkunde nicht werden. Dazu braucht es Nebengeschäfte, z.B. Beraterverträge mit Firmen auch aus dem Medizinbereich,
Vortragstätigkeiten, auch nicht strenge genommen Heilkundeausübung wie Schönheitsoperationen, Kosmetik oder auch Leistungsförderung im (Spitzen)Sport.


- Ärztinnen und Ärzte haben ihren Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ih-
nen bei ihrer Berufsausübung entgegengebrachten Vertrauen zu entspre-
chen. Sie haben dabei ihr ärztliches Handeln am Wohl der Patientinnen und
Patienten auszurichten. Insbesondere dürfen sie nicht das Interesse Dritter
über das Wohl der Patientinnen und Patienten stellen.
...
Unvereinbarkeiten
...
- Ärztinnen und Ärzten ist neben der Ausübung ihres Berufs die Ausübung ei-
ner anderen Tätigkeit untersagt, welche mit den ethischen Grundsätzen des
ärztlichen Berufs nicht vereinbar ist. ...
- Ärztinnen und Ärzten ist untersagt, im Zusammenhang mit der Ausübung ih-
rer ärztlichen Tätigkeit Waren und andere Gegenstände abzugeben oder un-
ter ihrer Mitwirkung abgeben zu lassen sowie gewerbliche Dienstleistungen
zu erbringen oder erbringen zu lassen, soweit nicht die Abgabe des Produkts
oder die Dienstleistung wegen ihrer Besonderheiten notwendiger Bestandteil
der ärztlichen Therapie sind. …
- Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, in allen vertraglichen und sonstigen beruflichen Beziehungen zu Dritten ihre ärztliche Unabhängigkeit für die Behandlung der Patientinnen und Patienten zu wahren.“
aber auch:

Ärztinnen und Ärzten ist es nicht gestattet, von Patientinnen und Patienten
oder Anderen Geschenke oder andere Vorteile für sich oder Dritte zu fordern
oder sich oder Dritten versprechen zu lassen oder anzunehmen, wenn hierdurch der Eindruck erweckt wird, dass die Unabhängigkeit der ärztlichen Entscheidung beeinflusst wird. Eine Beeinflussung ist dann nicht berufswidrig, wenn sie einer wirtschaftlichen Behandlungs- oder Verordnungsweise auf sozialrechtlicher Grundlage dient und der Ärztin oder dem Arzt die Möglichkeit erhalten bleibt, aus medizinischen Gründen eine andere als die mit finanziellen Anreizen verbundene Entscheidung zu treffen.

Viel Spielraum?

Alles klingt gut. Der Arzt wäre derjenige, der unabhängig von Interessen Dritter und ohne irgendwelche Vorteile durch diesen anzunehmen nur das Verordner und anwendet, was tatsächlich im Sinne des Patienten notwendig ist und auch nicht um sein persönliches Einkommen zu erhöhen Unnötiges macht. Das wäre ein gutes Regulativ gegen die freien Marktinteressen der Arzneianbieter usw. Nur: Ärzte sind auch nur Menschen und haben persönliche Interessen …. Auch in der Berufsaufsicht sind Menschen tätig mit all den Fehlern und Eigeninteressen.

Da wäre für den Gesetzgeber vielleicht doch noch so manchen zu regeln, um Patientensicherheit (für unnötigen Behandlungen) und Wirtschaftlichkeit sicher zu stellen. Doch es gibt die Gesundheitswirtschaft, die in (anderen) Teilbereichen des Gesundheitssystems durchaus Gewicht hat. Das Gesundheitsministerium ist kein HEILKUNDEMINISTERIUM.


So müssen manche Kritiker, die Selbstbedienung verschiedener Beteiligter in unserem Gesundheitssystem sehen, auch zum Patientennachteil, einfach hinnehmen, dass man nicht auf der einen Seite Freiheit, auch in der Therapie, Forschung, Wissenschaft verlangen kann und das gesamte Gesundheitssystem in Zwangsjacken stechen kann. Auch ich bedaure viel an Fehlentwicklung, spreche es an, sooft es geht, auch wenn man es nicht hören will. Doch handeln müssen dann Menschen in der Politik, die nicht meiner Meinung sein müssen.


Heilpraktiker

Diese haben keine staatlich vorgegebene Ausbildung, die einen Qualitätsmaßstab für ihren heilkundlichen Nutzen bieten kann. Das ist vom Gesetzgeber so gewollt und bisher ist das alte Gesetz auch nicht entsprechend geändert worden. Es ist nur den Bedingen angepasst anzuwenden, die das Grundgesetz liefert.

Folge: Gesetzliche Krankenkassen dürfen deren Leistungen nicht Erstatten, weil ja der notwendige Nachweis des Nutzens und er Qualität nicht erbracht ist.

Für Heilpraktiker gibt es niemanden, dem der Gesetzgeber (öffentlich rechtliche) Befugnisse gegeben hat, verbindliche Berufsregelungen zur Heilpraktiker zu erlassen. Er selbst hat auch keine Berufsregeln aufgestellt. Es gelten nur die allgemeinen Gesetze. Jeder Heilpraktiker ist einzelner freier „Unternehmer“. Zusammenschlüsse dürfen zwar privatrechtlich sein, aber daraus dürfen keine Verhaltens- oder Preisregelungen getroffen werden, die für Heilpraktiker verbindlich sind.
Er darf im Rahmen seiner Tätigkeitserlaubnis alles anwenden, wozu er in der Lage ist, das gefahrlos für Patienten zu tun. Therapiefreiheit. Nur wenige Gesetze beschränken hier.

Eine GebührenORDNUNG, die verbindlich ist gibt es nicht. Es gibt auch kein verbindliches Ziffernsystem. Wenn private Krankenkassen und Beihilfestellen Ziffern eines rein orientierenden unverbindlichen Gebühren VERZEICHNISSES anerkennen bzw. zu Grunde legen, ist auch das reine Privatsache zwischen dem Versicherten, der die Rechnung einreicht, und dem Versicherer.

Eine Berufsordnung, die verbindlich für Heilpraktiker insgesamt ist, existiert nicht. Auf privater Ebene haben private Vereine solche für ihre Mitglieder erstellt. Wenn die sich nicht daran halten wollen, nutzen Sanktionen im Verein auch nichts, man tritt aus und dem Verein gehen Beiträge verloren.

Der Bestechlichkeitstatbestand nach §299a StGB (s.o) gilt für Heilpraktiker ohne staatliche Ausbildung und Prüfung nicht. Es steht im Grunde jedem Heilpraktiker frei, nebenher (mit dem Vertrauen des Patienten) Geschäfte zu machen und auch aus der Behandlung des Patienten zusätzlichen Nutzen zu ziehen. Es muss nur für den Patienten erkennbar sein und seine Zustimmung haben, wenn in der Abrechnung mit dem Patienten Beträge enthalten sind, die der Heilpraktiker als Boni o.ä. von Dritten erhalten hat (s.o), so Provisionen für Zuweisungen an andere Leistungserbringer im Behandlungsfall (z.B. Labor). So sehe ich das.

Auch Zuwendungen dafür, dass bestimmte Arzneien oder Medizinprodukte vom Patienten gekauft werden, sind dem Heilpraktiker nicht wirklich anzunehmen verboten. Der Patient kann zwar aus dem Behandlungsvertrag (Dienstleistungsvertrag) erwarten, dass nach bestem Gewissen und Wissen nur das gemacht und empfohlen wird, was nach Stand der Dinge nötig und sinnvoll ist. Doch was ist Wissen und Gewissen? Der Patient muss doch wissen, dass für Heilpraktiker andere Regeln gelten, als für Ärzte und durchaus „besondere“ Ideen und Wissensstände angeboten werden.

