Montag, 12. März 2018

Neue Regierung - Heilpraktiker weiter im Blick?

Heilpraktiker weiter im Focus – trotz keiner Gefahren durch den Beruf





Vorab ist festzuhalten: Niemals kann eine Gefahr, die durch Fehlverhalten eines Einzelnen entsteht, durch irgendwelche Gesetze verhindert werden. Allenfalls ist nachträgliche ein Sanktion möglich. Es ist in keiner Berufsgruppe, auch nicht bei Heilpraktikern und bei Ärzten (mit genügend Beispielen) allen vorzuwerfen, wenn Einzelne gegen die Regeln verstoßen. Die Berufsfreiheit gemäß Grundgesetz würde wohl niemals zulassen, dass Beschränkungen aller regelkonform Arbeitenden wegen einigen wenigen „Rechtsbrechern“ erlassen werden können.

Zu den gesetzlichen Regeln:

Das Heilpraktikgergesetz vor: 1. Jeder, die Heilkunde ohne Arzt zu sein ausüben will, braucht eine Erlaubnis. Diese Erlaubnis darf nicht erteilt werden (gemäß der Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz) „i) wenn sich aus einer Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Antragstellers durch das Gesundheitsamt ergibt, daß die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde.“

Dazu wird näher erläutert

(zitiert nach Richtlinien zur Durchführung des Heilpraktikergesetzes RdErl. d. Ministeriums für Frauen NRW, Stand Januar 2018):
4.2 Zweck der Überprüfung
Die Überprüfung dient der Feststellung, ob die Antrag stellende Person solche heilkundlichen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, dass die Ausübung der Heilkunde durch sie nicht zu einer Gefährdung der menschlichen Gesundheit führen kann. Die Überprüfung ist keine Prüfung im Sinne der Leistungskontrolle zur Feststellung einer bestimmen Qualifikation.
Die Kenntnisüberprüfung muss allerdings die wesentlichen Gegenstände umfassen, die für die gebotene Feststellung erheblich sind. Neben der hinreichenden Beherrschung der deutschen Sprache und der Kenntnis der einschlägigen gesundheitsrechtlichen Vorschriften gehören dazu notwendigerweise auch diejenigen fachlichen Grundlagenkenntnisse der Medizin, ohne deren Beherrschung heilkundliche Tätigkeiten mit Gefahren für die menschliche Gesundheit verbunden sein können.Durch die Überprüfung muss insbesondere auch festgestellt werden, ob die Antrag stellende Person die Grenzen ihrer Fähigkeiten und der Handlungskompetenzen klar erkennt, sich der Gefahren bei einer Überschreitung dieser Grenzen bewusst und bereit ist, ihr Handeln entsprechend auszurichten. “

Hessen legt in seiner Richtlinie, die seit 2013 bis 2019 gilt: „4.1
1Ziel der Kenntnisüberprüfung ist es festzustellen, ob die Ausübung der Heilkunde durch die Antrag stellende Person nach § 2 Abs. 1 Buchst. i HeilprGDV 1 eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde. 2Sie dient somit der Abwehr von Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung und des einzelnen Menschen und stellt keine Prüfung im Sinne einer Leistungskontrolle zur Feststellung einer bestimmten Befähigung dar. 3Daher muss sie sich auf die Feststellung beschränken, ob der Stand der Kenntnisse und Fähigkeiten der Antrag stellenden Person Anhaltspunkte dafür bietet, dass eine heilkundliche Tätigkeit durch sie zu einer Schädigung der menschlichen Gesundheit führen könnte.
4.2Umfang
1Die Kenntnisüberprüfung muss die wesentlichen Gegenstände umfassen, welche für eine solche Feststellung erheblich sind. 2Hierzu gehören notwendigerweise diejenigen fachlichen Grundlagenkenntnisse der Medizin, ohne deren Beherrschung heilkundliche Tätigkeiten mit Gefahren für die menschliche Gesundheit verbunden sein können. 3Ebenso sind die Kenntnisse der einschlägigen gesundheitsrechtlichen Vorschriften zu überprüfen. 4Durch die Überprüfung muss insbesondere auch festgestellt werden können, ob die Antrag stellende Person die Grenzen ihrer Fähigkeiten und der Handlungskompetenzen von Heilpraktikern klar erkennt, sich der Gefahren bei einer Überschreitung dieser Grenzen bewusst ist und bereit ist, ihr Handeln entsprechend einzurichten.“



Das bedeutet: Personen, die nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügen, die Voraussetzung sind, dass die heilkundliche Tätigkeit durch diese Person KEINE Gefahren für die Gesundheit ihrer Patienten bringt, dürfen gar nicht erst die Erlaubnis erhalten, als Heilpraktiker tätig zu werden.

