Sonntag, 13. September 2015

Prävention: Geschäfte mit der Krankheitsangst?

Prävention: Geschäfte mit der Krankheitsangst?

Können Vorbeugungsprogramme krank machen?


Wikipedia erklärt „Prävention“:

Prävention (lateinisch praevenire „zuvorkommen“) bezeichnet Maßnahmen zur Abwendung von unerwünschten Ereignissen oder Zuständen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreffen könnten, falls keine Maßnahmen ergriffen werden. Prävention setzt voraus, dass Maßnahmen zur Verfügung stehen, die geeignet sind, den Eintritt dieser Ereignisse zu beeinflussen. Der Begriff der Vorbeugung wird synonym verwendet. Prävention stellt meistenteils eine Form der Intervention dar.


Über Krankheitsprävention wird geschrieben:

Krankheitsprävention (lateinisch praevenire ‚zuvorkommen‘, ‚verhüten‘) bzw. kurz Prävention versucht, den Gesundheitszustand der Bevölkerung, einzelner Bevölkerungsgruppen oder einzelner Personen zu erhalten bzw. zu verbessern. Insbesondere in der Zahnmedizin und der Krebsmedizin wird synonym auch der Begriff Prophylaxe (griechisch προφύλαξις prophýlaxis ‚die vor etwas aufgestellte Wache‘, ‚Vorposten, ‚Schutz‘) verwendet.
Zentrale Strategie der Prävention ist es, die Auslösefaktoren von Krankheiten zurückzudrängen oder ganz auszuschalten.[1] In der Regel wird Prävention damit nicht nur als Aufgabe der Medizin verstanden, sondern erfolgt interdisziplinär unter Mitwirkung von Psychologie, Soziologie und Pädagogik. Präventive Maßnahmen sind langfristig angelegt und zielen auf langfristige Veränderungen der Einstellung, des Erlebens und des Verhaltens.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Krankheitspr%C3%A4vention

Zunächst einmal: Es ist durch nichts bewiesen, dass jemand nicht erkrankt ist, weil man mit einer Präventionsmaßnahme den Krankheitsausbruch zu verhüten versuchte. Das setzt voraus, zu wissen, dass jemand tatsächlich ohne diese erkrankt wäre. Der Ausbruch einer Krankheit ist nicht daran gebunden, dass bestimmte statistische Risiken für eine untersuchte Gesamtgruppe vorliegen müssen. Zu viele Erkrankungen treten konkret auch bei Personen auf, die ein solches Risiko nicht haben/hatten!
Und viele Menschen erkranken, trotz statistischem Risiko bei einem bestimmten Verhalten oder bestimmten Gegebenheiten dennoch nicht. Und die Zahl ist groß.



Das Problem mit Voraussagen aus Statistik

Es gibt - wie Wikipedia zutreffend schreibt -, nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass etwas zutreffen könnte. Diese Wahrscheinlichkeit wird rein statistisch ermittelt. Sie sagt über den Einzelnen nichts aus. Die Übertragbarkeit von statistischen Ermittlungen in einem Land auf die Menschen in einem anderen Land (wie es nicht selten geschieht) ist eingeschränkt. Sie hängt von so vielen weiteren Faktoren ab, als nur den untersuchten. Selbst bei den untersuchten Faktoren sind Zweifel zu erwägen. So gibt es Untersuchungen zu Ernährungsweisen und Krankheitshäufigkeiten in den USA. Dort ist gegenüber der Bundesrepublik Deutschland ein ganz anderes Gesundheitswesen und Gesundheitsbewusstsein gegeben. Schon die durchschnittliche Betreuung im Krankheitsfall – welche Einfluss auf die gesundheitliche Stabilität haben kann – ist auch wegen des fehlenden allgemeinen Krankenversicherungsschutzes anders. Menschen, die hier bereits bei geringen (beginnenden) Gesundheitsstörungen den Arzt aufsuchen und entsprechend frühzeitig Hilfe bekommen können, warten in den USA schon wegen der Kosten länger. Und wenn sie krank sind, sich auskurieren sollen, dann hilft hier die gesetzlich geregelte Lohnfortzahlung.

