Donnerstag, 23. April 2015

Homöopathiekritik - Spreu von Weizen trennen

Merkwürdige Homöopathiearten -Psiram liegt gar nicht ganz verkehrt


Psiram (früher EsoWatch) versorgt Sie mit dem notwendigen Realismus zu den Themen Esoterik, Religion, Gesundheit, und hilft Ihnen dabei, Ihren Geldbeutel zu schonen. Psiram präsentiert falsche Prediger, Ideologen, Scharlatane und Betrüger. Psiram versteht sich als kritischer Verbraucherschutz vor scheinheiligen, nutzlosen und wirkungslosen Produkten, Therapien und Ideologien.


So stellt sich eine Internetplattform dar, die in gewisser Weise an Wikipedia erinnert. Nur fehlt hier im Impressum ein Seitenverantwortlicher. Die einzelnen Beiträge zu den Themen haben sich über gewisse Zeit aus Einzelbeiträgen, Korrekturen; Veränderungen dazu durch verschiedene anonyme Autoren entwickelt.

Psiram hat sich in einem längeren Artikel mit Homöopathie beschäftigt. Ich schreibe Homöopathie ohne „die“ davor, denn es werden viele teils recht abenteuerliche Ideen, denen man die Bezeichnung „Homöopathie“ irgendwie zugefügt hat in einen Sack gesteckt und dann mit dem Knüppel darauf geschlagen. Aber es steckt viel Wahres dahinter. Darum soll mir der Beitrag dazu dienen, hier mal Spreu (Nachahmer und Neuerfinder, Trittbrettfahrer der Interesse weckenden Bezeichnung) vom Weizen, tatsächlichen Hintergrund gemäß den Lehren von S. Hahnemann zu trennen.



Psiram leitet ein:

Die Homöopathie ist eine pseudowissenschaftliche Methode zur Behandlung praktisch aller Erkrankungen, die von dem sächsischen Arzt und Okkultisten Samuel Hahnemann etwa um 1800 begründet wurde und heute nahezu unverändert (als klassische Homöopathie nach Hahnemann) existiert.“

Samuel Hahnemann war kein Okkultist, sondern ein echter Wissenschaftler in seiner Zeit. Eine Quelle für solche Angaben „Okkultist“ wird nicht genannt. Auch nicht, was damit gemeint sein soll. Mir ist bekannt, dass da unter anderem „Christliche“ Sektiererlehren dahinter stehen. Ich selbst bin früher Ziel von Bekehrungsversuchen, weg von der „Bösen Geisterbeschwörerei Homöopathie“ zu kommen, gewesen. Ich habe die vielen Schriften gelesen, die mir zugeschickt wurden, habe die Tonbandkassetten mit den „Predikten“ dazu abgehört. Man hat für mich gebetet – wurde mir berichtet – um die Dämonen, die man auf meine Schultern sitzen sah, zu vertreiben. Lauter Schriften ohne jeden Bezug zu Hahnemann, seine Schriften usw. nur zu „von guten Engeln und Geistern“ eingegebenen Gewissheiten zur Teuflichkeit der Homöopathie. Inzwischen hat sich daraus eine „Akademie für christliche Psychologie“ entwickelt. So etwa könnte man das nennen.

Aber etwas weiter unten (Geschichte der Homöopathie) wird dann entsprechend eingeräumt

Der Homöopathie kann man zur Zeit der Entwicklung durchaus "wissenschaftlichen" Charakter (nach damaliger Definition) zugestehen. Immerhin ging Hahnemann empirisch vor und überprüfte seine Thesen an Selbstversuchen.
Die Thesen und Überlegungen von Hahnemann standen im Konsens der wissenschaftlichen Biologie, Physik, Chemie seiner Zeit, z.B. Newton. Er kannte die Entwicklungen recht gut, da er ein Zubrot (ohne Krankenkassen waren viel Ärzte damals recht einkommenschwach) schon seit Studentenzeiten durch Übersetzungen von solchen wissenschaftlichen Publikationen verdiente und als „Bibliothekar“ zu einem reichen Schriftenschatz Zugang hatte.