Patientenschutz gewährleistet durch Vorgaben des Gesetzes – wenn die zur Überprüfung zuständigen Behörden dem Gesetzesanforderungen gerecht werden.

Auch über die persönliche Zuverlässigkeit muss die Überprüfung ein Bild liefern können.


Klar ist, dass die Heilpraktikerüberprüfung über die Feststellung der die Gefahren vermeidenden Kenntnisse hinaus nicht die eine bestimmte Qualifikation festgestellt soll. Sie stellt fest, dass der Betreffende keine Gefahr für die Patienten darstellt, aber nicht welchen Nutzen er haben kann.

Patientenschutz vor Patientennutz. Ob jemand einen Nutzen in irgend etwas sieht, entscheidet der gemäß Grundgesetz immer selbst, auch in der freien Behandler- und Methodenwahl in der Heilkunde. Therapiefreiheit gilt nach Grundgesetz nicht nur für den Arzt und evidenzbasierter Verfahren.

Das unterscheidet die Überprüfung wesentlich von den Prüfungen bei den sonstigen Heilberufen. In diesen Prüfungen wird festgestellt, dass die Bewerber Nutzen auf der Basis der vorgegebenen Ausbildungsinhalte bringen können. Hier liegt ein wesentlicher Grund, warum Heilpraktikerleistungen NICHT durch gesetzliche Krankenkassen bezahlt werden dürfen, die von Ärzten, Physiotherapeuten, approbierten Psychotherapeuten aber wohl.. Diese Krankenkassen dürfen nur Leistungen bezahlen, die Nutzen bringen auf der Basis entsprechender qualifizierender Ausbildungen und Prüfungen. Das entspricht auch der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, welches 1988 darüber entscheiden musste, ob Heilpraktikerleistungen nicht aus Gleichheitsgründen durch gesetzliche Kassen zu erstatten sein müssten.

Entsprechend konsequent hat der Gesetzgeber auch davon abgesehen, eine Ausbildung für Heilpraktiker inhaltlich und vom Ablauf her vorzugeben, die diesen Nutzen erbringen soll. Es ist egal, woher und wie der Heilpraktikeraspirant sein Wissen hat, das Voraussetzung dafür sein muss, dass er Patienten mit seiner Tätigkeit nicht schadet. Es muss jedoch zwingend von den zuständigen Behörden überprüft werden, dass dieses in allen möglichen Tätigkeitsbereichen gegeben ist.

Heilpraktiker ist vom Gesetzgeber so gewollt kein Ausbildungsberuf und es darf auch keine Ausbildung von diesem als Berufszugang verlangt werden. Dennoch gibt es private gewerbliche Anbieter, ob Einzelpersonen, Firmen oder Vereine, die zumindest das Wissen, das für die Überprüfung notwendig erscheint, zur Vermittlung anbietet. Das in verschiedener Form und verschiedenem Umfang. Da der Heilpraktikerberuf kein Ausbildungsberuf ist mit geregeltem Ablauf und Inhalt der Ausbildung, kann auch kein Kursbesuch Voraussetzung der Erlaubniserteilung sein. Es ist von daher auch nicht möglich, eine Ausbildungsfirma anzuerkennen, tatsächlich eine Berufsausbildung anzubieten. Lediglich nach dem Umsatzsteuerrecht ist eine Anerkennung als auf den Berufszugang vorbereitend möglich.

Es ist kein Qualitätsbeleg für den Nutzen der Heilpraktiker an sich, wenn Heilpraktiker oder ihre vielen verschiedenen Berufsvereine auf die vielen Ausbildungsangebote (ohne verbindliche Inhalte und Abläufe sowie Umfänge), an denen Kandidaten für die Heilpraktikererlaubnis teilgenommen haben könnten, hinweisen.