Ist also der durchschnittliche Gesundheitszustand in den USA mit dem hier vergleichbar? Gehen die Amerikaner so oft zum Arzt wie die Menschen hier? Das ist Voraussetzung, dass über tatsächliche Krankheitshäufigkeiten etwas gesagt werden kann. Wenn hier, wegen der besseren Bedingungen, so manche Erkrankung schon bei Beginn festgestellt werden kann (und dann vielleicht weitere Folgen gezielt vermieden werden können), so nimmt die Diagnosehäufigkeit zu. Manche Erkrankung wäre in diesem Stadium vielleicht wieder einfach so ausgeheilt, auch ohne das eine Diagnostik erfolgt sein müsste – und sie tauchte in der Statistik nicht auf ohne Diagnosstellung.

Das ist ein Problem z.B. bei der Früherkennung (das ist keine Vorbeugung/Prävention) von Brustkrebs. Die Zahl der früh erkannten Krebsfälle nimmt zu. Weniger werden so später erkannt. Aber früher hat man Krebse dann erkannt, wenn sie schon entsprechend entwickelt waren. Das bedeutet, dass es diese Krebsfälle früher wie heute in der Statistik gegeben hatte. Nun kommen aber Krebsfälle in der Statistik hinzu, die man früher nicht erkannt hätte. Eben deswegen, weil sie noch vom Körper selbst erfolgreich bekämpft worden wären.

Wenn man heute also wegen der Früherkennung mehr Krebsfälle findet als früher in die Statistik gekommen wären, heißt das, dass vielleicht heute statt bei 4 von 1000 nun bei 5 von 1000 Frauen Brustkrebs auftritt? Der Brustkrebs häufiger wird? Oder bedeutet das, dass einer von 5 Krebsen als „Frühkrebs“ ausgeheilt wäre? Ohne belastende Therapie? Ohne Ängste bei falsch als krebskrankverdächtig eingeschätzten Frauen? Und ist die Überlebenszeit besser geworden. Leben 5 oder 10 Jahre nach der Brustkrebsfrühdiagnose mehr Frauen noch als bei späterer Diagnose? Hat diese Frühdiagnostik (keine Vorbeugung sondern Feststellung von Krebs!) tatsächlich die Sterblichkeit gesenkt? Statistisch immer, denn der Anteil der „Selbstheiler“ an den festgestellten Krebsfällen (mehr wegen Frühdiagnose), die ja sowieso nicht gestorben wären aber früher nicht statistisch erfasst wurden, senkt die Sterblichkeit! Nur muss man berücksichtigen – statistisch meines Wissen nicht erfasst – wieviele davon, die nicht am Krebs gestorben wären, wegen der Therapie eine Lebensdauerverkürzung erleiden mussten.

Welchen Sinn macht so etwas wirklich? Wir haben diese Exkursion genommen, weil in Deutschland die durch Krankenkassen bezahlte (damit erschwingliche auch für ärmere Bevölkerungsschichten) Früherkennung von Brust-, Magen-, Darmkrebs wahrscheinlich von einem größeren Anteil an der Bevölkerung und häufiger (mit einmal ist es nicht getan!) vom Einzelnen wahrgenommen werden kann, als in den USA.

Zurück zur Ernährung: Die Qualität und Beschaffenheit der Lebensmittel könnten in den USA anders sein als in Deutschland. Die Grenzwerte für Schadstoffe sind dort meist höher. Medikamentengaben bei Tieren in Großmästereien (größer als in Deutschland) können höher sein. Vielleicht auch mehr Medikamentenrückstände in tierischen Produkten? Die Verwendung von Zusatzstoffen, die hier als bedenklich gelten, in der Nahrungsmittelfertigung kann von den Stoffen oder Stoffmengen her, ausgedehnter sein. Der Anteil von genveränderten Pflanzen und Tieren bzw. deren Fütterung mit „Genpflanzen“ ist wegen der einschränkenden Gesetze hier in den USA sicher höher. Folgen sind noch unbekannt, weil es in der Regel viele Jahre braucht, bis sich etwas zeigt was darauf zurückzuführen ist. Schleichende Vergiftungen töten eben langsam und lange Zeit unmerklich als solche. Das ist ihre Art.