Wenn es dann noch heißt:

Aus heutiger Sicht nach über zwei Jahrhunderten enormen Wissensgewinns kann man vermuten, dass selbst Hahnemann, würde er noch leben und über das heutige Wissen verfügen, seine Apologeten verspotten würde.

Das trifft sicher nicht zu. Verspotten würde er all die Pseudohomöopathen, die seine grundlegenden Neuerungen in der Medizin nicht verstanden haben und eigene Ideen, die teils fernab jeder heilkundlichen Vernunft stehen, als Homöopathie verkaufen.

Dann wird hervorgehoben, dass er in einer Loge (Freimaurer) Mitglied war.

Bei Psiram unter der Rubrik: Samuel Hahnemann (7).

Christian Friedrich Samuel Hahnemann (10. April 1755, Meißen - 2. Juli 1843, Paris) war ein sächsischer Arzt, Autor, Übersetzer, Okkultist und Freimaurer der Loge "Minerva zu den drei Palmen".

Gemäß dem freimaurerischen Prinzip der Brüderlichkeit kümmerten sich die Logenmitglieder auch um soziale Belange, Armenfürsorge und Waisenunterstützung. (6) Heute gibt es den Lionsclub“, „Rotaryclub“ u.a.

Nun war auch Goethe Logenmitglied ( Loge "(Anna) Amalia zu den drei Rosen") (7). Mozart und Churchill ebenso. Logenmitglieder waren/sind sehr ethische Menschen.


In der Einleitung heißt es:

Die Homöopathie stützt sich auf zwei allgemeine Grundprinzipien. Erfinder Hahnemann legte seinerzeit fest, dass nach dem Simile-Prinzip der Homöopathie jede Krankheit durch Stoffe geheilt werde, die beim gesunden Patienten ähnliche Symptome hervorrufe. Ebenso verkündete Hahnemann, dass nach dem Prinzip der Potenzierung die homöopathischen Mittel um so stärker wirken sollen,...

Falsch. Das trifft lediglich für einen kleinen Aspekt zu. Hahnemann sah das als Grundlage für Arzneiwahl und -Zubereitung für chronische Krankheiten an, die anders nicht behandelt werden mussten (zumindest zu Therapiebeginn), wenn andere Dringlichkeiten, Lebensgefahr z.B. vorlagen oder die Reaktionsunfähigkeit des Patienten dagegen sprach. Er therapierte nicht einfach drauf los. Er wog sehr genau ab.

Denn Homöopathie nach seinem Grundlagen war und ist keine Spielerei, sondern ein Instrument des zur Heilkundeausübung berechtigten Profis. Und dazu gehört mehr.

Wenn behauptet wird:

Homöopathiegläubige sind bewusst oder unbewusst häufig pauschal skeptisch gegenüber der wissenschaftlichen Medizin:
so trifft das auf viele zu, die Homöopathie nach irgendwelchen geschäftemachenden „Neuerfindern“ glaubig in sich aufnehmen. Geschäftemachend, weil so manches da mit Zusätze zur Bezeichnung „Homöopathie“ als Markenzeichen eingetragen wurde und oft mit dem Verkauf von Kursen, Lizenzen zur Ausübung, Computerprogrammen u.ä. verbunden wird.

Der Heilkundige, der Heilberufler im Sinne von Hahnemann (ob Arzt oder Heilpraktiker) versteht sich als Bestandteil der Medizinausübung insgesamt. Auch andere Therapie neben der Verabreichung von Kügelchen, sind nicht nur bekannt sondern werden neben einer breiten Diagnostik einbezogen. Leider gibt es davon (diesen Hahnemann-Homöopathen) nicht mehr so viele. Die „Neuerungen“ werden mit ziemlichen Werbetamtam angepriesen. Wonach soll ein Patienten denn „die Spreu vom Weizen“ trennen können? Gerade auch im Internet werden viele Beiträge zu den „Anderen, besseren, moderneren Homöopathien“ regelrecht werbend untergeschoben. In den Medien lässt man gerne Vertreter dieser Richtungen sprechen und schreiben, weil es ja interessant klingt – und so märchenhaft, und man sich gut „das Maul darüber zerreißen“ kann. Mit erheblichen (Ruf)Schaden für die „echte hahnemannn'sche Homöopathie“ und ihre Vertreter.