Im Grunde wäre es viel leichter, dass Heilpraktiker „mit dem Kranksein der Patienten zu ihrem Vorteil Einkünfte lenken“, als im Bereich der „wissenschaftlichen Schulmedizin“.

Es gibt es viele Anbieter von Arzneien, Medizingeräten (auch zur Anwendung (Kauf mit Provisionen für den Empfehlenden) durch den Patienten) Medizinprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln, Kursen, privaten Kuren usw. die auch im Heilpraktikerfeld, der komplementären und alternativen Medizin überhaupt, tätig sind. Drunter sicher auch welche, die ihre Geschäfte mit Hilfe von Heilpraktikern „fördern“ möchten. Der Heilpraktikerberuf im Sinne nur von Heilkundeausübung, bringt gemäß den statistischen Erhebungen viel mehr als die Hälfte der Tätigen kaum auskömmliches Einkommen, ohne Chancen für Altersrücklagen. Auch die, die gerade genug haben, werden typischerweise nicht wohlhabend. Das sind nur sehr wenige von den inzwischen rund 40.000 Personen mit Heilpraktikererlaubnis. Da kann die Verlockung groß sein, Zusatzeinkommen zu erlangen und auch die eigenen Angebote besonders „herauszustellen“. Werbebeschränkungen wie bei Ärzten existieren keine speziellen neben dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und dem Heilmittelwerbegesetz.


Schulmedizin und Pharmaindustrie böse Geschäfte – alternative Medizin nur gute? Ich glaube, es ist in allen Bereichen die gleiche Vorsicht und immer eine gutes Maß an Misstrauen nötig. Insbesondere, wenn die eine Seite die andere schlecht machen möchte.

 
Auch bei Ärzten, deren Berufsausübung reglementiert ist, hängt es von den Einzelpersonen ab, wie diese die Regeln zu ihren Gunsten auslegen oder einfach nicht beachten. Bei Heilpraktikern, bei denen alle Regeln zur Berufsausübung nur „private unverbindliche Vorschläge“sind, ist es noch einfacher, nur zu tun, was einem selbst „behagt“. Man ist angewiesen darauf, wie sich die jeweilige Einzelperson entscheidet – zu Gut oder zu Böse.

Die Welt der ideologischen Pauschalablehnung der etablierten Richtung und die „skrupellose“ Durchsetzung der eigenen (wirtschaftlichen) Interessen, ist gerade durch das Internet kaum in angemessene Bahnen zu halten oder zurück zu lenken.


Copyright K.-U.Pagel 03.2018



Montag, 16. Oktober 2017

Wer verdient an der Krankheit anderer oder an geschürter Krankheitsangst?

Wer verdient an der Krankheit anderer oder an geschürter Krankheitsangst?

Der, der mit "Informationen" zu gesundheitlichen Themen agierend Verunsicherungen schafft, erst überhaupt den Gedanken aufbringt, Gesundheit könnte gefährdet sein und/oder mit rein spekulierten Aussagen über "Wundertherapien" ohne große Nebenwirkungen Hoffnungen schürt, vielleicht gar nicht vorhandene Krankheiten zu heilen oder gar Krankheiten vorzubeugen (aufgrund vielleicht unbelegter Theorien entstehend), die man gar nicht bekommen. Auch ohne "Vorbeugung" nicht.

Aber: Bei erdachten Gefahren ist es leicht, zu behaupten, eine käuflich erworbene Vorbeugungsmaßnahme hätte gewirkt.

Wer dann darauf basierend etwas vermarktet, seien es Waren seinen es (Behandlungs-) Dienstleistungen, der verdient daran.

Der echte Heilkundler schafft seine Nachfrage nicht selbst. Sie entsteht aus der „Natur“. Auch angebliche Zivilisationskrankheiten entstehen daraus, was die Natur auf die „Zivilisation“ antwortet. Kommt man, warum auch immer, aus dem Gleichgewicht dessen, was die Natur fordert und bietet und dem,was man mit seinem Organismus unnatürlich gegen diese zyklischen Naturgesetze (s. Jahreszeiten mit verschiedenen Anforderungen an die Anpassung) macht, sind über kurz oder lang natürlicherweise Krankheiten vorprogrammiert. Das ist eine Programm der Natur, die sich so gegen „Menschenwerk“ und zu viele Menschen schützt.


Der Heilkundler erfindet keine Krankheiten oder angeblich krankhafte Zustände (Stoffwechselbedingungen), die er dann mit nicht belegten Diagnostikmethoden zu beweisen angibt. Oder mittels willkürlichen "Normwerten" begründet. Das macht der Gesundheitsgeschäftemacher. Er, der Heilkundler,  macht das, was nötig ist und am angemessendsten erscheint, mehr nicht.

Die Frage: "Darf's noch etwas Entgiftung mehr sein? Eine Wohlfühlbehandlung dazu vielleicht?" gehört in den Krämerladen, nicht in die Heilkunde.

Aus meiner Praxis kann ich sagen, dass inzwischen viele kommen, die aufgrund von irgendwelchen Blogbeiträgen und Gesundheitsaufklärungsbeiträgen (auch von Heilpraktikern) an sich im Rahmen des individuell Angemessenen auftretende Missempfindung als beunruhigende "Krankheitszeichen" bewerten (Placeboeffekt - hier Noceboeffekt solcher "verkaufsgerichteter Informationen"), Rat suchen, um wieder zu sich zu finden, ihr Vertrauen in ihre Selbstregulation wieder herstellen müssen.

Sie gehen dann nach ausschließender Diagnostik (valider Natur) ohne Zusatzkäufe und Folgekosten in Wellness und Lifestyle "geheilt" nach Hause. "Krank" waren sie wegen der "Informationsviren" in ihren Köpfen, die erst das Gefühl krank oder krankheitsbedroht zu sein, auslösten.

Wer sein Leben verbessern will, vielleicht dadurch mehr Erfolg und auch Geld und Geltung erreichen will, ist nicht krank. Er braucht keine Heilkunde. - Vielleicht doch, wenn das Ausdruck einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung ist. Wer versuchen will, die (seine) Natur zu überlisten und unendlich alt werden will ohne so zu wirken, der verkennt wohl die Regeln der Natur. Diese bietet nur begrenzten Lebensraum. Je älter Menschen werden umso weniger Raum besteht für zusätzliche neue. Lernen wir doch endlich mal daraus, was (in Europa) die Natur uns zeigt: mehr Wohlstand und verlängerte Lebenserwartung, umso weniger und schlechterer Spermien beim Mann.

Und dazu dann auch die an den erwünschten Lebensstandard und die Karriereplanung orientierte Empfängnisverhütung“ der Frauen. Sex nicht mehr zur Fortpflanzung, neues Leben an die Stelle vergangenen alten Lebens zu setzten, sondern aus Bestandteil des Lebensgenusses derer die auch als Alte nicht zugunsten der Kinder verzichten wollen.

Schauen wir hin: Immer mehr Menschen brauchen immer mehr Nahrung, auch im Winter. Also entsprechend große Überschüsse der Ernten, um für Mangelzeiten vorzubeugen. Wenn das fehlt, sterben mehr Menschen an Krankheiten und Mangel, als wenn entsprechende Überschüsse eingelagert werden konnten.

Dazu braucht es Technologie: Landwirtschaft mit überschießenden Erträgen, mit möglichst viel Ertrag pro Hektar Fläche. Das bedeutet aber, dass mehr Nährstoffen für die Pflanzen (Phosphor, Stickstoff, auch Spurenelemente von an sich giftigen Schwermetallen, in die Böden müssen: Düngen, düngen, düngen – bis das Grundwasser stinkt.