Darum, um den Nutzen den die meist naturheilkundlichen, komplementären oder alternativen Heilverfahren, die von Heilpraktikern angeboten werden, geht es nicht. Auch nicht den Kritikern. Eine ganze Reihe von Ärzten bieten Gleichen mit lukrativem Zusatzeinkommen neben der Kassenpraxis an. Man könnte meinen, mit der unbewiesenen Behauptung, Heilpraktiker würden den Patienten schaden können, nur weil sie kein geregelte Ausbildung mit Staatsexamen haben, wäre nur beabsichtigt, diesen Ärzten Konkurrenten vom Halse zu halten – eine Art verdeckte unlautere Werbung also.


Die Durchführung der Überprüfung vor der Erteilung einer Heilpraktikererlaubnis ist keine Kannregelung sondern für die zuständigen Behörden verpflichtend. Sie kann unter ganz engen Grenzen (teilweise) ersetzt werden durch Nachweise über abgeschlossene geregelte Berufsausbildung mit abschließender staatlicher Prüfung (Staatsexamen). So bei den nur auf Antrag des Erlaubnisbegehrenden bei streng auf nur ein bestimmtes Gebiet der Heilkunde beschränkter Tätigkeitserlaubnis. Beispielsweise bei Physiotherapeuten mit staatlicher Prüfung nach abgeschlossener geregelter Ausbildung oder auch bei Psychologen mit abgeschlossenem Studium klinischer Zusatzausbildung. Da kann der in der Ausbildung enthaltene und im Examen geprüfte Teil als vorhandene Grundkenntnisse vorausgesetzt werden. Die Überprüfung hierzu darf entfallen. Es muss aber immer alles, was nicht enthalten war und für die eigenständige Heilkundeausübung wichtig sein kann, überprüft werden.

Die „normale“ Heilpraktikererlaubnis wird unbeschränkt erteilt, das bedeutet (zitiert nach Heilpraktikergesetz § 1 (2): „Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.“

Das bedeutet, dass jede Tätigkeit, auch invasive Maßnahmen wie Injektionen mit dieser Erlaubnis grundsätzlich ausgeführt werden dürfen. Zusätzliche Erlaubnisse dazu kann es nicht erfordern. Demzufolge sind die zuständigen Behörden verpflichtet, die dafür notwendigen Kenntnisse zu überprüfen, die Gefahren für Patienten ausschließen sollen. Im Fall dieser Invasiven Maßnahmen ist das unter anderem die Sachkunde in Hygiene für diese Verrichtungen. Da jeder Erlaubnisinhaber diese ausführen darf, ist jeder daraufhin zu überprüfen.

Wenn bei der Überprüfung auch nur in einem Bereich der Fülle der notwendigen Kenntnisse Zweifel bestehen, ob diese ausreichend vorhanden sind, kann/darf die Erlaubnis nicht erteilt werden.

Es ist demnach Sache und Verantwortung der zuständigen Behörden, die Überprüfung inhaltlich so zu gestalten, dass die notwendigen Feststellungen getroffen werden können.



Wenn nun der Berufsgruppe der Heilpraktiker oder dem Beruf als solchem von irgendjemanden nachgesagt wird, dass von deren Tätigkeit eine Gefahr für Patienten ausgeht, dann kann das nur bedeuten, dass den verantwortlichen Behörden ein Versagen oder Nachlässigkeiten bei der Erlaubniserteilung - Überprüfung – unterstellt wird. So würde ich die Aussagen und Einschätzungen einer nicht nur Münsteraner Ärztegruppe (Münsteraner Memorandum) dann verstehen müssen, die Gefahren durch die Heilpraktikertätigkeit vermuten. Das Gesetz mit seiner Durchführungsverordnung nimmt die Behörden in Pflicht, Gefahren abzuwehren. Diese hätten dann ihre Pflicht nicht erfüllt.



Man muss immer daran denken: Persönliche Verfehlungen und Kompetenzüberschreitungen Einzelner sind keine Berechtigung, den ganzen Beruf und allen seinen Angehörigen grundsätzlicher Gefährlichkeit zuzumessen.


Die Berufsfreiheit Art. 12 Grundgesetz lässt nicht zu, dass aufgrund unzureichender Pflichterfüllung von Behörden berufliche Einschränkungen, gar Tätigkeitsverbote erlassen werden.