Homöopathie ist nicht gleich Homöopathie.

Psiram macht es ja deutlich, dass es die Homöopathie nach Hahnemann kaum noch gibt. Da heißt es:

Es haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Varianten der ursprünglichen klassischen Homöopathie nach Hahnemann herausgebildet. So unterscheidet man Niederpotenzler von Hochpotenzlern, Monotherapeuten von Polypragmatikern, homöopathische Phytotherapeuten von anthroposophischen Homöopathen usw.

Und es werden dann eine ganze Reihe von anderen „Homöopathien“ aufgelistete. Denen ist im Grunde eines gemeinsam: Da hat jemand ,aus einer anderen, meist philosophischen, spirituellen, spiritistischen, okkultistischen usw. kommend, Ideen von Hahnemann, teil unter wortklauberischen Verdrehungen, teils entgegen den Aussagen von Hahnemann, teils mit frei erfundenen angebliche Hahnemannzitaten in seine eigene Lehre übertragen. So R. Steiner. Es ist dann plötzlich statt der Wissenschaft eine „Weltanschauung“ daraus gemacht worden.

Da werden sogar absurde Lehren mit Verweis auf die Homöopathie als glaubwürdig erklärt.

Psiram hat solche „Eigentümlichkeiten“ erkannt und prangert diese richtig an, jedoch unterscheidet es nicht von der Homöopathie nach Hahnemann.

Aus dem Organon (1), dem „Gesetzeswerk“ zur Homöopathie von S. Hahnemann herausgenommen:

Er mahnt gerade diejenigen, die aus der Homöopathielehre der Medizin „Geschwätz“ machen, philosophische Ergründungen vortragen in seinem § 1

Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt 1).
1) Nicht aber (womit so viele Aerzte bisher Kräfte und Zeit ruhmsüchtig verschwendeten) das Zusammenspinnen leerer Einfälle und Hypothesen über das innere Wesen des Lebensvorgangs und der Krankheitsentstehungen im unsichtbaren Innern zu sogenannten Systemen, oder die unzähligen Erklärungsversuche über die Erscheinungen in Krankheiten und die, ihnen stets verborgen gebliebene, nächste Ursache derselben u.s.w. in unverständliche Worte und einen Schwulst abstracter Redensarten gehüllt, welche gelehrt klingen sollen, um den Unwissenden in Erstaunen zu setzen,..

Was finden wir da an Ideen: Da soll die Krankheit etwas lehren, da soll sie Folge „geistiger“ Fehler sein, das sollen Vorleben diese bedingen oder gar vielleicht schon Verstorbene Verwandte mit ihrem Zorn diese auslösen. Da helfen die Kügelchen zu höheren Einsichten, lassen einen neuen Menschen entstehen, da wabern „Freie Energien“, Informationen aus welchem Diesseits oder Jenseits auch immer als Wirkprinzipien herum. Da wird die Quantenphysik bemüht. Alles das hat mit Hahnemanns Lehren nichts zu tun.

Im § 3 verlangt er genaues Hinsehen bei Krankheiten, verlangt er, dass man erkennt, was überhaupt vorliegt. Ob überhaupt eine Therapie und, wenn ja, wie zu erfolgen hat:

Sieht der Arzt deutlich ein, was an Krankheiten, das ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntniß, Indication), 


Aus seiner Tätigkeit als Stadtarzt (eine Art Amtsarzt für Hygiene usw.) war im klar (§4):

Er ist zugleich ein Gesundheit-Erhalter, wenn er die Gesundheit störenden und Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Dinge kennt und sie von den gesunden Menschen zu entfernen weiß.