Und dann: Größere Erträge verlangen höheren Einsatz bei Saat und Ernte – Maschinen, wo immer es geht. Maschinen brauchen passen gemachte Äcker, ohne dazwischen wachsendes „Unkraut“, was ja auch Raum und Nährstoffe benötigt. Also Unkrautvernichtungsmittel. Bis das Trinkwasser danach schmeckt und Hoden und Eierstöcke der Menschen „austrocknen“.

Tierische Schädlinge müssen weg. Käufer, Raupen, aber auch Wildschweine, Rehe, Saatkrähen usw.
Also Gift gegen Insekten und Blei aus Gewehren gegen Wildtiere. Nun, wenn auch Bienen sterben, was soll's. Honig hat ja viel zu viel schädlichen Zucker. Und Wildfleisch kann man essen. Die Gentechnik wird bald selbstbestäubende Nutzpflanzen bieten.

Und ein riesiges Geschäft kommt dazu: Man wettert gegen die böse Industrie, die profitgeilen Bauern und Tiermäster. Da verkaufen sich so manche Zeitschriften gut und Vereine sammeln Spenden. Angeblich Immer nährstoffärmere Pflanzen (wo geht die ganze Düngung dann hin und wovon wachsen die und bringen hohe Erträge?) erfordern immer mehr Nahrungsergänzung. Die vielen Gifte verlangen viele Entgiftungskuren (Detox). Natürliche "Unveträglichkeiten" von Nahrungsmittel (nicht jeder verträgt jedes, wir sidn vrschieden) werden geradezu zu Volkskrankheiten erklärt - und Märkte geschaffen. Auch für angebliche Diagnostikmethoden. Wer dann entsprechende Informationen (Gesundheitsaufklärung) macht, kann in seinen Beiträgen auch bezahlte Werbung für solche Produkte und Dienstleistungen platzieren.

Wer verdient an den angebliche Krankheiten?

Copyright K.-U.Pagel 10/2017

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Der Heilpraktikerberuf – die Heilpraktikerschwemme – das Dilemma mit der Ausbildung

Der Heilpraktikerberuf – die Heilpraktikerschwemme – das Dilemma mit der Ausbildung


Ein „alter“ Heilpraktiker, der seit den 1980er Jahren dabei ist, erinnert sich und trägt seine Sicht vor:

Es gab schon immer die „Heilkundigen aus dem Volke“, die ohne akademische Ausbildung, ohne Abitur, oft aus einfachen Schichten stammen, nicht selten in gewisser Weise Außenseiter waren, und eine einfache Art der Heilkunde mit relativ einfachen Mitteln, teils auch „magisch“ rituell begründet, betrieben. Daneben gab es den Stand der „Ärzte“. Ein Vertreterin der „einfachen“ Heilkunde ist die Nonne, später Äbtissin, Hildegard von Bingen. Es gehören dazu der Furhmann Priestnitz (mit seinen Wickeln), Pfarrer Kneipp, Lehmpastor Felke.

Im deutschen Reich ab ca. 1860 durften solche Nichtärzte ihre Heilkunde als Gewerbe anbieten, die Gewerbeanmeldung reichte. Man hatte damals, besonders als prominenter Heilkundler wie Felke und Kneipp, immer wieder „Helfer“ die sozusagen in Ausbildung waren und dann mit dem Wissen selbst tätig wurden. Die wiederum hatten eigene „Auszubildende“, die dann auch das Wissen weiter anwendeten. Sicher hatte man durch diese „Ausbildungstätigkeit“ Vorteile, auch geldlich.

Es gründeten sich Vereine, die als Ziel hatten, die jeweiligen Heilweisen auch unter Laien weit zu verbreiten. Es gab Naturheilbünde verschiedener Art. Heute gibt es z.B. noch immer die Kneippvereine in vielen Städten.

Beargwöhnt, auch manchmal beneidet wurden solche Personen häufig durch Ärzte. Scharlatanerie wurde ihnen vorgeworfen, Anzeigen wegen Kurpfuscherei erstattet. Auch Kneipp und Felke waren dem ausgesetzt und hatten sich erfolgreich, auch mit aufzeigen ihres Wissens und Könnens, dagegen wehren können. Kneipp musste sich mit „Dienstaufsichtsbeschwerden“ bei seinem Dienstherren, der katholische Kirche abgeben, der Pastor Felke legte (nicht nur deswegen) sein evangelisches Pfarreramt nieder.

Schon das Parlament im letzten Kaiserreich beschäftigte sich damit, wie diesen Menschen, die neben der ärztlichen Medizin tätig waren, das Gewerbe zu verbieten sein könnte. Ohne wirkliche Idee. Auch ohne Grundgesetz sah man keinen Sinn im Gewerbeverbot. Auch, weil man das Abwandern in die Illegalität erwartete. Denn man kann dem Menschen nicht verbieten, sich da und damit Hilfe zu suchen, von dem er sich etwas verspricht oder erhofft.

In der Weimarer Republik waren weitere Vorstöße vergeblich und endeten am selben Punkt: Solange noch ein offenes Gewerbe ausgeübt wird, ist eine gewisse Kontrolle noch möglich.

Die politischen Verhältnisse nach 1933 mit dem Überwachungs- und Repressionssystem Diktatur ähnlicher Art, schufen eine neue Basis. Nachdem man nach und nach die tätigen Heilkundler nichtärztlicher Art und auch die Vereine in den von der NSDAP in München gegründeten „Reichsheilpraktikerbund“ drängen und so kontrollieren konnte, war die Vorbereitung für den Erlass eines Heilpraktikergesetzes Februar1939 erledigt.

Kernpunkt: Die Ausübung der Heilkunde ohne ärztliche „Bestallung“ wurde unter Erlaubniszwang gestellt und die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“ verbindliche eingeführt. Jeder, der bereits tätig war und es bleiben wollte musste diese Erlaubnis beantragen. Zunächst bis zum April 1939, also in kurzer Frist. Diese wurde mehrfach verlängert. Vor allem war die persönliche „Eignung“ zu prüfen, Staatsbürgerschaft, strafrechtliches und politisches Verhalten. Erst 1941 wurde die Überprüfung der Kenntnisse und Fertigkeiten für die Personen, die dann noch die Erlaubnis beantragten eingeführt. Das war, als im Osten und Westen neue Gebiete dem Reichsgebiet angeschlossen wurden. Dar Neuzugang war so erheblich erschwert (Überprüfung in der Hand von lokalen Amtsärzten war recht „subjektiv und willküranfällig“). Dazu war es möglich, bereits tätige (unerwünschte Personen) Heilpraktiker mit dem Verdacht, es würden Kenntnismängel bestehen, dieser Überprüfung nachträglich zu unterziehen und diesen dann „loszuwerden“.

Anträge durften auch Personen innerhalb der Frist stellen, die eine Ausbildung bei einer Schule des Reichsheilpraktikerbundes (keine andere Ausbildung) besuchten. Besitzstandswahrung war auch damals gesetzgeberische Pflicht.

Nach Fristablauf, zuletzt im Jahre 1941, war keine Erlaubniserteilung mehr möglich. Der neu geschaffene Beruf hatte so keine Zukunft mehr, wenn die dann Tätigen „ausgestorben“ sein werden.

Dennoch hatte das Gesetz und seine Ausführungsverordnung dazu (damals die 1.) Ausnahmen vorgesehen, für Menschen, die nachzuweisende Heilbegabung hatten und nicht ein Medizinstudium machen konnten. Praktische Ausbildung mit „Erfolgsnachweisen“ in Kliniken über eine Mindestzeit war Voraussetzung. Die Personen (es gab wohl nie eine solche) hatten dann als Naturheilkundeärzte zu firmieren und der Ärztekammer beizutreten.