Unter diesem Aspekt sollte man sich eine Passage des Entwurfes zum vorgesehen Koalitionsvertrag der wohl künftigen ab Mitte März 2018 künftigen Regierung ansehen und hinterfragen:

Die Zeilen 4702 und 4703 diesen Vertragstextes besagen: „Im Sinne einer verstärkten Patientensicherheit wollen wir das Spektrum der heilpraktischen Behandlung überprüfen.“

Hoffentlich meint das nicht, dass die zur Überprüfung verpflichteten Behörden in der Gefahrenabwehr versagt hätten. Grundsätzlich muss eine Patientensicherheit durch die Überprüfung gesichert sein. Eine Verstärkung sollte nicht nötig sein. Und wenn, dann nicht durch Einschränkung des Behandlungsspektrums sondern durch angemessen Erweiterung der Überprüfungen, die das Gesetz für eine Erlaubniserteilung zur Voraussetzung gemacht hat.


Bisher ist ein tatsächlicher Grund für einen Eingriff in die Berufsfreiheit nicht ersichtlich. Der muss sich aus tatsächlich eingetretenen Schäden trotz hinreichender Gefahrenabwehrüberprüfung ergeben. Das jedoch kann für eine ganze Gruppe von Menschen nicht das Verhaltenen Einzelner sein.

Schon deswegen hat nach Inkrafttreten des Grundgesetzes keine Beschränkung des Erlaubnisumfangs oder der Bestimmungen des Heilpraktikergesetzes den Weg ins Gesetzgebungsverfahren genommen.

Für eine Optimierung der Heilpraktikerüberprüfung zum Patientenschutzzweck hat der Gesetzgeber bereits beigetragen. Er hat im Jahre 2016 die Länder in die Pflicht genommen bis zum Jahresende 2017 zusammen mit diesem gemeinsame Richtlinien zur Heilpraktikerüberprüfung im Sinne des Patientenschutzes vor Gefahren durch Heilpraktikertätigkeit zu erarbeiten und vorzulegen. Die neue Regierung kann nur Sorge dafür tragen, dass diese auch umgesetzt werden.

Es wurde in die Durchführungsverordnung (Bundesrecht) aufgenommen: „Das Bundesministerium für Gesundheit macht Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärtern bis spätestens zum 31. Dezember 2017 im Bundesanzeiger bekannt. Bei der Erarbeitung der Leitlinien sind die Länder zu beteiligen.“

Diese Leitlinien liegen vor und werden am 22.03.2018 wirksam.

Sie haben die bisherigen bekannten Regeln im Grunde nur anders formuliert: „Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker dürfen nur in dem Umfang Heilkunde ausüben, in dem von ihrer Tätigkeit keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder für Patientinnen und Patienten ausgeht. Sie müssen eventuelle Arztvorbehalte beachten und sich auf die Tätigkeiten beschränken, die sie sicher beherrschen.... Zur Heilpraktikerüberprüfung: 1. Inhalte der Überprüfung Die Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten der antragstellenden Person dient einerseits der allgemeinen Feststellung, dass von ihrer Tätigkeit im Falle der Ausübung von Heilkunde keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung ausgeht. Im Besonderen dient sie der Feststellung, dass die Ausübung der Heilkunde durch die antragstellende Person keine Gefahr für ihre Patientinnen und Patienten darstellt.“

Wichtige Aussage zur Feststellung bei der Überprüfung: „1.6.3 Die antragstellende Person ist unter Anwendung ihrer medizinischen Kenntnisse, unter Einbeziehung vorliegender Befunde, gestützt auf ihre Anamnese und im Bewusstsein der Grenzen ihrer diagnostischen und therapeutischen Methoden sowie möglicher Kontraindikationen in der Lage, eine berufsbezogene Diagnose zu stellen, aus der sie einen Behandlungsvorschlag herleitet, der keine Gefährdung der Patientengesundheit erwarten lässt.

Sie listen die breiten Gebiete auf, in denen notwendige Kenntnisse gezeigt werden müssen.

Sie besagen z.B. für die (immer wieder kritisierten) invasiven Verfahren wie Injektionen, Akupunktur, Aderlass, Schröpfen: „Die antragstellende Person kennt die medizinrechtlichen Grenzen sowie Grenzen und Gefahren allgemein üblicher diagnostischer und therapeutischer Methoden bei der Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten aufgrund von Arztvorbehalten insbesondere im Bereich des Infektionsschutzes, im Arzneimittel- oder Medizinprodukterecht und ist in der Lage, ihr Handeln nach diesen Regelungen auszurichten. … Qualitätssicherung: 1.2.1 Der antragstellenden Person sind die Grundregeln der Hygiene einschließlich Desinfektions- und Sterilisationsmaßnahmen bekannt; sie ist in der Lage, diese bei der Ausübung des Berufs zu beachten.“

Da ist viel mehr als nur die Vorlage einer Teilnahmebescheinigung an einem Kurs, wie sie z.B. Tätowierer/innen oder Kosmetiker/inen vorlegen müssen, wenn diese invasiv tätig sind. Es muss überprüft werden, ob der/die künftige Heilpraktiker/in auch in der Lage ist, diese zu beachten!

Weiter zu invasiven Verfahren: „Die antragstellende Person ist insbesondere dann, wenn der Behandlungsvorschlag die Anwendung invasiver Maßnahmen beinhaltet, in der Lage zu zeigen, dass sie diese Maßnahmen ohne Gefährdung der Patientengesundheit anwenden kann.“

Und wieder: Es ist festzustellen, dass der/die künftige Heilpraktiker/in der Lage ist, etwas zu tun und es nicht nur weiß.

Das ist im Grunde der Unterschied zu den schon lange bestehenden Richtlinien zur Überprüfung. Nicht nur das Vorhandensein der Kenntnisse ist gefragt, sondern zusätzlich die Überprüfung darauf, dass jemand diese umsetzten kann, wird verlangt.

Es wird für „alternative Verfahren“ verlangt (und da kommt man auch Kritikern weit entgegen): „1.6.5 Enthält der Behandlungsvorschlag der antragstellenden Person Maßnahmen, die den alternativen Therapieformen zuzurechnen sind, erklärt sie die vorgeschlagenen Maßnahmen und ist auf Nachfrage in der Lage zu zeigen, dass sie diese ohne Gefährdung der Patientengesundheit anwenden kann.“

Wie das in der Überprüfung, die erst die Grundlage der heilkundlichen Tätigkeit ermöglichen soll, die Erteilung einer andauernd geltenden umfassenden Tätigkeitserlaubnis, erfolgen soll, bleibt offen. Muss verbindlich erklärt werden welche der vielen und vielfältigen Verfahren angewendet werden wird und darf dann später – wenn keine Überprüfung mehr vorgesehen ist – keine anderes hinzu genommen werden?

Und unabhängig von diesen Regeln, die zum einem durch Bundesgesetz vorgegeben sind (umfassende Tätigkeitserlaubnis ohne Verfahrensbeschränkung) und die bisher geübte Überprüfungspraxis in weiter konkretisierter Form feststellen, geht Hessen einen sehr fragwürdigen, auch von Grundgesetz her, fragwürdigen weg.

Im Dezember 2017, also parallel zudem die Überprüfungsrichtline zur DVO neu gefasst wurde, hat man dort in einer Infektionshygieneverordnung, die bisher nicht für Personen mit umfassender Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde nach dem Heilpraktikergesetz galt, sondern nur für Gewerbetreibende wie Kosmetiker/innen, Tätowierer u.ä,. nicht Heilkundeberufe, ausdrücklich die Heilpraktiker einbezogen. Diese Verordnung verbietet grundsätzlich die Ausübung von invasiven Maßnahmen, auch zur Heilkunde. Sie hebt demnach die erteilte Erlaubnis für Heilpraktiker in einem großen Bereich auf.