Es mag sein, dass Psiram recht hat mit der Einschätzung:

Gegen die Homöopathie sprechen die fehlenden Wirksamkeitsnachweise, der pseudowissenschaftliche-dogmatische Charakter der Homöopathieschulen (die tatsächliche Schulmediziner sind), die völlig fehlende Prävention der Krankheit ...

Hahnemann will gerade die Krankheitsprävention fördern. Wer als Heilkundler Hahnemann folgt, wird das beherzigen. Vielleicht die anderen eben nicht. Im Geistheilen usw. hat Prävention keinen Platz aber solche Schulen, die besondere Heilslehren verbreiten, Weltanschauungen, im Zusammenhang mit dem Begriff Homöopathie gibt es leider. Und es ist dann das Wesen, dogmatisch arbeiten zu müssen. Glauben abzuverlangen.Nehmen wird die Bachblüten(Therapie?). Da hat ein an sich zum Homöopathen ausgebildeter Arzt, in einer entsprechende Klinik tätig, die Wissenschaftlichkeit und Genauigkeit der Homöopathie als nicht zu ihm passend empfunden. Viel mehr verließ er sich auf seine Intuition und Sensitivität und begründete einen entsprechend neue Richtung energetischer Heilkunde. Manche halten diese Bachblüten für eine Homöopathievariante. Auch hier sind „Jüngerschaften“ entstanden.

Hahnemann taugt nicht dazu, so etwas entstehen zu lassen. Er ist viel zu „handfest“ im materiellen hier und jetzt verbunden. Er ist auch Physiologe (mit dem Wissen seiner Zeit).

§6 ist eindeutig:

Der vorurtheillose Beobachter, - die Nichtigkeit übersinnlicher Ergrübelungen kennend, die sich in der Erfahrung nicht nachweisen lassen, - nimmt, auch wenn er der scharfsinnigste ist, an jeder einzelnen Krankheit nichts, als äußerlich durch die Sinne erkennbare Veränderungen im Befinden des Leibes und der Seele, Krankheitszeichen, Zufälle, Symptome wahr, das ist, Abweichungen vom gesunden, ehemaligen Zustande des jetzt Kranken, die dieser selbst fühlt, die die Umstehenden an ihm wahrnehmen, und die der Arzt an ihm beobachtet. Alle diese wahrnehmbaren Zeichen repräsentiren die Krankheit in ihrem ganzen Umfange, das ist, sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit 

Das unterscheidet Hahnemann'sche Homäopathie von so vielen „Neuerfindeungen“, die Psiram zu recht bemängelt. Aber leider vermischt.

Hahnemann wendet sich auch vehement gegen die Behauptung, dass Homöopathie die Selbstheilungkräfte anrege.

Im § 22:

...bloß instinktartigen, verstandlosen Lebenskraft nachahmen und sie befördern zu wollen, welche unserm Organism nur anerschaffen ward, um, solange dieser gesund ist, unser Leben in harmonischem Gange fortzuführen, nicht aber, um in Krankheiten sich selbst zu heilen. Denn besäße sie hiezu eine musterhafte Fähigkeit, so würde sie den Organism gar nicht haben krank werden lassen. Von Schädlichkeiten erkrankt, vermag unsere Lebenskraft nichts anderes, als ihre Verstimmung durch Störung des guten Lebens-Ganges des Organism's und durch Leidens-Gefühle auszudrücken, womit sie den verständigen Arzt um Hülfe anruft, und wenn diese nicht erscheint, so strebt sie durch Erhöhung der Leiden, vorzüglich aber durch heftige Ausleerungen sich zu retten, es koste, was es wolle, oft mit den größten Aufopferungen, oder unter Zerstörung des Lebens selbst. Zum Heilen besitzt die krankhafte verstimmte Lebenskraft so wenig nachahmenswerte Fähigkeit, daß alle von ihr im Organism erzeugten Befindens-Veränderungen und Symptome ja eben die Krankheit selbst sind! 

