Mittwoch, 6. Mai 2015

Suggestion - Programmierung des Empfinden und Handelns



Wie geht Suggestion – oder die Wirkung umgesetzter Gedanken/Behauptungen


Der „Volksmund“ erzählt vom Trinker, der infolge seines Suffs im Hirn die Halluzination, Wahrnehmung ohne nachweisbare Reizgrundlage, eines rosa Elefanten produziert. Diesen sieht er mitten in seinem Wohnzimmer stehen. Was tut er? Er geht selbstverständlich um ihn herum, nicht hindurch. Dazu muss er aber das Sofa und den Coachtisch verstellen, sonst hat er keinen Platz dazu. Der halluzinierte Elefant hat damit indirekt „Wirkungen“ auf das Zimmer ausgeübt. Fragt nun ein Besucher, warum er sein Wohnzimmer so eigenartig gestaltet hat, so bekommt er zur Antwort, dass das wegen des rosa Elefanten so notwenig ist. Und der Besucher wird aufgefordert, nicht quer durch das Zimmer zu gehen, sondern schön am Rande entlang.

Nun kann man das auch anders erzeugen. Man stellt sich einfach nur vor, dass dort ein rosa Elefant stehen könnte und verhält sich entsprechend (absichtlich). Man setzt die reine „Idee“ in Handlungen um. Auch wenn man das Wohnzimmer entsprechend umräumt, um am gedachten rosa Elefanten vorbei zu kommen, ist dieser nicht da und „materialisiert“ sich auch nicht. Das Zimmer wurde allerdings verändert, es zeigt die Wirkungen des gedachten Elefanten. Auch verändert sich das Verhalten des „Sich-Einen-Elefanten-Vorstellers“. Er geht andere Wege in diesem Zimmer.

Man kann aus einer Gruppendynamik heraus oder auch wegen Beziehungen zu anderen Menschen übernehmen, dass diese – warum auch immer, vielleicht als imaginäre Gottheit  - einen rosa Elefanten als Zentrum ihres Wohnzimmers sehen wollen. Vielleicht, weil sich die Gruppe oder der das Übernehmende dann „sicherer“ fühlt.

Das ist auch ein Teilaspekt des „Placeboeffekts“. Man fühlt sich beim Behandler „wohl“. Man möchte diesem nicht negatives als „Lohn“ geben. So ist man bereit, sich erst einmal darauf „einzulassen“, dass  die Beschwerden (egal mit welcher Therapie) besser werden. Darauf stellt sich  die „Bewertung“ der eigenen Wahrnehmung ein.

Gerade bei bewusst (auto-) suggestiven Therapien wie Hypnose ist die Herstellung einer „angenehmen entspannten (Wohlfühl-) Atmosphäre“ wichtig.

So wie umgekehrt der beste Fachmann mit der besten Arznei weniger Erfolge erzielen kann, wenn der Patient diesem sehr misstraut, ihm vielleicht keinen „Erfolg“ gönnt.

Wenn die Bereitschaft da ist, in das eigene Denken, in die eigene Vorstellung das zu übernehmen, was der andere (zu dessen Gruppe man vielleicht gehören will oder dessen „Liebe“ man sucht)  vorgibt, und wenn man bereit ist, dass ins Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen, dann zeigt es Wirkungen z.B. über das Verhalten.

Ein „kollektives Bewusstsein“, eine kollektive Vorstellung, vermag auf den, der zum Kollektiv gehört (darauf ist es beschränkt) auch heilsame Wirkungen zu entfalten. Das ist ein Hintergrund, warum die Zugehörigkeit zu Glaubensgemeinschaften schon „heilenden Charakter“ haben könnte.

Es ist dann Sache dessen, der solche „Suggestionen“ setzt, was er bewirken will und vor allem auch, zu wessen Nutzen. Der Handelsvertreter, der dem potentiellen Kunden den Gedanken in den Kopf setzen will, dass sein angebotenes Produkt Nutzen für den Kunden haben soll, vielleicht schon im Kunden ein Wohlgefühl bewirkt indem sich dieser einen Nutzen vorstellt, hat seine Provision im Kopf. Der überzeugte Geistliche, der einen Ratsuchenden seinen Glauben mitteilt, will dem Ratsuchenden dadurch, dass dieser die Ideen übernehmen soll, ohne eigenen Gewinngedanken helfen.

Aber, es bleibt immer rein subjektiv bei dem, der den „Gedanken setzen möchte“, aus welchem Zweck das geschieht. Bei vielen solcher zu übernehmenden Suggestionen, Angeboten, Gedanken, Vorstellungen kann der „Empfänger“ mitbestimmen, wieweit er sich darauf einlässt und zum Handlungsmuster macht. Doch hängt das von seinem „Leidensdruck“ mit ab, von seinen Hoffnungen, etwas als Leiden-Machend-Empfundendes, los zu werden, gepaart mit der diesem gegenüber empfundenen eigenen Hilflosigkeit. Wer Leidensdruck hat (oder bei dem bei dem man suggestiv Leidensdruck geschaffen hat) glaubt leichter, ist suggestibler.

 Copyright K.-U.Pagel  05.2015

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