Nach dem Kriege gar es wenige noch tätige Heilpraktiker und es kamen zunächst keine neuen mehr hinzu. Das Grundgesetz mit seiner Berufsfreiheit brachte die Regelungen, über die dann 1956 im Klageweg wieder der Berufszugang erstritten wurde.

Es waren nur wenige, die den Weg in den weitgehend unbekannten Beruf suchten und die damals recht einfache Hürde der Überprüfung (es waren vor allem mehr oder minder Willkürgründe in völlig ungeregelten örtlich verschieden gehandhabten Verfahren, die hinderten) genommen haben.

In vielen (Verwaltungs-)Gerichtsverfahren wurde und wird bis heute daran gearbeitet, was denn in welcher Weise an notwendigem Wissen und Fähigkeiten in den Überprüfungen als zur Gefahrenabwehr nötig abgefragt werden darf. Es bildete sich so über Jahre ein gewissen Standard an abzufragendem Wissen. Da die Länder für ihren Bereich zuständig sind und dort die jeweiligen Amtsärzte in den lokalen Gesundheitsämtern die Entscheidenden waren, war bisher eine bundesweite Standardisierung nicht zu erreichen. Ende 2016 hat der Bundesgesetzgeber (Heilpraktikergesetz ist Bundesgesetz, ausführende die Länder nach eigenen Regeln) den Ländern vorgegeben Leitlinien für die Überprüfung zu erarbeiten, die bis zum Jahresende 2017 vorzuliegen haben. An denen können sich die Länder orientieren – müssen aber nicht. In den 90er des letzten Jahrhunderts haben einige (südliche) Bundesländer gute Vorarbeit geleistet, indem sie sich auf ähnliche Verfahren und einen Fragenkatalog einigten, der freiwillig genutzt wird.

In den 70ern des letzten Jahrhundert wurde der Heilpraktikerberuf durch regelrechte Kampagnen in den Boulevardblättern bekannt und interessant. Ein ehemaliger leitender Bertelsmann (Verlag mit vielen buten „Blättern“) Manager hatte die Heilpraktikererlaubnis erhalten und war nach Ausscheiden bei Bertelsmann tätig geworden: Dr. jur. Manfred Köhnlechner.

Dazu



Die Berichte in verschiedenen Medien über seine „Erfolge“ und viele Prominenten, die durch ihn angeblich geheilt wurden, machten die „alternative Medizin“ und den Heilpraktikerberuf breit bekannt.

Es entwickelte sich bald ein neuer Markt: Ausbildungen zum schönen, erfolgreichen Beruf des Heilpraktikers, schnell und nebenher.

Es gab noch immer vereinzelt mal Menschen, die bei einem der wenigen Heilpraktiker praktisch Wissen erwarben. Es gab Heilpraktikerschulen, vor allem des großen Heilpraktikervereins „Deutsche Heilpraktikerschaft e.V.“ als Nachfolger der 1939 aus dem Reichsheilpraktikerbund umbenannten „Deutschen Heilpraktikerschaft e.V.) als öffentlich-rechtlich.befugtem Zwangsmitgliedschaftsverein für alle damals tätigen Heilpraktiker. Er hatte zwar 1945 durch das sogenannte „Überleitungsgesetz“ der Alliierten als nationalsozialistische Gründung und Mitläufer alle öffentlich-rechtlichen Befugnisse (die in der alten Durchführungsverordnung festgehalten waren) verloren, trat aber immer noch quasi als „Alleinherrscher“ auf. Die Ausbildungen waren ganztägig, dauerten 3 Jahre und waren mit großem Qualitätsanspruch versehen. Damit im Grunde eine hohe Hürde für Menschen, die in dem Beruf wollten (und nicht ohne Vorbereitung die Überprüfung angehen wollten). Der Verein musste sich wegen Wettbewerbsklagen anderer Vereine umbenennen. Heute ist es der Fachverband Deutscher Heilpraktiker FdH e.V. und er betreibt noch immer seine anspruchsvollen „Vollzeitausbildungen“ in verschiedenen Bundesländern.

Im Zuge der „Popularitätsoffensive“ Dr. Köhnlechners wurden nun daneben weitere Ausbilder aktiv, die mit weit kürzeren Ausbildungen, geringerem Umfang der Ausbildung und in viel kürzerer Zeit nebenberuflich (einmal Unterricht die Woche) auf die Überprüfung vorbereiten wollten.

Die wohl damals wichtigste war das „Münchner Heilpraktikerkolleg GmbH, (Sitz München) mit einer wachsenden Zahl an Filialen über das Bundesgebiet. Mit Anzeigen im SPIEGEL wurde bundesweit um Schüler geworben. Die Firma musste sich aus Wettbewerbsgründen umbenennen, heute als Deutsche Paracelsusschulen bekannt.

Damals um 1980 gab es heftige Diskussionen über solche „Schnell- und Kurzausbilder“, die in größeren Mengen (es waren nicht wirklich viele im Vergleich zu heute) neue Berufszugänger auf den Markt brachten. 1980 waren es ca. 7.000 Heilpraktikerpraxen im gesamten Bundesgebiet, 2000 rund 13.000. Die Zahl ist längst nicht mit der Zahl der Heilpraktiker- Erlaubnisinhaber gewachsen, weil viele erst gar nicht den Praxisstart wagten oder gleich wieder aufgaben. Doch hatten diese den Gewinn der Ausbilder – es gab immer mehr auf dem Markt – gesichert.

Etwa 1980 war die Diskussion unter den wenigen (unter 5) Heilpraktikervereinen groß, wie mit diesem Phänomen, der „massenweise“ schnell ausgebildeten Konkurrenten umzugehen sei. Schnell war das als Hauptargument ausgemacht, was in den Diskussionen bis heute immer wieder dem Beruf vorgeworfen wird: eine mangelhafte Ausbildung und damit fehlendes Berufswissen der „Nebenherschnellausgebildeten“.

Hauptgegner damals das Münchner Heilpraktikerkolleg, bald Paracelsusschulen. Irgendwann wurde aus dieser heraus der erste eigene Heilpraktikerverband gegründet. Heute sind mindestens 4 Vereine mit dieser Schulkette über ihren geschäftsführenden Vorsitzenden (neben einem „Repräsentationsvorsitzenden“) verknüpft. Sollen doch die anderen Vereine motzen und meckern, man bestimmt sich quasi selbst und legt „Normen“ fest.

Dem Beispiel folgten dann bis heute immer mal wieder andere Schulen mit eigenen Vereinen oder Vereine die eigene Schulen gründeten und als „Verbandsschulen“ Seriosität zeigten.

Jedermann kann eine Heilpraktikerschule gründen. Etliche Heilpraktiker bieten nebenher, zu Praxis, Prüfungsvorbereitungen zur Überprüfung an, bzw. haben eine eigene kleine Schule. Es ist leichter verdientes Geld, eine Ausbildung anzubieten als dann später in Konkurrenz zu anderen seine Praxis überhaupt zum Laufen zu bringen und zu erhalten. Das ist nichts Böses und Ehrenrühriges in einer auf Geschäfte und Verdienen ausgerichteten Gesellschaft. Gerade auch im Gesundheitsmarkt mit seinen verschiedenen Bereichen.

Es gibt keine Vorschriften, wie eine Heilpraktikerausbildungsstätte eingerichtet sein muss, was an Personal mit welcher Qualifikation vorhanden sein muss, nicht mal dazu was im Einzelnen die Lehrinhalte sein müssen. Die Dauer der Ausbildung, die Stundenzahl usw. ist nicht festgelegt. Von wenigen Wochenenden über einige Monate bis zu 3 Jahren Vollzeitausbildung reicht die Spanne. Entsprechend sind dann die Kosten und der Zeitaufwand, um in „einen Beruf mit hohem sozialen Ansehen, großen Erfolgschancen“ und wie es noch so heißt, kommen zu können. „Heute die Überprüfung geschafft und die Erlaubnis erhalten, morgen bereits im Traumberuf erfolgreich tätig“.

Wie geschrieben, dass ist ein mögliches „Geschäftsmodell“ für Ausbildungsangebote.

Heute wird von bis zu 40.000 Heilpraktiker ausgegangen. Wieviele davon tatsächlich funktionierende Praxen haben, nicht nur stundenweise „nebenher“ tätig sind oder gar nicht, ist wohl nicht erfasst und kaum erfassbar. Heilpraktiker sind freie „Einzelunternehmer“ ohne Kammer oder Pflichtmitgliedschaften in irgend welchen Vereinen. Niemand ist vom Gesetzgeber beauftragt und befugt, für Heilpraktiker verbindliche geltende Regeln zu erlassen oder diese verbindlich zu vertreten. Die inzwischen wohl weit über 20 Berufsvereine haben nur für ihre Mitglieder freiwillige Regeln, wobei darauf geachtet werden muss, dass nicht nach kartellrechtlich relevanten Absprachen aussieht.

Doch ist es nicht die Regel, dass einfach mit der Erlaubnis in der Hand eine Heilpraktikerpraxis eröffnet wird. Schon die allgemeine Sorgfaltspflicht und strafrechtliche Bestimmungen sorgen dafür, dass sich im Regelfalle (Ausnahmen gibt es überall) derjenige, der tätig werden will, zuvor in dem Bereich, den Methoden und Verfahren, die er anwenden will, in eigener Verantwortung das nötige Wissen zulegt. Problem ist da sicher wieder, dass die Ausbildungsstätten keinen verbindlichen Regeln entsprechen müssen, und wieder ein „gutes Geschäft“ sein können.

Für viele bedeutet selbstkritisches Reflektieren der eigenen Fähigkeiten schon – trotz der Aufwendungen für die Ausbildung -, dass doch Abstand vom Heilpraktikerberuf genommen wird. Schon, wenn man erkennt, wie wenig überhaupt statistisch zu verdienen sein wird, bei der großen Verantwortung. Vielleicht bietet man ersatzweise Kurse für Laien (und andere Heilpraktiker) an, hält Vorträge oder bereitet andere auf die Überprüfung vor. In eigener Firma oder als freier Mitarbeiter bestehender Schulen, vermittelt den Verkauf von Waren im Gesundheitsbereich u.a.m.

Es bleiben im Grunde (fast) nur die im Heilpraktikerberuf tätigen übrig, die auch verantwortungsvoll Qualität in ihren Bereichen bieten können. Manche machen nur Dinge, die Patienten kaum Schaden bringen können und sind aber aufgrund der in der Überprüfung gezeigten Kenntnisse in der Lage, Patienten rechtzeitig z.B, an den Arzt zu verweisen. Da ist im Grunde die Sicherheit für die Patienten gegeben, dass sie keinen Schaden bekommen, selbst wenn der Nutzen gering oder fehlend ist.

Das will der Gesetzgeber aber nicht abschaffen, verbieten und er kann das auch wohl schon wegen des Grundgesetzes nicht. Auch Ausbildungsbestimmungen und Prüfungen dazu will er nicht festlegen. Dann würde ein staatlicher arztähnlicher Ausbildungsberuf innerhalb des Gesundheitswesens geschaffen (Heilpraktiker gehören bisher nicht dazu). Der wäre überflüssig und hätte kaum die Möglichkeiten, wie bisher Methodenfreiheit in der Heilkunde zu sichern.

Copyrigt K-U.Pagel 10/2017


Montag, 25. September 2017

Vitamin B 12 - warum Speicherfähigkeit des Körpers

Ein Beitrag zu B 12 und Veganern

https://das-gesundheitsplus.de/wie-veganer-genug-vitamin-b12-bekommen/

lässt mich zum Nachdenken anregen, auch über sogenannte Empfehlungen zum Tagesbedarf von Vitaminen, aus meiner Sicht als jemand, der seit rund 35 Jahren Heilkunde betreibt, auf der Basis von Physiologie und Biologie (also der Natur - Naturheilkunde).





Beim Vitamin B 12 wird deutlich: Die Biologie (Evolution) hat es so eingerichtet, dass Stoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann die aber immer gebraucht werden, (physiologisch) gespeichert werden können. Das dann als Überlebensstrategie, wenn es natürlich ist, dass aus den Nahrungsangeboten mal in einiger Zeit recht wenig kommt und in anderer Zeit recht viel. So ist z.B. der Wechsel der Jahreszeiten mit den unterschiedlichen Angeboten an Nahrungsmitteln, auch mit Abschnitten geringen Angebots von Nahrung überhaupt, keine Bedrohung für die Zellfunktionen.

Da stellt sich die Frage nach dem Sinn einer anhaltenden Zusatzzufuhr zu den natürlichen Nahrungsangeboten durch "Nahrungsergänzungsmittels" (außer bei krankheitsbedingten Störungen). Eine Frage, die ich an anderer Stelle für mich als  "nicht notwendig" beantwortet habe. Die Veganer zeigen uns: Wer stark einseitig isst, kann keine Vorräte anlegen für bestimmte Zeiten und dann auch nicht aus denen überleben. Dem fehlt dann auch zu "normalen" Zeiten so ein Funktionsstoff. Der benötig eine zusätzliche Zufuhr, "künstliche" zur Zufuhr über die Inhaltsstoffe natürlicher Nahrungsmittel hinaus. Und auch wenn man eventuelle mit Algen eine Zufuhr an B 12 erreichen könnte, so ist das doch wieder sehr eingeschränkt und damit sehr einseitig "abhängig" möglich.

Bei Vitamin B 12: Pflanzenkost bietet davon kaum etwas, weil die Pflanzenzellen es nicht verwenden und damit auch nicht enthalten, wenn wir uns davon ernähren. Erdbakterien, die auf Pflanzen  gelangen können, bringen das B 12 dann mit, wenn man die Pflanze isst (in kleinen Mengen). Kühe (als ein Beispiel für reine Pflanzenfresser) züchten in einem Vormagen diese Bakterien, die sie mit jedem Grashalm neu aufnehmen und bieten den Bakterien mit dem gemahlenen (Wiederkäuer) Grasbrei eine gute Vermehrungsmöglichkeit und damit auch viel Grundmaterial, um B 12 zu bilden. Das kommt dann den Zellen der Kuh zugute, wird auch mit der Milch ausgeschieden, um andere Lebenwesen (z.B. Kälber) damit zu versorgen..

Für uns Menschen bietet der Winter wenig (frische) Pflanzennahrung. Da hilft es, wenn man sich von der Jagd oder von Nutztieren aus dem Stall zusätzlich ernähren kann. Dann kommt aus der tierischen Zelle viel B 12 in den menschlichen Körper, viel mehr, als er im Winter benötigt (und überhaupt aus Pflanzen beziehen könnte). Das füllt die Speicher z.B. in der Leber.

In Frühjahr und Sommer macht es wenig Sinn, Tiere zu schlachten, zu bejagen, weil diese ja auch wie Pflanzen ihren "Nachwuchs" bekommen sollen, um ihre Zahl nicht zu vermindern und weiter mit und von ihnen leben zu können. Wer Saatgut ißt bekommt keine Ernte, wer das Lämmchen schlachtet bekommt später weder Milch noch Wolle.

In der Zeit bis zur Ernte dienen auch tierische Produkte, nicht (im natürlichen Zyklus selten) Tiere selbst (ihr Fleisch) der zusätzlichen (zu Pflanzen) Ernährung des Menschen (wenig B 12). - In unserer Zeit der Massentierhaltung und des billigen Fleischen ist das anders (unnatürlich) geworden. - Wenn die Ernten Fülle von Pflanzen bringen (auch für den Wintervorrat) kann die Ernährung mehr zu diesen Pflanzen gehen.. Im Winter dann, müssen sich die Tiere mit den Menschen die weniger werdenden Pflanzen (Wintervorräte) teilen. Sinnvoll kann dann sein, Tiere zu schlachten und zu essen, die kaum durch den Winter gefüttert werden könnten oder nur zu Lasten der Menschen. B 12 Überschüsse finden sich dann in der Nahrung.

Übrigens speichert der menschliche Körper auch das Vitamin Folsäure (Pflanzen sind typische Quelle) für längere Zeit. Folsäure und Vitamin B 12 arbeiten zusammen, alleine sind sie nichts. So unterscheiden sich die Zeiträume und Nahrungsquellen für diese Vitamine, aber es ist immer von beiden genügend bevorratet.

Das eine vereinfachte Darstellung zur Erläuterung eines biologischen Prinzipes.

Ein weiter Gedanke aus der Evolution des Menschen: Es ist durchaus ein wichtiger Faktor dafür, dass die Spezies Mensch über die vielen Jahrtausende immer größer und schwerer geworden ist und sein Gehirn so entwickeln konnte (vielleicht hängt auch die deutlich gestiegene Lebenserwartung damit ein wenig zusammen), dass die Versorgung mit Vit B12 aufgrund des erheblichen Erweiterns der Nahrungsquellen (Vit. B 12 Quellen) mittels Tieren und ihren Produkten erheblich zugenommen hat und sicherer geworden ist.

Größere Menschen haben mehr Körperzellen und diese benötigen schon im laufenden Betrieb in der Summe mehr Vit B 12 als kleinere Lebewesen. (s.o. große Rinde haben einen eigenen Bioreaktor im Vormagen für die Produktion großer Mengen entwickelt). Vit B 12 ist für Zellteilung unerlässlich, ohne Zellteilung kein Wachstum. Das Nervensystem, vor allem die ständig große Menge an neu zu bildenden Nervenbotenstoffen, ist ein intensiver B 12 Verbraucher. Beschränkungen an B 12 lassen dann kein großes Wachstum und nur schlechtere Zellregeneration und keine große Arbeit des Gehirns zu. B 12 Mangel kann zu schweren Nervenschäden und Psychosen führen, wenn der Bedarf anhaltend weit über der verfügbaren Menge liegt. Auch scheint ein Mangel den Herzmuskelstoffwechsel zu beinträchtigen (Homocystein als sich ansammelndes Stoffwechselprodukt) und vielleicht Herzkrankheiten damit zu begünstigen.

Umso notwendiger wird eine regelmäßige Ergänzungszufuhr bei streng veganer Ernährung, nicht für den Gemischtköster und lakto-ovo- Vegarier (der auch Fisch ißt).  B 12 wird dazu vegan gewonnen aus Bakterienkulturen und in regelrechten Bioreaktoren gezüchtet. Extrakte aus Fleisch oder anderen Tierprodukten kommen dann nicht in Frage (wären auch viel zu teuer für die Nahrungsergänzungsmittelindustrie).

Montag, 26. Juni 2017

Überlegungen zur Impfdiskussion/ Impfpflicht

Grundsätzliches zur Impfdiskussion:

Es gibt keinen sachlichen und fachlichen Grund, Impfungen als probates Mittel der Prophylaxe grundsätzlich abzulehnen oder gar zu verdammen.

Impfungen sind Mittel der Prophylaxe, das bedeutet sie finden ihren Einsatz aus rein statistischen Gründen, die eine Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Falles vorhersagen wollen. Eine Aussage auf die jeweilige konkrete Person bezogen ist nach den Kenntnissen heute nicht möglich. Auch betreffend der Risiken der jeweiligen Impfung ist nur eine statistische Wahrscheinlichkeit zu benennen. Keine auf die jeweilige Person zu treffende Aussage des tatsächlichen oder nur wahrscheinlichen Eintretens eines negativen Ereignisses – und ggf. welchen. In wenigen Fällen lässt sich konkret auf die Person bezogen feststellen, ob einen erhöhte Wahrscheinlichkeit eines schwereren Verlaufes der vorzubeugenden Infektionskrankheit oder schwererer Impfreaktionen, über die Folgen eines Stiches oder „Unpässlichkeiten“ hinaus, besteht. Das muss nicht das sichere Eintreten dieser Folgen bedeuten.

Grundsätzlich hat eine Impfung NUR am Gesunden zu erfolgen, wenn es um reine Prophylaxe geht.
Der besondere Schutz von besonders anfälligen oder aufgrund von Vorerkrankungen besonders durch die vorzubeugende Krankheit konkret gefährdeten Personen kann davon eine Ausnahme darstellen, die aber nicht zur Regel gemacht werden darf. Fachliche Abklärung in besonders sorgfältige Weise ist notwendig zum Eine zur Feststellung der Gesundheit zum anderen zur Feststellung und Abwägung, ob im Erkrankungsfall geimpft werden kann/sollte.

Da es sich um keine notwendige therapeutische Maßnahme bei bestehender Krankheit handelt, sondern nur um ein prospektives theoretisches Abwägen von Wahrscheinlichkeiten ist der Entscheidungsfreiheit als Grundrecht besonderes Gewicht zu geben. Dazu bedarf es des Abwägen Könnens der Wahrscheinlichkeiten und der Kenntnisse der möglichen Krankheits- oder Impffolgen durch den, der geimpft werden will/soll oder das ablehnt. Das geht nur mit umfassenden (verständlichen) Informationen und ohne Angstmacherei oder Gewissensdruck.

Der Umstand, dass jemand an Impfungen verdienen könnte, kann sachlich-fachlich zutreffende Argumente nicht entkräften. Das Verschweigen von bekannten Umständen und Risiken mag im Interesse von Firmen nach den Regeln der Kapitalgesellschaften und des geschäftlichen Gewinninteresses zulässig sein. Ist man der Heilkunde verpflichtet und dem Patienteninteresse, das immer auf der Basis der Entscheidungsfreiheit nach umfassender Aufklärung gesehen werden muss, darf das KEINE Rolle spielen. Gesundheit darf nie zur Handelsware verkommen!

Im Patientenschutzinteresses, höheres Rechtsgut als die Berufsfreiheit, wäre eine Trennung des Heilberufes von – auch nebenberuflichen – Interessen in der Wirtschaft muss wieder streng zu fordern. Vage Selbstbeschränkung der Betroffenen reicht nicht!

Es ist nicht einzusehen, warum es einem Arzt nicht zuzumuten sein soll, sich entweder für den Heilberuf (schon durch Gebührenordnungen im Grunde von den Einkommensmöglichkeiten begrenzt) mit seiner absoluten Patientenzentriertheit zu entscheiden oder in der Marktwirtschaft tätig zu sein, und nach Verkaufserfolg, Kapitalertrag usw. bezahlt zu werden.

Dem Heilkundler ist es zugemessen, kraft seine Fachkenntnisse und seiner absolut dem Patientenwohl (darüber entscheidet der Patient) darüber zu entscheiden, ob und welche Produkte der Markt - und Kapitalertragswelt er seinem Patienten empfiehlt. Da der Patient auf die Fachkenntnisse des Arztes/Heilkundlers angewiesen ist, muss sich dessen Handeln der Kontrolle unterziehen lassen. Nicht durch ihn selbst oder von ihm bestimmte Personen der „Selbstverwaltung“, die vielleicht ihrerseits Einkünfte außerhalb der Heilkunde durch den „Markt“ beziehen..

Kapitalinteressen oder persönliches Gewinnstreben des Heilberuflers dürfen niemals für sein Handeln bestimmend sein und Aufklärung und Beratung lenken. Da muss die Haftung entsprechend streng verankert sein und zwingend penibel das Handeln überwacht werden. Sofern die Selbstverwaltung der Heilkundler das nicht leisten kann oder will, wäre diese durch eine neutrale Aufsichts- und Entscheidungsstelle zu ersetzen. Insbesondere dann, wenn es sich darum handelt, dass Patienten in rein statistisch basierte Präventionsmaßnahmen einwilligen sollen, die Umsätze des „Marktes“ fördern könnten.

Das wäre im Sinne des Patientenschutzes auch notwendig, wenn irgend ein Impfzwang gesetzlich festgelegt werden sollte. Keine Selbstkontrolle für die Berufsgruppe, die zu Schäden führen könnte, sondern staatliche „Aufsichtspflicht“ (das aufsichtsführende Fachpersonal darf natürlich keine „Doppelinteressen“ haben und sollte mit dem nicht ärmlichen staatlichen Gehalt als Einkommensquelle zufrieden sein) und auch entsprechende Gesetze mit Regelung zur Schadensminderung/ zum Folgenbewältigen. Das erfordert natürlich entsprechende Regelungsbereitschaft der Politik, die wieder umdenken müsste und die Heilkunde nicht mehr als Marktbestandteil sehen sollte, sondern als nicht käufliches Umsetzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit für jeden (Krankheitsbehandlung und Vermeidung darf KEINE Handelsware werden).

Dazu gehört auch die freie Entscheidung über Impfenlassen oder nicht. Insbesondere gehört dazu, dass die freie Wahl gewährt wird, betreffend welchen Impfungen man des Recht, diese sich geben zu lassen, einfordern möchte.

Einer Impflicht gegen was auch immer steht die inzwischen ohne wirkliche heilkundliche Notwendigkeit eingeführte Marktpraxis entgegen, dass man sich nicht mehr (oder nur mit Mühen) zu einer Impfung, und nur der, entscheiden kann, die man tatsächlich möchte. Für jede einzelne Impfung gegen eine bestimmte und genau definierte Infektionskrankheit ist nach dem Grundgesetz nachzuweisen, dass eine Impfpflicht tatsächlich das einzige oder angemessendeste Mittel ist, um Gefahren abzuwenden (nicht um einen Nutzen zu erzeugen!).

Wenn man das betreffend Masernimpfung tut, muss ZWINGEND sicher gestellt sein, dass ohne große Aufwände auch ein Impfstoff genau dagegen und nur genau dagegen, mit hinreichender Wirksamkeit und Sicherheit, zur Verfügung steht. Durch die feste Kombination mit Impfstoffen gegen andere Krankheiten ist das beim Masernimpfstoff weitgehend unmöglich GEMACHT worden. Man darf keine Impfung gegen andere Krankheiten (gegen die man nach den Regeln des Grundgesetzes keine Impfpflicht begründet hat) dadurch erzwingen, dass man die gesetzlich vorgegeben Impfung nur in Kombination mit anderen (gesetzlich nicht vorgegebenen) möglich macht.

Eine in der Sache bisher nicht wirklich begründbare Impfpflicht (das Grundgesetz interessiert sich nicht dafür, was andere Länder tun!) gegen Masern begründet keinesfalls, warum, verbunden damit, auch gegen Polio oder Mumps oder sonst was zusätzlich geimpft werden MUSS! Das wäre ein unzulässiger Eingriff in die Entscheidungsfreiheit und die körperliche Unversehrtheit.

Das ist den Politikern sehr wohl klar. Wenn ein Gesundheitsminister eine (strafbewehrte) Beratungspflicht zu Impfungen ALLGEMEIN einführt, ist geschehen, jedoch keinen Grund (keine Möglichkeit) sieht, eine gesetzliche Impfpflicht gegen Masern zu verankern, so zeigt das vielleicht auch, dass das durch die Impfindustrie geschaffen Problem des Fehlens von Einzelimpfstoffen der Politik nicht verborgen geblieben ist, damit eine Impfpflicht nur gegen Masern nicht (mehr) umsetzbar ist?

Also als Konsequenz Impfberatungspflicht betreffend auch den mit dem Masernimpfstoff fest verbundenen anderen Impfungen erzwingen? Um da eine Akzeptanz zu erreichen?

Gerade da ist der jeweils als Heilkundler aufklärende Mensch gefragt, umfassend und ehrlich, fachlich fundiert, ohne Erzeugen von Gewissensnöten und Ängsten, dem Patienteninteresse, das kein Marktinteresse ist, gemäß zu handeln.

Doch mit zutreffenden und nicht irgendwie falschen oder „um die Ecke gedachten“ Propagandaargumenten, wie das von einigen der Impfkritiker vorgebracht wird, ist da nichts zu machen. Es macht keinen Sinn für die Glaubwürdigkeit, angeblich unzutreffenden und/oder unvollständigen Informationen der Impfbefürworter/-industrie genau solche entgegen zu setzen. Das schadet der Sache einer bewussten und freien Entscheidung für oder gegen Impfen betreffend einzelne Krankheiten eher, als es nützt.

Jeder, der eine Impfberatung/Impfaufklärung erhält sollte diese selbst genau für sich protokollieren – und abzeichnen lassen, zeitnah zur Beratung und vor einer Impfung - (siehe auch Bankberatung) mit allem, was tatsächlich vorgetragen wurde, so wie er das verstanden hat.

Das wird auch – wenn auch nur beschränkt – für „Manipulatoren“ der einen oder anderen Richtung zum Risiko. Impfung ohne umfassende objektive Aufklärung ist (kann sein) Körperverletzung und sollte als solche strafrechtlich geprüft werden betreffend er zwingend anzufertigen Dokumentation über Inhalte der Aufklärung.

Die Aufklärenden haben dafür zu sorgen, dass sie für diesen Aufwand entsprechend entlohnt werden können. Nicht aus der Kasse von Mitgliedern einer Versicherung sondern aus Steuermitteln (Gemeinschaftsaufgabe aller Bürger, nicht nur der gesetzlichen Krankenkassenmitglieder).

Soweit meine Überlegungen zu diesem Thema, mit, was Kontrolle, auch durch Selbstverwaltung, betrifft recht „utopischen“ Ideen.

Copyright K.-U.Pagel  06 2017

Donnerstag, 1. Juni 2017

Krebskranke nicht zum Werkzeug machen

Immer wieder lese ich, wie Angehörige, Freund, Bekannte, oder einfach nur Personen, die von jemandem mit schwerer Erkrankung (einer Krebsform z.B.) berichten, der von der „Schulmedizin“, von Ärzten miserabel behandelt worden wäre und durch deren Therapien (meist wird Chemo genannt) Schaden genommen hätte, vielleicht wegen dieser Therapie statt einer (im Regelfall gar nicht konkret genannten) alternativen Therapie überlebt hätte.


Das zeigt ein Problem auf, das mir in den nun rund 35 Jahren als Heilpraktiker immer wieder begegnete, in der Zeit, in der über das Internet „Verschwörungstheorien“ verbreitet werden und Geschäfte mit alternativen Verfahren beworben und betrieben werden, meine ich es zunehmend zu sehen: Die Betroffenen (Kranken) werden immer wieder von Angehörigen, „Freunden“ und gar nicht sach- und fallkundigen „Ratgebern“ bedrängt. Sie werden verunsichert, eigene Entscheidungen aus sich heraus zu treffen, es wird die zunächst begonnene (schulmedizinische) Therapie madig gemacht. Es werden Zweifel, insbesondere durch Verschwörungstheorien, sogar an der Redlichkeit der Behandler geweckt und erst recht an den begonnenen oder vorgeschlagenen Therapie: „Die Pharmamafia will nur Geld verdienen mit Menschen, die krank gemacht werden. Die Ärzte werden davon gelenkt. Die Pharmamafia will mit allen Mitteln verhindern, dass wirksame alternative Therapie, manchmal nur in Form von Vitaminen oder Gemüsesmoothies, an der diese Mafia nichts verdient, bekannt werden“. So klingt es nicht selten.

Da werden angebliche Berichte von Tausenden angeblich geheilter Menschen durch „Wundermedizin“ eines mehr oder minder berühmten Arztes (?) angeführt, die die Wirksamkeit (verschiedenster) Heilweisen und Mittel (von Blausäureabkömmlingen bis geheimnisvollen Energiestrahlen) sicher beweisen sollen. Jedoch gibt es keine von der Diagnose über alle durchgeführten Maßnahmen bis zum Endergebnis dokumentierten Fälle zum nachlesen. In manchen Fällen finden sich in „Lobhudelbüchern“ zitierte Mail, in denen jemand behauptet, durch das jeweilige Wunderding geheilt worden zu sein. Sind das die Hauptanteile an den „Heilungsfällen“?

Es fällt auf, dass die vielen Ratgeber, von Familienangehörigen an bis zu Bücherschreiber und Blogaktivisten, in vielen Fällen nicht mal wirkliche Kenntnisse über die Fülle der Krebserkrankungen, Verläufe und auch „Heilungsquoten“ zu haben scheinen. Wer nur immer verallgemeinernd von Krebs schreibt oder schreibt weiß vielleicht gar nicht, über was er sich auslässt?


Ich möchte hier aus meiner langen Erfahrung berichten:

Der Erkrankte ist die Person, die die Entscheidungen über sich zu treffen hat. Und im Regelfall kann sie es auch am Besten. Gerade bei Erkrankungen die zum Tode führen können, kommt es zu Konflikten, die der Betroffene überhaupt nicht zusätzlich braucht. Er hat genug damit zu tun für sich selbst, keinen anderen, Kräfte zu haben. Er hat an sich selbst zu denken.

Da mischen sich nun Angehörige ein, für die der Betroffene etwas empfindet, deren Befinden im immer wichtig war und weiter ist. Diese haben viel mehr Schwierigkeiten – und das obwohl sie gar nicht von der Krankheit selbst betroffen sind – dass die eigentliche „Hauptperson“ dem Sterben nahe sein könnte. Warum sie damit nicht zu Recht kommen, warum sie immer wieder versuchen, dem Kranken durch was für Ideen und Ratschläge auch immer, abzuverlangen, dass er Hoffnungen haben soll, die ihm selbst fern liegen, müssten diese Personen für sich klären.

Es ist für Angehörige wichtig, Unterstützung zu bekommen, den Zustand eines nahestehenden Kranken einfach mal zu akzeptieren und dem Kranken es zu überlassen, was er für sich machen oder lassen will.

Es ist nicht selten so, dass die Angehörigen wegen eigenem Leidens nicht wahr haben wollen, was der Kranke längst spürt und auch (ja es ist oft so) für sich akzeptiert. Dabei kann es irgendwann soweit sein: Der Kranke gibt nach und verhält sich so, wie es die „leidenden“ Angehörigen für sich wünschen. Er will diese beruhigen, irgendwie deren Leid therapieren, und letztlich für sich keine weiteren Konflikte, gar mit Angehörigen, haben wollen.

Da bleibt der Kranke auf der Strecke mit all seinen Bedürfnissen und seinem eigenem Leid (bei den er Trost und Hilfe braucht, nur weil die „Gesunden“ mit sich und der Situation nicht klar kommen. Solche Menschen können keine Hilfe sein.

Wenn dann auch noch fachlich völlige Laien irgendwelchen „Geschäftemachern mit alternativen Therapieideen auf den Leim gehen“ vielleicht eigenen Frust mit Gott und der Welt so verarbeiten möchten, und las Ratgeber immer neue Vorschläge machen - nein im Grunde diktatorisch darauf drängen wollen, dass sich der Kranke mit deren Ideen nicht nur auseinander setzt, sondern sie gefälligst annimmt - in welche (verzweifelte) Lage zwingen sie diesen dann!

Die wohl dümmste Aussage ist, was man in dieser Lage des Kranken mache würde. Man ist nicht in der Lage und wie man dann entscheiden würde, unter dem Druck, kann der, dem es jetzt gut geht NICHT absehen. Auch die Frage an einen (Fach-)Therapeuten, wie er sich entscheiden würde, leidet unter diesem Mangel. Auch wenn der Fachmann viel genaueres Wissen um Konsequenzen hat, wieder der Laie, der irgendwelchen Ratschlägen folgt. Solche Ratschläge kann er kaum prüfen, er fällt da oft auf angeblich besonders tolle Referenzpersonen rein und als Hauptargument hört er dann, dass die Idee schon deswegen richtig ist, weil „Schulmedizin und Pharmamafia“ lügen, die Presse manipulieren usw.

Wie soll dann ein Kranker überhaupt frei entscheiden, wenn er bedrängt wird, zu glauben, dass die behandelnden Fachleute ihm nicht helfen wollen, nur benutzen.

Man bringe Sachverhalte vor, die man selbst beurteilen kann (Wissen), nicht Namen von angeblich berühmten Personen, nicht irgendwelche Artikel aus parteiischen (Kämpfer gegen Chemotherapie und Schulmedizin) Medien, oder man schweigt. Die behandelnden Personen sind zu objektiver Aufklärung verpflichtet, auch zu objektiver Aufklärung über Verfahren und Mittel „alternativer“ Art. Und es gibt die Zweit-und Drittmeinung von Fachleuten. Aber immer objektiv.

Übrigens: Auch der, der alternative Heilweisen anbietet, hat daran ein Interesse, dass er diese „verkaufen“ kann. Also, immer, wenn da aggressiv gegen „Konkurrenten“, irgendwelche „Systeme“ usw. gewettert wird, Vorsicht. Das gilt vor allem für Angehörige, Freunde und andere Ratgeber, die zu solchen Personen raten.

Der Betroffene weiß, sich zu entscheiden, er spürt seinen Zustand. Darum aufhören, diesen ständig zu belabern, gar eine Form von Druck und geradezu Terror aufzubauen, damit er in einer dem „Ratgeber und seiner Weltauffassung“ passenden Weise handelt.

Ich beobachte, dass Kranke zur Keule, zum Werkzeug, werden sollen, um bestimmte Meinungen, die der „Lehrmeinung“ widersprechen, durchzuprügeln. Im Interesse des Nichtbetroffenen.

Man lasse einen Menschen auch friedlich sterben, begleitet durch die lindernde Medizin, wenn er durch seine Krankheit und deren Verlauf dem Tode zuschreitet. Wunderheilungen sind immer, auch dann, noch möglich. Doch jemandem Lebenszeit zu stehlen, indem man ihm mehr oder minder dazu drängt, Zeit für irgendwelche Therapieversuche aufzuwenden ohne tatsächliche Wirkwahrscheinlichkeit, zu investieren – oder im Streit mit dem Ratgeber Lebensqualität zu verlieren – nutzt dem Kranken nicht. Unter so manchem Druck dieser Art ist für den ohnehin Belasteten kaum eine freie Entscheidung möglich.

Das als Appell zum Wohle und zur Freiheit des vielleicht todkranken an einer Krebsart Leidenden.

Copyright K.-U.Pagel 06.2017