Seine Lehre kennt so etwas wie Selbstheilungskräfte nicht. Der Heilkundler übernimmt die Verantwortung für sein Tun.

Homöopathie ist mehr als nur Kügelchen geben.

Was seine Lehre ausmacht, ist es verschiedene Krankheitsformen zu unterscheiden und die gemäß den Notwendigkeiten zu behandeln. Dazu gehören auch „handfeste“ Eingriffe bei von Außen entstandenen Beschwerden. Vom Messer in den Bauch über das gebrochene Bein bis – er hätte die Erkenntnisse der Infektionslehre und Mikrobiologie entsprechend wohl einbezogen – Angriffe von Bakterien und Viren von außen. Hier sieht er keinerlei Sinn im Einsatz homöopatischer Kügelchen. Er würde sich auch niemals Antibiotika verschlossen haben. Das tut auch kein Homöopath nach Hahnemann. Chronische Erkrankungen, die der Hintergrund sind für immer wieder auftretende Infektionen würde er separat davon betrachten und behandeln. Ebenso bei akuten Krankheiten die Anstrengungen des Körpers zu heilen, sich gegen Angreifer zu widersetzen, unterstützen. Und zwar dann, wenn es notwendig erscheinen würde.

Eine ganz wichtige Arbeit ist es, zu erkennen, om Umstände im Lebensumfeld usw. vorliegen, die dem Organis bestimmte Reaktionen, die sich in Symptomen zeigen, bewirken. Diese werden entfernt, nicht mit „Kügelchen weggeschossen“! Und der Patient soll lernen, solche, wenn es geht, zu meiden. Das ist Prävention par excellence.

Zu den Arten der Krankheiten gemäß der Lehre Hahnemanns habe ich einen kleinen Beitrag geschrieben (2).

Immer gehört zur Fallaufnahme die vollständige Erfassung aller Fakten, die der Heilkundler am Patienten erheben kann. Das bedeutet Diagnostik mit allen Mitteln, die es inzwischen seit Hahnemann neu gibt. Dabei wird der echte hahnemann'sche Homöopath typischerweise immer schwerwiegende Erkrankungen und Verläufe erkennen, wenn er eine entsprechende heilkundliche Ausbildung hat und nicht als Laie „homöopatisiert“.

§84 Der Kranke klagt den Vorgang seiner Beschwerden; die Angehörigen erzählen seine Klagen, sein Benehmen, und was sie an ihm wahrgenommen; der Arzt sieht, hört und bemerkt durch die übrigen Sinne, was verändert und ungewöhnlich an demselben ist.

Der Arzt .. bemerkt durch die übrigen Sinne: Das ist vom Tasten über Abhören bis eben dem Einsatz der „modernen Sinne“ des Röntgen, Labor usw.

Zur Fallaufnahme gibt es ebenfalls von mir Texte (3)(4)

Die auch bei Psiram hervorgehobene Bedeutung der Fallaufnahme wird darin beleuchtet. Nicht nur als zwingend notwendig zur Erkennung, was vorliegt und was zu behandeln sei und wie. Sie stellt eine wichtige Therapieform dar. Auf diese wird in der Schulmedizin leider fast immer verzichtet. Hahnemann hat ein Vorgehen beschrieben, welche später Rogers in seiner personenzentrierten Gesprächstherapie weiter entwickelte. Übrigens war Rogers längst die Homöopathie in den USA bekannt gewesen. So neu ist die Methode dann doch nicht.

Die von Psiram zitierte Studie zur Placebowirkung des Gespräches, leider zu geringe Probandenzahlen und eingeschränkt verwertbare Methodik, gibt aber einen Hinweis darauf, dass seine /Rogers) Therapiemethode wirksam sein kann, wie eben auch die Fallaufnahme.
Jedoch stellt die Schlussfolgerung der Studie Missverstehen dar. Rheuma ist eine chronische Erkrankung, die in der Homöopathie ihre Heilungszeit braucht.Viel zerstörtes Gewebe wird nicht wundersam wieder heil sein.Doch Ziel ist, in einem Zeitraum, der eben nicht absehbar ist, einen Stillstand zu erzeugen und es dem Patienten zu ermöglichen, mit dem was ist OHNE Medikamente zu leben. Die Schulmedizin ist außer Stande anzugeben, in welcher Zeit sich ihre Medikamente überflüssig gemacht haben könnten Nicht selten müssen sie lebenslang genommen werden oder immer wieder neu wiederholt werden. Das versucht die Homöopathie anders zu machen. Braucht aber auch Zeit. Wenn Hahnemann im §2 schreibt:

Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.

spricht er von einem Idealfall und bei chronischen fortgeschrittenen Erkrankungen kann schnell durchaus 2 Jahre sein. Dazu ein Text von mir (5)


Was Psiram anprangert ist nicht die Homöopathie nach Hahnemann. Es sind die vielen „parahomöopathischen Wunderverfahren“. Verfahren, denen das Wort „Homöopathie“ zugefügt ist.


Der echte Homöopath von hier wird auch nicht versuchen, Menschen in Afrika mit homöopathischer Behandlung zu beglücken, um die Wirkung beweisen zu wollen. Er spricht in der Regel weder die Sprache (hinreichend) noch kann er die regionalen Besonderheiten auch die Lebensbedingungen, Denkweisen, Vorerkrankungen usw. mit den Arzneiprüfbildern hinreichend vergleichen können. Denn, wenn er Hahnemann beachtet, spielen diese alle wichtige Rollen bei der Fallaufnahme und die individuell passende Arznei ist kaum zu finden.

Homöopathie nach Hahnemann ist eben nicht: „Bei … nehme man“. Das ist eher die nicht-heilkundliche Laienhomöopathie, die Komplexmittelhomöopathie, die klinische Homöopathie. Doch ganz viele der „neuen“ Homöopathiezweige gehen nicht nach dessen Regeln vor. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sie gar nicht wirklich verstanden worden sind, weil sie und die dahinter stehende physiologische Sichtweise auch der Psyche (nach Hahnemann (9, 10)) vielen dieser „Philosophiehomöopathen“ nicht passt. Denen einfach zu schwierig ist und eben gute allgemeine Grundkenntnisse der Heilkunde voraussetzen, die manchen fehlen, einfach nicht gelernt werden, weil man glaubt in der Welt der „geistigen“ Homöopathie, des „Homöopathieokkultismus“ so etwas nicht zu brauchen. Homöopathie ist einfach so aus der jeweiligen Weltanschauung verständlich, meinen so manche.

Wenn eine kleine Gruppe angeblicher Homöopathen (sicher nicht nach Hahnemann) eigenartige Ansichten zur Homosexualität äußern, einfach notwendige Untersuchungen unterlassen, für den jeweiligen Patienten notwendige andere Therapie einfach so negieren, ist das sicher nicht typisch für die Homöopathie, sondern typisch für Sektierer und Verantwortungslose. Die finden sich auch in der „Schulmedizin“.

Wenn es um die Frage von Studien zur Wirksamkeit geht, muss sich die Schulmedizin immer wieder damit auseinandersetzen, dass sich Studien in ihrem Bereich als „passend gemacht“, oder sonst wie falsch erweisen. Dennoch lange als „Lehrmeinung“ kursierten. Wie oft änderte sich diese schon.

Bei der Homöopathie nach Hahnemann handelt es sich um einen streng individualisierte Heilweise. Nicht nur was die lange Beschäftigung mit dem Patienten und seinen Lebensumständen, aus denen das Leiden gekommen sein kann, betrifft.

Hahnemann hat mit den, wie er sie nennt, unechten chronischen Krankheit schon ganz lange vor den heutigen Lehrmeinungen der Schulmedizin gerade das gesamte Umfeld, seine beruflichen Belastungen, Ernährung, Suchtverhalten usw. in den Focus der Tätigkeit des Homöopathen gerückt. Sozusagen längst das, was heute als Risikofaktoren genannt wird, als zu erkennen und beseitigen angestrebt.