Und dann will man, wenn man den Durchschnittsesser in den USA betreffend Krankheitshäufigkeiten mit dem vergleicht, der seine Nahrung gezielter und bewusster aussucht, an Bildung oft über anderer hinausragt, ein höheres Gesundheitsbewusst sein hat (nicht unbedingt mit dem hier vergleichbar), Daten erheben, die tatsächlich in die Praxis umzusetzen sein sollen? Als „Präventionsprogramme“, zur Vermeidung des Auftretens bestimmter Erkrankungen? Schon in den USA unterscheiden sich die Probandengruppen durch verschiedene Lebensgewohnheiten, Lebensbedingungen, Berufe usw. so weit, dass dadurch bedingt schon andere Krankheitswahrscheinlichkeiten auftreten könnten, wenn man diese mit erfasst. Und auch bei uns?
Nehmen wir die Bevölkerung, mit den Wurzeln in Afrika, die als Sklaven nach Amerika kamen. Mit anderen genetischen Voraussetzungen, mit anderen Anfälligkeiten für Krankheiten, insbesondere in Regionen, an die sich die Gene nicht anpassen konnten, angesiedelt. Es ist noch immer so, dass diese einen höheren Anteil (pro 1000 Menschen) an den eher ärmeren, bildungsferneren und sozial benachteiligteren Bevölkerungsanteilen haben.

Und „frische“ Einwanderer aus Asien oder Süd- und Mittelamerika? Wieweit werden in Statistiken in der USA hier Unterschiede gemacht und Unterauswertungen vorgenommen? Klar gibt es das Problem, dass sich solche Menschen vielleicht diskriminiert sehen können, wenn sie zusätzlich noch separat „ausgewertet“ werden. Doch ändert das an den Genen und zu manchen Krankheitsveranlagungen nichts.

Welchen Aussagewert haben Statistiken tatsächlich für das Leben und ggf. zu ändernden Lebensweisen eines Einzelnen? Einen konkreten individuellen Menschen hier. Nichts. Sie sprechen nur für eine anonyme Masse (die Studien werden ja meist anonym durchgeführt). Und wieviele der erfassten Fälle eindeutige große „Wahrscheinlichkeiten“ hatten und bei wievielen nur geringere vor lagen, ist nicht zu erkennen. Die Statisik leitet ihre Ergebnisse aus der Masse (Summe) von leichten und schweren Fällen ab und bildet irgendeinen Durchschnitt oder Median.

Das zeigt, wie gering der Wert von statistischen Zahlen für den individuellen Einzelnen gerade in der Vorausschau, zu welchen Erkrankungen er mit welcher persönlichen Wahrscheinlichkeit tendiert. Das bedeutet, ich wiederhole es, nicht, dass man sagen kann, dass er tatsächlich erkranken wird.



Problem der tatsächlichen Wirksamkeit von Vorbeugungsmaßnahmen

Mit der Zurückdrängung von (statistisch ermittelten) Auslösefaktoren ist eine Krankheitsvorbeugung nicht getan. Es geht nicht um eine anonyme Bevölkerungsgruppe. Es muss um den Einzelnen gehen, der hat ja sein Leben umzustellen, der hat bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen, bestimmte Stoffe einzunehmen oder zu meiden. Um den Einzelnen geht es aber nicht!

Wie hat Wikipedia geschrieben: „Prävention setzt voraus, dass Maßnahmen zur Verfügung stehen, die geeignet sind, den Eintritt dieser Ereignisse zu beeinflussen.“



Welche Maßnahmen gibt es tatsächlich, die geeignet sind, den Eintritt des Krankheitsereignisses zu verhindern? Wurde jemals nachgewiesen (da muss sich eine Eignung dran messen lassen), dass jemand, der Gewicht abgenommen ha,t tatsächlich länger lebt, als wenn er dick geblieben wäre? Dass vielleicht nicht eine andere Krankheit aufgetreten ist, die nicht aufgetreten wäre, wenn er nicht „Präventionsmaßnahmen“ befolgt hätte, anstelle der, der man vorbeugen wollte?

Welche Präventionsmaßnahme ist für den Einzelnen tatsächlich wirksam (und richtig für seinen Organismus)? Nachweise sind kaum da und wenn wieder mit statistischer Interpretationsbreite.

Gesetzliche Krankenkassen (GKV) finanzieren inzwischen Maßnahmen mit, die weit von Evidenzbasiertheit entfernt sind. Wenn aus der Statistik (unter Vernachlässigen vieler weiterer Faktoren) abgeleitet wird, dass jemand (statistisch Existierender) der leichter ist als der, den man vor einer bestimmten Erkrankung schützen will, eine bestimmte Erkrankung weniger wahrscheinlich bekommen würde als z.B. der Dicke, so muss der Nachweis vorliegen, dass die (bezahlten) Abnehmkurse tatsächlich die Erkrankung des Dicken wahrscheinlich verhindern wird.


Bei Therapien, bei Arzneien muss der Wirksamkeitsbeweis erbracht werden (auch wieder mit einer statistischen Wirkhäufigkeit bei einem Kollektiv), damit die Gesetzlichen Krankenkassen diese bezahlen dürfen. Nun will ein „Präventionsgesetz“ festlegen, dass ein bestimmter Anteil der Ausgaben der Kassen für nicht konkret wirksame Verfahren aufgewendet werden soll und eher allgemein die Lebensqualität verbessern können (Wellness)?

Prävention wird zum großen Markt. Die Anbieter möchten ein möglichst großes Stück vom GKV-Geldkuchen haben. Für die bloße Illusion, dass der Einzelne tatsächlich wegen einer Maßnahme vor Krankheit geschützt sein könnte?


Was ist die Voraussetzung, dass tatsächlich der Markt Geld einbringen kann? Es muss genügend Menschen geben, die mittels „Vorbeugung“ „Vorsorgen“ wollen. Die Geld in etwas stecken wollen, was ihnen vielleicht den Schutz vor Erkrankung bringen könnte. Geld, Zeit und vielleicht auch Lebensqualität (Änderung von lieben, vielleicht tatsächlich individuell richtigen Verhaltensweisen) geben.

Man kann für den Fall einer Erkrankung (die keiner sicher voraussehen kann), vorsorgen: Mitgliedschaft in einer Krankenkasse, Berufsunfähigkeitsversicherungen u.ä. Wenn der Fall eintritt, ist so eine gewisse finanzielle Sicherheit da. Aber vorbeugen, Krankheit verhindern? Man kann allenfalls ein statistisches Erkrankungsrisiko betreffend bestimmter Erkrankungen und angeblicher Risikofaktoren STATISTISCH vermindern.

Derjenige, der darauf vertraut, dass er an sich gesund ist, dass er – wie biologisch im Organismus individuell verankert – über sein Selbsterhaltungssystem im Falle einer Belastung von außen, sich darauf einstellen kann, der tut das für ihn Richtige. Es ist normal, dass sich Lebensbedingungen und -verhältnisse so sicher ändern werden, wie es die Jahreszeitenwechsel gibt. Dann, wenn es so weit ist. Und dafür ist der Organismus eingerichtet. Er hat Möglichkeiten, auch anhaltende Widrigkeiten auszugleichen. Es mag zwar sein, dass solche lebenserhaltenden Kompromisse mit den Realitäten unangenehm sind. Aber sie erhalten das Leben. Nur niemand kann dem Vorbeugen, kann Prävention ausüben, dass so etwas – Lebensnormales – nicht eintritt.



Die Fähigkeit, gesund bleiben zu können, nicht untergraben

Wie heißt es im Sinnspruch: „Du sollst die Brücke erst bauen, wenn Du am Fluss stehst“. Erst dann weiß man doch, was man an Material braucht, was an Konstruktion, was an Handwerkern. Mit dem Selbsterhaltungssystem ist dem Organismus die Fähigkeit gegeben worden, aus den eigenen Möglichkeiten im Falle der Notwendigkeit das nun Angemessene angemessen zu tun.

Es mag dann eine schwere Aufgabe sein. Doch kann man sie dann besser lösen, als wenn man Tonnen von Baumaterial, vielleicht gar eine fertige Brücke den ganzen Lebensweg (belastend) mitgeschleppt hätte. Es bedarf eben nur des Vertrauens in sich selbst. In seine eigene Lebensfähigkeit. Und es braucht das Urvertrauen, dass die unvorhersehbare Zukunft immer Lösungen bereit hält. Außer, man ist einfach biologisch individuell dran mit sterben. Das verhindert keine Prävention!

Urvertrauen, Vertrauen in sich Selbst und seine Fähigkeiten, lassen „frei“ leben.
Fehlen diese, so ist die Zukunft, das Morgen der Ort (die Zeit) der quälenden Ängste. Ängste die handlungsunfähig machen.



Zu diesem Thema habe ich eine Textreihe begonnen in meinem Heilkundeblog:
http://pagelsheilkundetexte.blogspot.de/2015/08/angst-krankmachende-folge-der.html

In diesem Blog habe ich zum Thema auch schon geschrieben:
http://heilkundeimkontext.blogspot.de/2015/01/unsicherheit-macht-krank.html



Wieviele Menschen fühlen sich verunsichert dadurch, dass Sie immer wieder lesen müssen, wie sie – rein statistisch – von Krankheiten bedroht sind? Sie müssen vielleicht lesen, dass sie diese Bedrohung vergrößern durch ein bestimmten Verhalten oder weil sie bestimmte Dinge nicht nehmen oder machen. Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel speist sich daraus, dass Menschen die Idee haben könnten über bestimmte Stoffe ihre Gesundheit sichern zu können und Erkrankungen zu vermeiden. Wieviel Menschen können nicht mehr erkennen, dass es sich um reine „Kaffeesatzleserei“ handelt, was ihre persönlichen Bedingungen betrifft. Wieviele Menschen können nicht (mehr) erkennen, was Statistik tatsächlich für den Einzelnen bedeutet? Wie wenige können Statistiken richtig lesen/deuten und ihre Aussagefähigkeit überprüfen?

Aber, wohin wir schauen Werbung für „Präventionsangebote“, Kurse, Präparate, Apparate, Kuren usw., in denen immer auf die Erkrankungen eingegangen wird, die laut Statistik drohen. Und man durch die angebotenen Waren oder Dienstleistungen den Eindruck vermittelt, dass sie durch den Gebrauch vorbeugen könnten (vielleicht – leider fehlt zu oft der deutliche Hinweis darauf, dass es nicht sicher ist).
Bedrohungen durch Krankheiten (statistisch berechnet) wohin das Auge schaut. Was zu kurz kommt, ist der Hinweis darauf, dass so etwas ganz normal im Leben ist (Mißempfindungen, Krankheiten) und dass der Organismus aus sich in der Lage ist, vielem zu trotzen, vieles wieder zu richten. Und im Falle, dass das nicht geht – ein ganz konkreter Fall jeweils – gibt es Hilfe durch Heilkundige, die das, was zu heilen ist erkennen und behandeln sollten. Es ist so, wie immer bei der Angst: Nur das, was tatsächlich vorhanden ist, dagegen kann man was tun. Aber was man angstvoll befürchtet – und was nicht tatsächlich da ist, dagegen kann man nichts tun. Und das macht krank – auf Dauer – früher oder später.

Doch wer sich selbst vertraut, in sich vertraut, Urvertrauen in Leben hat, der ist kein Kunde für „Prävention“. Dem fehlt die Angst.


Wer Selbstzweifel daran hat, dass er in Ordnung ist und aus sich in Ordnung bleibt, der ist im Grunde jetzt schon krank, auch wenn er nicht konkret sagen kann, was er hat. Er ängstigt sich nur vor dem was, sein könnte. Damit ist er unbehandelbar, hilflos. Angst lähmt jetzt, hier, auch noch morgen, immer. Auch wenn das, wovor man Angst hat, gar nicht da ist.

Prävention aus Angst vor Krankheiten, die gar nicht da sind, vielleicht einmal kommen könnten - oder nie. Angst schränkt die Lebensqualität ein.

Da könnte die Hoffnung darin liegen, durch Prävention das, wovor man Angst hat, verschwinden zu lassen. Doch es bleibt, es ist ja nur die „Befürchtung“, dass man eine bestimmte Krankheit bekommen könnte. Prävention richtet sich immer gegen bestimmte Erkrankungen.

Und diese Angst begünstigt das Krankwerden allgemein. Hindert das gesunde Sich-immer-wieder-ins-Lot-bringen. Man kennt den Placeboeffekt. Hier wirken Arzneien/Therapien besonders gut – auch wenn nur eine Scheinarznei gegeben wird – weil der Betreffende daran glaubt, dass die Therapie/Arznei ihm helfen wird. Seine Selbsterhaltungsfunktionen bekommen so eine Unterstützung/Bestätigung. Sie können (wieder) mit Zuversicht gegen eine Störung regulieren.

Die Präventionsmaßnahmen können das nur beschränkt. Denn sie müssen ja voraussetzen, dass zunächst einmal das Vertrauen in die Selbsterhaltung (ohne Mittel) gemindert wird. Zweifel an den eigenen Kräften geweckt werden, Misstrauen statt Urvertrauen herrscht. Dann sagen diese Maßnahmen: „Wenn Du mich nimmst, dann wird das Manko ausgeglichen. Nur dann kannst Du widerstehen.“

Braucht eine Prävention zunächst die Verunsicherung? Braucht sie das Bedrohungsszenario einer statistischen Krankheitswahrscheinlichkeit (ohne Nachweis der tatsächlichen Kausalitäten)? Braucht sie die Krankheitsangst als Verkaufsmittel? Ist das die Marktvoraussetzung für einen Präventionsmarkt, für „neue“ Präventionsberufe?

Auch mit diesem Text habe ich aus einer anderen Sicht das Thema angerissen:
http://heilkundeimkontext.blogspot.de/2015_05_01_archive.html

Nachsatz
Das ist kein Plädoyer für ungesundes Leben!

Das ist ein Plädoyer für die Besinnung darauf, wie man Gesundheit erhalten kann, nicht was man tun muss bestimmten Krankheiten zu entgehen. Das erste ist positiv und motivierend, das andere ist Angstmacherei. Man kann aus einer Statistik eher ableiten, wie man gesünder leben kann, als die Aussage, welche konkreten Krankheiten man vermeiden/verhindern kann.



(C) K-U Pagel 09.2015












1 Kommentar:

  1. Gelesen in der Werbung für "Giftbindestoffe" (nenne ich es mal) zu Präventionszwecken einzunehmen..

    "Körperentgiftung?
    Unsere täglichen Getränke, Nahrungs- und Genussmittel, unsere Haushaltschemie, Medikamente sowie vielfältige Umweltfaktoren belasten unseren Organismus. Dabei handelt es sich um diverse Substanzen, die über verschiedenste Wege in unseren Körper gelangen und zum Teil nicht kalkulierbare Kettenreaktionen auslösen können. Die Reaktionen des Körpers können sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Ein gesunder Körper ist die Basis für ein tolles Leben. Möchten auch Sie Ihrem Körper etwas Gutes tun und ihn entlasten? Tim zeigt in einem kurzen Film, welche Symptome der Körper entwickelt, wenn dieser überbelastet ist."

    Was ist das? Nicht näher genannte diverse Substanzen, die uns tagtäglich zu belasten drohen? Was ist damit gemeint? Irgend etwas was Symptome machen muss, also krank? Ist das schon eine Art der "Angstmacherei"? Soll diese den Verkauf von präventiven Produkten fördern?

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