Wer als (auch als Heilpraktiker) invasive Maßnahmen durchführen will (Zitat): „(10) 1Tätigkeiten nach Abs. 1 Satz 1 dürfen nur Personen durchführen, die über die notwendige Sachkunde in Hygiene verfügen. 2Über die notwendige Sachkunde verfügt in der Regel, wer bei Ausübung von Tätigkeiten
1. nach Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 über den Sachkundenachweis Hygiene 1 (8 Stunden Kurs), 2. nach Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 über den Sachkundenachweis Hygiene 2 (40 Stunden Kurs mit Inhalten zur Aufbereitung)
verfügt. 3Auf der Internetseite des für Gesundheit zuständigen Ministeriums sind die Inhalte der in Satz 2 Nr. 1 und 2 genannten Kurse bekanntzumachen. 4Über die notwendige Sachkunde verfügt auch, wer eine Berufsausbildung, bei der Sachkunde über Hygiene in mindestens gleichwertiger Weise wie für einen Sachkundenachweis nach Satz 2 Nr. 1 oder 2 vermittelt wird, abgeschlossen hat.“
Die bei der Überprüfung auch nach hessischer geltender Richtlinie zu zeigenden Kenntnisse (Zitat aus der hessischen Richtlinie zur Heilpraktikerüberprüfung) „ 4.3.8
Praxishygiene; Desinfektion und Sterilisation,
4.3.9
Kenntnisse der sich aus der Medizinprodukte-Betreiberverordnung ergebenden Pflichten

4.3.10
Kenntnisse der Durchführung grundlegender invasiver Maßnahmen, insbesondere Injektions- und Punktionstechniken
,“

gelten nicht aus Nachweis der notwendigen Sachkenntnis. Damit die Tätigkeitserlaubnis auf die invasiven Verfahren wieder ausgedehnt werden kann ( ...Tätigkeiten nach Abs. 1 Satz 1 dürfen nur Personen durchführen …) muss keine Überprüfung erfolgen sondern lediglich ein Kurs bei einem privaten Anbieter (verdient damit Geld) belegt worden sein. Eine Berufsausbildung mit Abschluss gibt es (s.o.) für Heilpraktiker nicht.
Da zeigt sich für mich, dass es fraglich sein könnte, ob tatsächlich die – jede - (Länder) Gesetzgebung klare mit dem Grundgesetz vereinbare heilpraktikerrechtskonforme Regelungen anstrebt. Ist Chaos betreffende dem Heilpraktikerberuf gewollt? Zum Nachteil der Patienten(sicherheit)? Immer schon gemacht, schon vergessen, obwohl die Überprüfungregelung weiter gilt und noch mal neu erarbeitet, um dann doch was anderes zu machen? Wortspiel: das wäre hässlich, nicht hessisch.

Es zeigt sich, so meine ich, dass keine Gefahren durch Heilpraktikertätigkeiten ausgehen, außer durch einzelne nie auszuschließende Regelverletzungen durch einzelne Personen. Das aber nur, wenn tatsächlich die die zuständigen Behörden verpflichtenden gesetzlichen Vorgagen eingehalten werden.


Ich muss hier hervorheben:

Ich selbst war früher einige Jahre als Beisitzer bei Heilpraktikerüberprüfungen tätig und haben etliche Jahre mich auch aktiv und kritisch mit der Überprüfung befasst. Dabei habe ich vielen erfahren und kennen gelernt. Ich möchte deswegen den beteiligten Amtsärzten (auch wenn es einigen mit „Eigenheiten“ gab und gibt) hervorragende Arbeit bescheinigen. Sie haben mit dazu beigetragen, dass die Tätigkeit durch Heilpraktiker für Patienten keine Gefahren (außer durch „Einzeltäter“) darstellt.

Wenn nun Politiker, Menschen in Verwaltung und/ oder Ministerien meinen, da irgendwelche Gefährdungen dennoch mutmaßen zu müssen, ist das eine Ohrfeige für die „an der Front“ gut Arbeitenden.

Wenn da einige Ärzte in Gruppenabsprache meinen, im Grunde genommen nicht den Heilpraktikern Gefährlichkeit zuzumessen, sondern den in der Überprüfung tätigen Arztkollegen, die für die Gefahrenabwehr zuständig sind, letztlich zuweisen, dafür die Verantwortung zu tragen, ist das mit der ärztlichen Berufsordnung nicht zu vereinbaren.

Also: Der Heilpraktikerberuf, die tätigen Heilpraktiker, können schon wegen der gesetzlichen Vorgaben keine Gefahr für die Patienten darstellen. Es sei den die zuständigen Behörden versagen. 

Eine kritische Meinungsäußerung von K.-U.Pagel (c) 03.2018

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