Bei den meisten der „Homöopathievarianten“, die Psiram so aufzählt, spielt das nicht diese große Rolle. Mit der Beseitigung, soweit möglich, dieser – auch - Heilungshindernisse beginnt jede medikamentöse Therapie (wenn eine solche dann noch nötig ist) nach Hahnemann.

Schon da scheitern randomisierte Doppelblindstudien mit Placebokontrolle. Auch wenn es manchen evidenzbasierten Statistikjünger ärgern mag: Es gibt nicht den Durchschnittspatienten, auch bei solchen Studien gibt es eine ganze Bandbreite von Wirkungen, Nebenwirkungen, Nichterfolgen usw. Diese helfen dem individuellen Patienten nicht weiter. Woher soll er wissen, ob er bei der (meist kleinen) Gruppe sein wird mit besten Erfolgen oder bei den „Loosern“. Ob er zumindest auch keine negativen Wirkungen haben wird, oder ob diese ihn „zerreißen“, mit oder ohne irgendeinen positiven Erfolg.

Hahnemann hat eine Strategie entwickelt, Heilkunde so zu betreiben, dass es den individuell möglichst besten Erfolg bringen kann. Wenn diese Heilweise beherrscht wird. Wenn nicht irgendwelche Pendel und Apparate zur Arzneifindung dienen (auch wenn man gar keine brauchen würde), wenn nicht nach irgendwelchen Einflüssen der „geistigen Welt“ gesucht wird, Aura vermessen oder „wuptizitäre Quantulationen“ (oder was man sich sonst noch so ausdenken könnte) über astralleibliche Verbeulungen zum Mittel weisen sollen.

Man muss einfach mal wieder abgrenzen.

Wenn das die „Evidenzbasierte Medizin“ doch auch könnte! Individuell, nach genauem Hinsehen, die Arznei auszuwählen. Statt in die Statistik zu schauen. Übrigen ist in dieser Statistik auch immer die Zahl der Fälle von Placebowirkung herauszurechnen. Wenn bei 40 % das Placebo gewirkt hat, wieso sollte es nicht auch bei 40% von den 80 % die das Verum bekommen haben, das eigentliche Wirkprinzip gewesen sein? Bei 80 % „Erfolg“: 40 % durch Placebowirkung und 40 % durch Verum.

Methoden der einen Richtung sind nicht auf die andere übertragbar. Darum sind Studien, die das versuchten, nicht wirklich für die Homöopathie nach Hahnemann als Metastudien auswertbar.

Sofern Georgos Vithoulkas als Sprecher für Homöopathen nach Hahnemann bei Psiram mit Aussagen über Wirksamkeiten zitiert wird, vermag ich nicht zu erkennen, ob er eine Ausbildung in Medizin hatte, die dem anderer „Hahnemann-Homöpathen“ gleich kommt. Was hat er in Bombay gelernt, was ihn in Griechenland berechtigt haben sollte, tatsächlich eigene Erfahrung in der Heilkunde zu machen? Dazu hat er eigene „Modernisierungen“ eingebracht. Er mag zwar Menschen begeistern, aber das kann ein guter reiner Theoretiker (Ausbilder) auch, wenn er nur den „Nerv“ seines Publikums trifft. Geschäfte gehen gut.

Da schließt sich der Kreis mit der Frage, was Psiram denn unter Homöopathie verstehen will. Alle zum Teil sehr merkwürdigen „Neuerfindungen“, die es aufzählt oder die Homöopathiearbeit, die den Regeln von Hahnemann entspricht, bei denen die Arzneigabe nur am Ende eines langen Prozesses steht, wenn sie denn dann überhaupt noch nötig ist? Und es ist gut, wenn schon die richtige Fallaufnahme Wirkungen zeigt. Die daraus resultierende „Überdenkung der Lebensumstände“, ihres dazu beiträgt und schließlich die richtig gewählte Arznei das übrige tut – wenn nicht anderes dringend nötiger ist.






Copyright K.-U.Pagel 04.2015

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen